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Ein menschlicher Bienenstock.
------- (Nachdruck verboten.)
Babylon, Niniveh und dar tausendthorige Theben sind gefallen. Mit Staunen stehen wir vor ihren Ruinen, die uns ein Bild davon geben, welche Ausdehnung und Pracht diese Plätze einst besaßen. Es ist der ewige Kreislauf von allem, war von Menschenhand herrührt; es findet stets in seinem Bestehen einmal einHemmniß, das es nicht überwinden kann, seien es Verheerungen durch Feindeshand, seien es Erdbeben und Wafferfluthen oder der natürliche Lauf der Dinge, ein Etwas, was man Altersschwäche nennen könnte. Der Aus« spruch Cato des Aelteren „Ceterum censio, Charthaginem esse delendam“ ist das Mene Tekel, welches an den Mauern aller Riesenstädte als Mahnung an ihr endliches »»vermeid- liches Schicksal angeschrieben sein sollte.
Der englische Historiker Macaulay gibt uns in einem seiner Werke ein Bild, wie es aussehen wird, wenn dereinst ein Neuseeländer die Ruinen des jetzt so ungeheuren Londons durchforschen wird. Kommen wird die Zeit, wenn es auch dann nicht gerade ein Australier sein dürfte; aber wann und wie, wer kann es sagen, ehe dieser menschliche Bienenstock, den wir London nennen, in Ruinen liegen wird, denn immer noch nimmt e» an Ausdehnung und Pracht von Tag zu Tag stu.
Der Begriff „London" ist ein relativer, denn er umfaßt nicht allein da» kleine eigentliche London, einen Platz von kaum mehr als einer englischen Quadratmeile (41/» englische Meilen ----- 1 deutschen), sondern auch Hunderte von Städten und Dörfern, die es, nachdem die Mauern gefallen waren, die es früher eng umschlossen,' an sich gertffen hat. Zum Riesen angewachsen, streckt es noch heute seine Arme nach allen Weltgegenden aus und verschlingt Stadt aus Stadt, Dorf auf Dorf, die fortan, wenngleich mit Verlust ihrer In« dividualität, ein Atom in dem Begriff London bilden.
Ich muß hier vor allem anführen, daß bi» heute die City, das eigentliche London ihre Selbstverwaltung bewahrt hat. Ein Gleiche» bestand bis vor wenigen Jahren in allen den hinzugewachsenen Theilen, als durch Parlamentsbeschluß ganz London zu einer eigenen Provinz, die County of London, gemacht und deren Verwaltung (mit Ausnahme der City, die ihre eigene Verwaltung beibehielt) unter eins Centralbehörde, „the London County Council“, gestellt wurde. In Gemeinde- Angelegenheiten, Armenverwaltung u. f. w. ist, mit einigen Beschränkungen, die Selbstverwaltung in den Händen der einzelnen Stadttheile verblieben. Eine Folge davon ist die, daß die Armensteuer, da jede Gemeinde für ihre Armen selbst zu sorgen hat, in den ärmeren Theilen übermäßig hoch, in den reicheren dagegen sehr niedrig ist.
Das heutige London exclusive der City bedeckt 448 334 Morgen Landes oder ungefähr 700 englische Quadratmeilen. Seine Ausdehnung vom Norden nach Süden beträgt 15, und vom Osten nach Westen 17‘/2 Meilen. Wäre es möglich, alle Straßen der Stadt in eine fortlaufende Linie zu bringen, so würde dieselbe eine Länge von 7500 Meilen haben, eine Ausdehnung, die jedoch von Jahr zu Jahr fast fabelhaft vergrößert wird, wenn wir die 900 Häuser in Betracht ziehen, die jeden Monat neu erbaut werden. In der Stadt selbst ist wenig Raum für die Zunahme an Ge- bäuden, der Zuwachs entsteht fast allein in den äußersten Vorstädten, und er bedingt dadurch eine fortwährende Ver« größerung der Stadt.
In diesem ungeheuren Häusermeer leben, dicht gedrängt zusammen, nahe an 6 000 000 Menschen. Wie kann e» anders sein, al» daß sich in diesem menschlichen Bienenstöcke die Extreme überall berühren, der überschwenglichste Reichthum Schulter an Schulter mit der bittersten Armuth, der größte Luxus gegenüber dem gräßlichsten Elend und Tod durch Verhungern. Leider muß man sagen, daß unglücklicherweise für einen bedeutenden Procentsatz dieser 6 Millionen der Begriff
„leben" ein unrichtiger ist, „existiren" wäre der richtigere Ausdruck. Glücklicherweise jedoch ist der Wohlthätigkeitsstnn eine der Haupttugenden des Engländers. Er gibt mit vollen Händen, und seit es sich private Gesellschaften zu ihrer Aufgabe gemacht haben, zweckloses Almosengeben möglichst zu verhindern und dafür systematisch dem Elend abzuhelfen, wird viel Roth gelindert, wo ein bloßes Almosen nutzlos gewesen wäre. Trotzdem jedoch lesen wir in den Zeitungen nur zu ost dar Urtheil der Leichenbeschau: „Tod durch Verhungern."
Die zahlreichen ungeheuren und aufs beste ausgestatteten Hospitäler der Stadt, sämmtlich durch freiwillige Beiträge unterhalten, nur die für ansteckende Krankheiten, wie Pocken, Scharlach, Typhus rc., gehören der Regierung.
Man sollte annehmen, daß in einer solchen Riesenstadt sich auch menschliches Leiden und Krankheit in unverhältniß- mäßig hohem Grade zeigen müsse, und doch ist dem nicht so. London übertrifft in seinen Gesundheitszuständen alle großen Städte der Welt. Die allwöchentlich darüber veröffentlichten amtlichen Listen zeigen nur höchst selten einen Procentsatz von über 16 Sterbefällen auf das Tausend. Das fortwährend wechselnde, aber stet» feuchte Klima von London kann also durchaus nicht ungesund sein, wenn man von Brust- und Lungenleidenden absteht, sür die e» sicherer Tod ist.
Nicht wenig tragen zu diesen glücklichen Gesundheitsver- hältniffen die herrlichen Parks und zahllosen offenen, zum größten Theile mit uralten Bäumen bestandenen Plätze bei, zu welchem da» Publikum völlig freien Zutritt hat. Man kann diese mit Recht die Lungen London» nennen. Im Ganzen besitzt da« Innere Londons jetzt etwa 240 solcher Plätze von größerer oder geringerer Ausdehnung mit einem Flächeninhalt von circa 21000 Morgen (3,9 Morgen — 1 Hectar). Beginnen wir an der Themse, im Südwesten der Stadt, so treten wir fast sofort in den schattigen, historischen St. James- Park von 93 Morgen, an den sich der durch die politischen Versammlungen bekannte Hyde-Park mit 360 Morgen anschließt, der uns westwärts ohne Unterbrechung nach Kensington Garbers, 274 Morgen groß, führt. Nach Nordwesten zu schließt sich an den Hyde-Park der kleinere Green-Park, der wiederum die Verbindung mit dem Regents-Park von 472 Morgen bildet. Von diesem letzteren jedoch sind Theile für den zoologischen und den botanischen Garten abgetrennt. Im äußeren London finden wir eine fast ununterbrochene Reihe großer, offener, schön bewaldeter Plätze, die Commons, zu welchen allen das Publikum ungehinderten Zutritt hat.
(Schluß folgt.)
VevnEehtes.
S ch n e l l e W a h l. Lehrerin: „Vor Allem, Kinder, laßt euch nie zu etwas Bösem verführen! Wenn euch also Jemand einladet, statt in die Schule, mit ihm in die Conditorei zu gehen, Ella, was würdest du da sagen?" — Ella (schnell entschlossen): „Apfelkuchen mit Schlagsahne!"
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Höchste Anerkennung. Gast (zur Hausfrau): „Gnädige Frau, seitdem ich dieses deliciöse Roastbeef gegessen habe, halte ich dar Wort „Ochse" nicht mehr für eine Beleidigung." * ,
Verkehrte Auffassung. Arzt (untersuchend): „I», in welcher Gegend haben Sie sich denn wehe gethan?" — Patient: „In der Gegend der Stadtkirche, Herr Doetor!
Vorgegriffen. Kanzleivorstand (zu einem Schreiber, der etwas schlecht gemacht hat): „Sie sind der größte Esel dieses Jahrhunderts!" — Schreiber: „Entschuldigen! Dar Jahrhundert ist doch noch nicht zu Endel"
Pedartion: «. Schryda. - Druck und »erlag der Brühl'scheu UniversMS-Buch- und Steindruckerei (Pietsch & Scheyda) in ®K&en.
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