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„Glück? Ich denke, er ist bankerott und muß den Ab- schied nehmen. Hat nicht sein Vater kolossale Schulden hinter- lasten?"
„Das ist ja wahr, aber was thut denn das, wenn er sich eine steinreiche Erbin einfängt?"
„Was Sie nicht sagen, Frau Oberstlieutenant, eine Erbin und sehr reich?"
„Enorm; e« soll eine Russtn sein mit ungezählten Millionen. Gott, hat der Mensch ein Glück I Eine reiche Frau war doch die einzige Rettung, die ihm übrig blieb I"
So weit hatte Ilse gehört; jetzt stand ste auf und verließ mit raschen Schritten das Zimmer und das C urhaus.
Als sie ungefähr eine Stunde später in der Villa ankam und direct in ihr Zimmer ging, fand sie Hedwig dort, die aus Langerweile eine neue Frisur probirte.
Mit einem Schrei des Entsetzens drehte sie sich nach der eintretenden Freundin um, deren Gesicht sie in dem Spiegel gesehen, vor dem ste stand.
„Um Gotteswillen, Ilse, was ist Dir geschehen, wie stehst Du aus? Und ganz durchnäßt bist Du auch; wo warst Du denn?"
„Im Curpark, ich bin spazieren gegangen."
„Spazieren? Bei dem Wetter? Und wie Du das sagst! Ilse, liebe, gute Ilse, was ist denn geschehen?"
„Nichts, Hedwig, beruhige Dich; ich bin nur zu der Ein- stcht gekommen, daß Dein Vater recht hatte, als er sagte, die Herren Offiziere heirathen meist nur die Mitgift!" sagte Ilse in bitterem Ton.
„Aber Ilse!"
„Verzeih', Herr von Thelen mag ja eine Ausnahme machen, aber die Anderen —"
„Die Anderen? Ich verstehe Dich nicht, Ilse! Ich dächte doch, Du hättest den besten Beweis, daß auch noch ein Anderer eine Ausnahme macht."
„Das ist'» ja eben! Das hatte ich auch geglaubt. Aber stehst Du, man kann sich irren und das hat eben der Herr Premierlieutenant von Rheinsberg auch gethan."
„Ilse, ich bitte Dich, was soll das nur Alles heißen?"
„Weiter nichts, als daß man mir hier die Ehre angethan hat, mich für meine Schwester Hella zu halten. Verstehst Du jetzt?"
„Du willst doch nicht sagen, daß Du glaubst, Rheinsberg habe sich Dir nur deshalb genähert, weil er Dich für reich hielt?"
„Muß ich es nicht glauben? Ist es nicht wahr, daß fein Vater vor Kurzem tief verschuldet gestorben ist?"
„Ja, Curt sagte mir einmal etwas Dergleichen, aber ich habe wirklich nie wieder daran gedacht."
„Und erinnerst Du Dich nicht, wie kurz, fast unhöflich er zuerst gegen mich war? Wie er dann plötzlich aufmerksam und liebenswürdig wurde? Da hatte man ihm wahrscheinlich gesagt, Fräulein Seltikoff sei eine reiche Erbin! Ach, warum ist nicht Hella zuerst mit dem Onkel hierher gekommen? — Warum mußte ich ihn sehen und lieben?"
Und da« sonst so ruhige, gelaflene Mädchen warf stch bitterlich weinend in einen Sessel.
(Schluß folgt.)
Unsere Nase als Wächter der Gesundheit.
Bon Dr. Otto Gotthilf.
------- (Nachdruck verboten.)
Die Nase als Behausung des Geruchsvermögen« beeinflußt zunächst nicht unwesentlich das Wohlbehagen und die Stimmung des Menschen. Angenehme Gerüche stimmen uns im Allgemeinen heiter, unangenehme dagegen mißmuthig. Steigt uns der Duft eines Bratens, das Aroma einer Frucht, das Bouquet eines feinen Weines in die Nase, so brauchen wir nicht gerade Feinschmecker zu sein, um ein gewisses Wohlbehagen zu empfinden, welcher wir gewöhnlich auch äußerlich dadurch kund geben, daß wir durch schnelleres Einathmen, Schnüffeln oder Schnuppern, möglichst viel von den Riechstoffen unserm Ge
ruchsorgane zuführen. Dringt aber in unsere Nase ein unangenehmer Geruch, ein Gestank, so wenden wir uns mit Ekek ab, rümpfen die Nase oder halten ste zu. Riechen wir an Salmiakgeist, Schwefelwafferstoffgas oder anderen scharfen Chemikalien, so merken wir auch, daß die riechenden Substanzen unmittelbar auf Blut und Nerven einwirken, denn die Augen „gehen Einem über", der Athem vergeht und sogar das Bewußtsein kann zeitweise schwinden. Deshalb ath- meten von jeher in heilender Abstcht zartbesaitete Naturen durch die Nase gewisse Riechstoffe, sogenannte Essenzen ein, bevor ste in Ohnmacht fallen wollten. Gretchen ruft in Goethe- Faust: ..Nachbarin, Euer Fläschchen!"
In Bezug auf unsere Gesundheit spielt aber im täglichen Leben unser Geruchsorgan eine noch viel wichtigere Rolle. Gehen wir in trockenen Tagen auf staubigen Wegen spazieren, so sehen wir alsbald beim Schnauben der Nase an dem schwärzlich gefärbten Schleime, welch' eine große Menge Staub und Schmutz unsere Nasenschleimhaut aus der eingeathmeten Luft aufgefangen hat. Dadurch ist unsere Lunge vor dem Eindringen jener vielfach so scharfen und spitzigen Körperchen bewahrt worden, welche die feinen Lungenbläschen leicht wie Glassplitter verletzen und außer Blutungen namentlich „trockenen" Husten Hervorrufen.
Gelingt es aber wirklich einmal einem Körperchen, durch die Nase tiefer in die Luftwege einzudringen, dann entsteht sofort ein heftiges Niesen, und mit Explofionr kraft wird der Eindringling herausgeschleudert. Auch wenn die Hausfrau mit Staubwischen oder Reinemachen beschäftigt war, oder der Hausherr in seinem Gärtchen herumgewirthschaftet hat, beweist nachher das Taschentuch, welch' wichtige Rolle die Nase al« Staubfänger spielt. Im Winter hingegen würde die kalte, rauhe Luft, wenn ste direct in Hal« und Lange käme, oft schwere Erkrankungen Hervorrufen. Aber auf ihrem verhältnißmäßig weiten Wege durch all die Windungen und Muscheln der inner» Nase wird ste genügend erwärmt und verliert somit ihre Schädlichkeit. Bei sehr strenger Kälte tritt dann auch eine schnellere Schleimabsonberung ein — wir müssen häufiger das Taschentuch zur Hand nehmen — so daß die erkaltende Flüsstgkeit immer wieder durch blutwarme ersetzt und die eindrtngende Luft genügend erwärmt wird. Es ist daher namentlich im Winter von größter Wichtigkeit, stet» durch die Nase und nicht durch den Mund zu athmen. So manch gefährlicher Hals« und Lungenkatarrh wird dadurch vermieden. Die Nase erweist also unseren Lungen den wichtigen Dienst, die schädliche, trockene, unreine oder kalte Beschaffenheit der Einathmungslust in eine vollkommen gesunde zu verwandeln. Dabei werden auch etwa eingedrungene krankheiterregende Bacterien von der Schleimhaut am weiteren Vordringen in den Körper verhindert und nachher weggeschwemmt oder beim Niesen herausgeschleudert.
Aber die Thätigkeit unserer Nase al» Hüter der Gesundheit reicht noch weiter. Wenn man einem ruhig athmenden Thiere, z. B. Kaninchen, eine scharf riechende Flüsstgkeit, wie Aether oder Ammoniak vor die Nase hält, so verengern sich in demselben Momente die Nasenlöcher, die Brust zieht sich plötzlich zusammen, die Athmung hört auf, die Luftröhre schließt sich fest zu und der Herzschlag setzt aus. Dies alle» dauert aber nur wenige Sscunden. Alsdann treten Athmung und Herzschlag wieder in Thätigkeit, zuerst allerdings sehr langsam, aber allmählich gehen sie zu normaler Thätigkeit über. Wodurch und weshalb werden nun all diese Erscheinungen hervorgerufen? In dem Augenblick, wo das giftige Gas mit der Nasenschleimhaut in Berührung kam, wurden von hier aus durch Reflexwirkung gleichsam Warnung» stgnale nach dem Nervencentrum der Athmung und Herzthätigkeit abgegeben, die Luftröhre wurde sofort geschloffen und die Athmung unterbrochen, damit da» schädliche Gas nicht eindringen konnte. Erst ganz allmählich und nur zaghait versuchten die Lungen durch langsame Athemzüge, ob die Gefahr vorüber sei. Also auch in jenen so kritischen Momenten, wo uns Erstickung bedroht, waltet die Nase al« Warner und Wächter ihre« Amte«.


