- 162 =
„Qnisisawn* stand vor einem leidlich präsentabel aussehenden Dings von Gasthof. Habe schon bemerkt, daß ich sonst auf Namen nichts gebe. Dies auch das einzige Mal, daß ich auf einen 'reingefallen bin. Quisiaana — hier gesundet man — „das wäre so 'was für Dich, denke ich. Dazu hatte das Gestell 'ne Veranda mit ziemlich weitem Blick auf Strandweg und See. Also 'rin! — Zimmer belegt, dann mich auf der Terrasse niedergelassen, bei einem Glase Münchener. Mein Koffer sollte geholt werden; der Hausdiener wäre eben am Landungsplatz beschäftigt, sagte mir der Oberkellner. Als er nach ’ner Stunde noch nicht da ist, pfeife ich mir einen der flachshaarigen Fischerjungen herbei, wie sie vor meinem Sitze packetweise auf dem Anstand lauerten, gebe ihm meine Karte und laffe das Gepäck selbst holen. Der Bengel saust dahin wie der Blitz, und, natürlich, in zehn Minuten hatte ich meinen Koffer.
„Was nebenher ziemlich unwesentlich für uns ist," warf Doctor Erwe ein.
Pitsch zog die Brauen hoch und hielt ihm die Strafmühle hin.
„Bitte sehr! Nicht unwesentlich für meine Geschichte, Verehrtester. Denn hätte der Hausdiener den Koffer geholt, so — aber das kommt ja, noch nicht! Ja — was ich sagen wollte — Donnerwetter, daß Ihr auch den Schnabel nicht halten könnt! Bin doch noch richtig aus dem Concept! Also — der Koffer — ja zum Kuckuck — Quisiaana — wo war ich doch noch?"
„Auf der Terraffe!" warf Bonecke ein, der, etwas nervöser Natur, kein Feund langer Pausen war. —
„Erst 'mal trinken!" riet Heller.
„Ein neues Glas, Herr Major?"
Pitsch nickte, dann zündete er eine frische Cigarre an und fuhr fort:
„Auf der Terraffe — sehen Sie — ich dachte Du stehst Sie da am Ende von oben herab, und — nehmt mir's nicht krumm — aber müde war ich auch. Da saß ja noch von gestern in den Knochen. Bei letzterem fällt mir das Eßbare ein. Bestelle was. Paprikaschnitzel. Das Zeug reizte mich, weil der Oberkellner in Person versicherte, das Recept dazu wäre von ihm und er von Natur Oesterreicher. Lange in Budapest condittonirt. Effs deshalb Paprika an der Ostsee und recke meine Stelzen so recht behaglich unter dem Tisch. Dazu mehrfach Münchener Spaten. Das Futter macht Durst und der Spaten Schlaf. Gehe d'rum ausnahmsweise zur Hühnergutenachtzeit nach oben. (Fortsetzung folgt.)
GsMeinnNtzigss.
Geflügelzucht. Das Brutnest bringe man an einem möglichst ruhigen Platze unter und stchere es gegen Zutritt von anderen Thieren. Der Rand des Korbes oder der Kiste, worin das Nest untergebracht wird, sei nicht zu hoch, damit das Huhn beim Einstsigen die dünnschaligen Eier nicht zertritt. Man versorge die Brüterin täglich mit frischem Waffer und Körnern, am liebsten Mais, stelle beides jedoch nicht direet ans Nest, da das Huhn sonst die Eier, die einer zeitweiligen Abkühlung dringend bedürfen, nicht verläßt und diese sowie das Nest beschmutzt. Ein Sand-, Staub- oder Erdbad in der Nähe des Brutnestes unterzubringen, ist ganz rathsam, da sich die Thiers durch Wühlen in demselben von dem lästigen, die Brut störenden Ungeziefer leicht befreien können. Um diese Peiniger nicht über Hand nehmen zu lassen, empfiehlt stch auch ein mehrmaliges Einstreuen von Jnsectenpulver in das Brutnest. Am neunzehnten Tage leere man das Nest und lege frisches Heu oder welkes Gras dafür ein, damit die Küken eine reinliche, ihrer Gesundheit zuträgliche Stätte finden. Um Hennen zum Brüten zu bewegen, bediene man sich folgender Mittel: 1) man sperre die Thiere in einen nicht zu großen Raum, indem sich ein Nest mit Eiern befindet, und der halb dunkel gehalten ist;
2) man gebe ihnen soviel Hanfsamen, daß fle nicht an anderes Futter denken; 3) man berausche sie mittelst Brod, welches in Wein getaucht ist, setze sie aufs Nest und decke einen mehrfach zusammengclegten Sack über den Körper der Thiere. Andere Mittel, wie das vielfach empfohlene Rupfen der Bauchfedern und Schlagen der entblößten Stellen mit Brennneffeln bringt man nicht zur Anwendung; dieselben haben einerseits keinen Erfolg, andererseits sind sie mit einer entsetzlichen Thierquälerei gleichbedeutend und infolgedeffen auch strafbar. Junge Küken setze man in den ersten 8 bis 14 Tagen mit der Glucke in eine entsprechend große Kiste, damit letztere nicht überall umherstreichen kann, wodurch oft viele Küken verhütet oder von Hunden und Katzen gelobtet werden, und stelle sie mit der Kiste in eine sonnige Stelle. Hierbei huldige man jedoch nicht der irrigen Anschauung, daß directe Sonnenstrahlen bett Thierchen wohl ihnen, sonbern stelle die Kiste zwar an einem warmen, aber nicht zu sonnigen Platz. Bei nasser ober feuchtkalter Witterung müssen die Thierchen in warmen Stuben oder in der Küche gehalten werden.
VepnEehtes.
Die Nase als Matzstab des Charakters. Der Mensch allein hat eine wirkliche Nase, das Thier, selbst das menschenähnlichste, höchstens nur Nasenlöcher. Die Nase allein verleiht dem Gesichte sein Gepräge und seine Eigenthümlichkeit. Ihre Gestaltung ist keineswegs etwas Zufälliges, sondern vielmehr das Product der gejammten organischen Entwickelung des Individuums. Insbesondere hängt die Nasenform vom Bau des ganzen Schädelgerüstes ab, wie dieses wiederum als Wiege des Gehirns an dessen Ausbildung gebunden ist. Nicht ganz ohne Grund daher hat die Nase bett Physiognomsn von jeher als Merkmal der Geistesverfassung und Gemüthsrichtung ihres Trägers herhalten müssen. Von Lavater rührt das große Wort her: „Eine schöne Nase ist ein Königreich werth!" Die kleine, flache oder kolbige Nase sollte als Anzeichen geistiger Beschränktheit und niedriger Triebe gelten, die große, lange und schmale starke Willens- und Geisteskraft bekunden. Nun ist es wohl richtig, daß Alexander der Große, Cäsar, der große Kurfürst, Friedrich der Große, Napoleon, Dante, Goethe, Schiller mit mächtigen Nasen begabt gewesen stnd, betrachten wir aber den kleinen Stummel an der Socratesbüste oder die breite, aufgeworfene Lnthernase und die schönen Nasen vieler geistloser Köpfe, so werden wir doch an der allgemeinen Giltigkeit jener Regel irre; auch der seiner Zeit berühmte Ober- tridunalspräsident von Grolman, einer der scharfsinnigsten Juristen, hatte nur eben eine Andeutung von Rase aufzu- ro elfen. Jedenfalls ist die Nase jedoch eines der characteristische- sten Ausdrucksmittel des Menschen und ihr Beruf ist nicht gering zu schätzen, den ein fesselnder Artikel des neuesten Heftes der beliebten Zeitschrift „Zur guten Stunde" (öerün W. 57, Deutsches Verlagshaus Bong & Co., Preis des Vierzehn« tagrheftes 40 Pfg.) behandelt. Alles Wiffenswerthe über diesen Gegenstand findet hier der Leser vereinigt und eine Fülle von Darbietungen tritt hinzu, um auch dieses Heft wiederum zu einem der interessantesten moderner Journalliteratur zu machen. Ein besonder« aufsehenerregender, weil in dieser Ausführlichkeit noch nicht gebotener Aufsatz behandelt unter Vorführung zahlreicher Illustrationen eines der augenblicklich im Mittelpunkts der Forschung stehenden Probleme: „Die Photographie der Liebs und des Hasses", deren Versuchs äußerst fesseln. Spannende Romane von Annie Bock: „Führe uns in Versuchung" und B. Ernst: „Prüfe, wer sich ewig bindet", wie eine lustige Ehestandsgeschichte: „Die Teufelsbohnen" von Alwin Römer machen das Heft auch belletristisch zu einer werthvollen Gabe, deren Gewicht durch die glänzenden Illustrationen — Meisterwerke der Reproduc« tionstechnik — und durch die Gratisbeilage „Jllustrirte Clafstkerbibllothek", welche die Fortsetzung von Elchendorffr Gedichten bringt, erhöht und bereichert wird.
Ukdaetion: A. Echeyda. — Druck und Verlag der Brühl'schen UniverflkSts-Buch- und Steindruckerei (Pietsch & Scheyda) in Gießen.


