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1896.
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Satyr.
in Gießen.
Die Töchter des Popen.
Roman von Marguerite Poradoivska. Deutsch von M. Pillet.
(Fortsetzung.)
Auf diesen Streifereien durch den Wald kam es manch« mal vor, daß Janek unversehens an einem Kreuzwege auf Binia stieß, welche zwei oder drei kleine, schwarze, zerzauste Schwestern hinter sich Herzog und mit ihnen Bucheckern oder Pilze sammelte.
„Sie kommen aus der Erde wie Maulwürfe, denen sie überhaupt ähnlich sind, diese Teufels-Popadias," murmelte er, indem er ungeduldig umkehrte und Verwünschungen in den Wald hinaussandte, die auf die Eltern der schwachen Ge« schöpfchen alle Krankheiten und Seuchen der Erde herabriefen.
Die erschrockene Binia führte dann ihre kleinen Schwestern schnell in das dichteste Buschwerk, wo sie bald verschwanden.
Es war Anfang April. Das Wetter war herrlich, der Himmel so klar, daß man, nach dem Ausdruck des Landvolks, dar Paradies hätte hindurchsehen können.
Das Wasser des Stry, das gewöhnlich an dieser Stelle niedrig stand, war durch das plötzliche Schmelzen des Schnees hoch angewachsen und floß schnell und schäumend über die weißen Kieselsteine, hier und da große, durchsichtige Lachen zurücklaffend, in denen flinke Schwalben ihre schwarzen Flügel« spitzen badeten.
Janek ging den Strom hinauf, die Flinte auf der Schulter. Er war jetzt ein schlanker, sonnengebräunter Bursche mit energischem Gesicht, aber einem freundlichen Ausdruck in den scharfen Augen und um den Mund, über dem ein feiner, aschblonder Schnurrbart zu sprossen begann.
Frühlingrhauch stieg von den blumenbedeckten Ufern auf; er athmete ihn ein, aber die tiefe Schwermuth wollte nicht von ihm weichen, wenn er an seine Zukunft dachte. Der Zeitpunkt, wo er sich für den Militärdienst melden mußte, lag nicht mehr fern und er fragte sich ängstlich, ob die Un« zulänglichkeit seiner Papiere ihm nicht vor den Kameraden im Regiment ein Schandmal aufdrücken würde.
Frisches, fröhliches Lachen erscholl hinter ihm und al« er sich umwandte, bemerkte er ein schönes, blondes Mädchen,
deren Gesicht ein hellblauer Schleier kokett gegen die Sonnen« strahlen schützte. Einige Schritte hinter ihr folgten Binia und der Pope Thymoftäus.
Hans zog sich schnell mit gerunzelter Stirn zurück. Zweifellos war das hübsche Geschöpf Sofronya, die älteste Tochter des Popen, die erst kürzlich aus dem Diaconiffen- kloster zurückgekehrt war.
Alle drei gingen an ihm vorüber, ohne ihn zu sehen, und schickten sich an, den Fluß zu durchwaten, wie sie es auf dem Hinwege vor einigen Stunden auch gethan haben mußten- Die beiden jungen Mädchen halten sich die Schuhe ausgezogen und liefen beherzt mit ihren weißen Füßen und nackten Beinen durch die Waffertümpel, mit der einen Hand ihre aufgehobenen Röcke, in der anderen die Schuhe tragend. Hier und da ging ihnen das Wasser nur bis an die Knöchel; aber an anderen Stellen reichte es fast bis zu den Knieen.
Plötzlich schrie Sofronya: „Vater, Vater ... ich ver« sinke!"
Ueberrascht und erschrocken eilte der Priester auf seine Lieblingstochter zu, nahm sie in seine Arme und trug sie an da» jenseitige Ufer, ohne sich itm die Jüngere zu kümmern, die gleichfalls voller Angst nach ihm rief.
Dann schrie er Binia zu: „Rur vorwärts, d« Kopf hoch und einen Fuß fest vor den anderen gesetzt; sei kein Zieraffe!"
Die Aermste war zwar schon ermattet, ging aber tapfer weiter wie ein armes Hündchen, da» man in den Fluß ge« werfen hat und das mit aller Gewalt wieder an's Land gelangen will. Jetzt ging ihr das Waffer bis au den Gürtel und dasselbe war so kalt, als käme es eben von den eisigen Schneemaffen der Karpathen herab, deren bläuliche Umrisse sich am Himmel abhoben. Und wenn sich nun irgendwo ein tückisches Loch unter ihren Schritten aufthat, — davor fürchtete sie sich am meisten.
Zuerst hatte diese Scene Hans belustigt. Sie waren wirklich hübsch anzusehen gewesen, die beiden Mädchen, die Eine blond, die Andere brünett, wie sie lachend und schreiend mit nackten Füßen und gelösten Haaren vorwärts liefen, während das Waffer ihre Kattunröcke aufbauschte und sich darin fing wie in einem Segel. Außerdem war es ihm nicht


