Ausgabe 
31.3.1896
 
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ba hebt sich die malerische Foun einer Pinie aus dem Baden empor, rechts und links werden Villen sichtbar, Rosen« und Orangendüfte umwehen, vom Abendwind getragen, des Fahrenden Wange. Aus den Büschen zur Seite schwirrt ein Heer von Leuchtkäfern empor, die dahinjagenden Pferde wie ein Heer von Fackelträgern begleitend.

Ein tiefer Seufzer hebt Wolfs Brust. Inmitten dieser Fülle von zu Genuß und Liebe einladender Schönheit fühlt er sich doppelt verlaffen. Das Götterbild, das er so lange im Herzen getragen hat, liegt zertrümmert zu seinen Füßen. Jetzt ist auch der letzte Wahn gewichen. Er gesteht es sich voll Bitterkeit zu, die Leidenschaft hat ihn verblendet und er wäre mit sehenden Augen in sein Unglück gerannt, damals schon, hätte der Vetter sich nicht trennend zwischen ihn und jenes schöne Mädchen gestellt. Was er damals für das Ber- hängniß seines Lebens gehalten hatte, was er nie glaubte überwinden zu können, es war zu seinem Segen und Heil geworden. Wie blind ist der Mensch I Zu seinem Heill Ja, wenn er dieses Heil, das Gott ihm gespendet, hätte sest« zuhalten vermocht.

Er denkt der Zeit, da Ilse seine Begleiterin gewesen, denkt der Freude und Begeisterung, die sie beim Anblick dieser Wunderwelt empfunden hatte! Das Heil, das ihm mit diesem liebevollen Geschöpf geworden, hatte er nicht erkannt, nicht er­kennen wollen. Besitzt sie doch nicht die schillernde Schlangen« gestalt wie Jene, die lockend anzieht, um zu verderben! Nun ist sie fort, hat ihn verlaffen für immer; er ist allein, mehr vereinsamt wie je, da auch der Oheim, der Einzige, dem er auf Erden zugehörte, der ihn liebte, seine Augen für immer geschloffen hat-

Dennoch ergriff es ihn wie ein Sehnen nach der Heimath hin. In Gattersberg, wo er alle glücklichen Tage seines Lebens verbracht hat, wo alle Erinnerungen empfangener und gespendeter Liebe für ihn vereint sind; dort würde er viel­leicht die Ruhe wiederfinden, die Ruhe wenigstens, welche zum Weiter-Ertragen des Lebens nothwendig ist.

Im Hotel angckommen, findet er einen Brief des Justiz­raths vor. Es ist die Antwort auf sein aus Neapel an diesen gerichtetes Schreiben, in dem er ihn beauftragte, durch Ver­mittelung des Pastors Seiffard seiner Gemahlin eine von ihm für fie ausgesetzte größere Geldsumme zu übermitteln, da er vorausfichtlich länger, als er anfangs gedacht, der Heimath fern bleiben werde. Sein Gesicht verfärbte sich, als er es zu Ende gelesen hatte.

Also auch das noch! Sie verweigert jede Annahme von Geld, das von seiner Seite kommt! O Schmach! So tief ist er gesunken, daß eine Frau, die Frau, die er an seine Seite gehoben, die seinen Namen trägt, es wagt, vor aller Welt ihn in solcher Weise zu beleidigen. Sie will nichts von ihm. Und was hat er von ihr angenommen? Mehr als Geldes­werth, mehr als überhaupt je vergolten werden kann. Sie hat ihm Alles gegeben, Sein, Leben, Liebe, und jede Gegen­gabe weist sie zurück!

Und er hat vor wenigen Wochen, als er sich in Brindisi von ihr trennte, noch gedacht, er vermöge ihr mit Geld zu ersetzen, was sie an Opfern ihm gebracht! O, wie er sich ge­täuscht, wie niedrig er von ihr gedacht hat! Was ist ihr denn auch Geld, was kann es ihr sein! Sie will wirken, will sich nützlich machen, will Wunden heilen und Liebe säen, was braucht sie da Geld? Die Thränen der Dankbarkeit, die ihr geweint werden, sind ihr werthvoller als alle Schätze der Erde! Nur mit Liebe vermag man Liebe zu zahlen und er hat ihr diesen Tribut, den sie ersehnte, nicht gewährt! Sein Kopf sinkt in die Hände, ein Fieberschauer durchrieselt seine Glieder. Er ruft Georg herbei, der besorgt seinen Herrn betrachtet.

Da haben wir's," klagt dieser,nun ist das Fieber da, ich dacht' es mir ja."

Willig läßt Wolf sich in's Bett bringen, auch ein Arzt wurde noch trotz der späten Stunde herbeigeholt. Er ver­ordnete Chinin und gab den Rath, sobald als möglich Rom wieder zu verlaffen, denn Luftwechsel sei bei solchen Zuständen das^beste Medicament.

Wolf nickt nur und befiehlt Georg, zur Abreise am fol­genden Tage die Koffer zu rüsten.

Es ist nur meine gerechte Strafe," denkt er, als bas Fieber seinen Körper durchrast und er ruhelos auf seinem Lager sich hin- und herwirft,wenn ich nun doch einsam und ohne eine liebende Hand, die mir die Augen zudrückt, aus dem Leben scheiden muß!" (Fortsetzung folgt.)

Mar«» der Major in Mch nicht hrirchete.

Humoreske von Hermann Birkenfeld.

, ' (Fortsetzung.)

Glauben Sie mir, daß ich schon manches Frühstücks- brödchen und manche Taffe Kaffee hinter mir habe? Ja? Nun, dann denken Sie sich, daß das Alles Quark war und ist gegen diese Taffe, die Lonny mir selbst einschenkte, und die Stulle, die sie mir zurechtstrich. Sie besorgte das für ihren Schwager auch, und wir wären hier ja zusammen wie eine Familie. Es war schauderhaft gemüthlich. Alle Morgen sich so den Kaffee einschenken lassen von ihr Pitsch, alter Esel, was packen Dich da für Gedanken!

Am Strande faßte ich heruach die erste Gelegenheit beim Schopfe, mit Frau Cölestins zu sprechen. Herrgott von Bent­heim was meinen Sie? Sie war noch frei! Ich meine natürlich Lonny. Immer sie. War eben alles, daß ich meiner zukünftigen Schwägerin nicht um den Hals fiel. Aber so en public küsse ich ihr nur die Fingerspitzen, und sie freut sich wohl insgeheim auf den Kuppelpelz. Setze also mein Glück auf den Nachmittag oder Abend.

Nach Tisch Familie Ditto sich zurückgezogen. Ich nicht. Meine Bude ekelte mich an. Aber Ruhe war auch unten nicht, denn das Kellnergetrapfe und Taffengerappel machte einen malade. Bummle also ein bischen 'rum, so nach Cram- pas zu, dann in den Wald, bis gegen vier. Und dann waren die Dittos futsch! Ich ganz baff, als der Kellner mir das sagt. Die Herrschaften hätten nur eine Promenade vor­gehabt; würde sie also am Strande wohl finden. Sehen Sie, nun fühlte ich mich eigentlich ein bischen vor den Kopf gestoßen, aber schließlich war ich doch zuerst ausgerückt und konnte es nicht mehr quer nehmen, daß Schwägerin '.esttne aber so weit waren wir ja längst noch nicht. Jedenfalls mußte mein Kleeblatt draußen zu finden sein. Dem Kerl aber, der mir die unerwünschte Nachricht überbracht hatte, mußte ich 'was Unangenehmes sagen. Empfand momentan so das Bedürfniß dafür.

Noch viel Zimmer frei?" frage ich denn.

Der Frackmensch zuckt die Achseln.

Haute saison! Alles besetzt!"

Bon!" knurre ich,lassen Sie meinen Koffer nur 'runter­schaffen, ich bleibe nicht länger hier. Danke für das Geschnarche, wie's vorige Nacht aus Nummer vierzehn Ihre Papierwände durchsägte."

Der Mensch grinst mich so unverschämt an:

Wird anderen Herrschaften sehr willkommen sein, mußte schon verschiedene Reisende abweisen."

Ich nun meine Rechnung bezahlt und ab.

Die Bagage wollte ich holen lassen.

Nun auf die Suche hinter den Dittos her. Stranb- promenade vom Herrenbads bis nach Crampas abgsspürt wie ein Köter, der seinen Herrn verloren hat, Augen halb aus» geguckt Mahlzeit!

Ein paarmal meinte ich Lonny's cremefarbene Friedens­fahne vor mir herflattern zu sehen und gab mich ans Stampfen. Die reine Tretmühle! Das Kieszeug flog mir nur so unter den Füßen weg. Und als ich mich dann, ganz außer Pust, auf fo'n Schritter siebzig bis achtzig 'rangepürfcht hatte, war's irgend 'ne Familie vom Lande, mit 'nem Flundergestcht von Tochter, das sich durch ein Cremegelbes ein bischen an­getakelt hatte.

Nebenbei äuge ich so nach einer Unterkunst für die Nacht aus.