Janita.
Novellette von M. Behnt.
Mittag ist'». Glühend sengend sendet die afrikanische Sonne ihre Strahlen auf die weite, öde Sandfläche nieder, die sich in großem Halbkreise um die holländische Farm mit ihren ziegelbedeckten Häusern und Schuppen, auf den die Strahlen jetzt flimmern und flirrren, hin erstreckt. Schläfrig, wie ausgestorben, liegt das Gehöft. Der Boer und die Boers- ftau haben sich bet der Gluthitze in das Innere des Hauses zurückgezogen; matt und faul lungern die Knechte unter dem Schuppen. —
Hinter einem Dornenstrauch, wie deren viele auf der öden Sandfläche umherstanden, saß die kleine Janita, die Ziegenhirtin. Vor ihr und hinter ihr dehnte sich endlos die Sandtrift mit ihren Kaktusstauden und Tacaobüschen und Dornen- sträuchern; um sie herum suchten ihre Schutzbefohlenen, die Angoraziegen, die spärlichen Kräutlein. Zutraulich kam dann und wann eines der hübschen Thiere mit den langen seidigen Haaren der kleinen Hirtin nahe, aber diese erhob heute nicht die Hand, um schmeichelnd über die gehörnten Köpfe zu fahren, wie sie e» sonst wohl that — sie hatte das runde Kinderge- sicht mit den großen, blauen Augen in der Schürze verborgen und schluchzte unaufhaltsam leise vor sich hin---
Wenn ein Engel alle Thränen sammeln würde, die in dieser Welt der Sünde und des Jammers vergossen werden — die bittersten in seinem Kelch würden die aus Kinderaugen sein!
Janita war sine Waise. Vor einem Jahre hatte ein tückischer Fieber beide Eltern, brave holländische Arbeitsleute, in wenigen Tagen dahingerafft; seitdem aß das neunjährige Kind das „Gnader-brod" — das sich Gott erbarm! wie gnädig wurde es aut! gethe.lt! — auf der Farm bei dem Boer, in dessen Diensten ihr Vater gestanden.
Wie die Sonne heute doch brannte! die vom Weinen schweren Lider fielen der Kleinen zu — noch einen schläfrigen Blick, halb im Traum schon, ließ sie über die anvertraute Heerde gleiten, dann sinkt das blonde Köpfchen schwer auf den untergeschobenen Arm---sie ist eingeschlafen.
Wie leichtes Lächeln legt es sich um die halbgeöffneten Lippen, der schmerzliche Zug in Janitas Gesicht verschwindet. Leise hat der Traumkönig sie auf die Stirn geküßt und ihr einen seiner schönsten Träume geschickt------
Sie sieht sich ihre Herde heimtreiben, aber nicht in den alten Schuppen mit den rothen Ziegeln, nein, in ein Häuschen, neben dem der Flieder duftet und die Rosen nicken, wie es bei dem Vaterhause und dem kleinen holländischen Dörfchen gewesen. Und der dicke, grämliche, alte Boer lächelte ihr zu, anstatt zu schimpfen, wie er sonst that; statt seines Stockes hielt er eine Lilie mit großem, weißem Kelch in der Hand — o wie sie duftete! die Boersfrau nahm sie auf den Schoß, wie es sonst die Mutter gethan, und niemand jetzt mehr that; und als sie Fritz, dem ungeschlachten Jungen, die Stiefel auszog, sagte er: „Danke!" anstatt ihr wie sonst gewöhnlich einen Fußtritt zu versetzen. — — — — — — — — Ja, es war ein schöner Traum!
Eins der kleinen Ziegenlämmer schnupperte an Janitas Gesicht herum und leckte die letzten Thränentropfen von bett blaffen Wangen des Kinde».,
Die kleine Schläferin rührte sich etwas — sie lächelte wieder. Ja, das war ihr Vater, der sie küßte. Er beugte sich über sie und streichelte ihr blondes Haar, dann nahm er sie auf bett Arm unb sagte, jetzt ginge es nach Hause, nach Hollanb. Er fragte, warum sie barfuß liefe unb woher bie breiten, rothen, wuttbett Streifen auf ihrem Rücken kämen ... und Janita schmiegte sich an ihn — fest, so fest — unb drückte ihr Gesichtchen in seinen dichten, braunen Bart--
— die Sonne lächelte auf die Träumerin nieder, die Ameisen liefen über ihre nackten Füße — es störte sie nicht---I
Leise, leichte Tritte, unhörbar fast auf dem Sande kamen jetzt näher. Ein Hottentott, schieläugig, zerlumpt, schmutzig, schleicht sich an die Heerde heran, die scheu zur Sette weicht — mit halb verächtlichem, halb drohendem Blicke sieht er sich nach der kleinen Hirtin um, die ruhig träumend sortschlummert — dann packt er ein Ziegenlamm mit roher Faust und schleppt es davon. Dort hinten hinter dem Kaktusgesträuch erwarten ihn seine Kumpane, ein schmieriger häßlicher Buschmann und ein verkommener landstreichender Matrose, der dann und wann Steine karrt beim Eisenbahnbau; die drei verschwinden mit dem gestohlenen Lamm.--
Die Sonne stand schon tief am Horizont, als Janita erwachte. Erschrocken fuhr sie in die Höhe, ängstlich überflog ihr Auge die jetzt wieder ruhig grasende Heerde.
Sie seufzte tief. „Der schöne Traum!" sagte sie leise. Dann erhob sie sich: „Kommt, Ziegen, wir müssen nach Hause 1"
Dtzstk, der Hottentottenjunge, war schon daheim mit seiner Heerde. Die Hände in den Taschen seiner zerlumpten Beinkleider lehnte er faul an der Stallthür, als Janita die ihren eintrieb.
„Machst lang heute, Deern!" rief der dicke Boer verdrießlich, langsam näher kommend: „Hierher — spute Dich!"
Er trat in die offene Stallthür, und hielt seinen Stock quer in die Thüröffnung, um wie allabendlich die Schafe einzeln drüber springen zu lassen und sie dabei zu zählen.
„Hopp, Hopp! Gins, zwei, drei, vier — fünf —" die letzte sprang. Der Boer wandte sich mit gerunzelter Stirn zu Janita.
„Hast geschlafen, he, faule Deern? 's fehlt eins." Das kleine Mädchen trat zitternd zurück, sie wußte, was jetzt kam.
„Rein —" sagte sie ganz leise, aber ihr Herz klopfte unruhig bei der Lüge, und fast unverständlich verbesserte sie sich: „Ja--"
„Weißt Du, daß du kein Abendessen kriegst?"
„Ja —" sagte die Kleine scheu.
„Was denn sonst?"
„Ich weiß nicht —"
Die blauen Augen voll Thränen erhoben sich in stummes Flehen zu dem harten Gesichte des Boers.
„Gib mir die Peitsche!" sagte dieser kalt zu Dierk, dem HottentottenjuNgen. (Schluß folgt.)
Hirinovistifch-s.
Rache. A.: „Denken Sie, dieser Lehmann; wissen Sie, wär der Schuft gemacht hat?" — B.: „Nein, ich habe keine Ahnung!" — A.: „Er hat meinen Namen unter einem Wechsel von fünfhundert Mark gefälscht!" — B-: „War Sie sagen! Und was haben Sie gethan?" — A.: „Ich habe mich gerächt. Ich habe seinen Namen unter einem Wechsel von tausend Mark gefälscht!"
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Dilemma. Forstmeisterstochter: „Ach, Papa, Vetter Eduard, der Forstpractikant, sagte, daß er mich liebe." — Forstmeister: „Blitz, Bomben und Granaten, das ist eine verflixte Sache! Hat er Dich angelogen, wär's fatal und hat er aber nicht gelogen — hat er am End' seinen Beruf verfehlt."
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Ach so. A.: „Denken Sie nur, unser neuer Jagdpächter hat Alle», war er gestern geschossen hat, nach dem Hospital gesandt." — B,: „Donnerwetter, so splendid?" — A.: „Ja, er konnte wohl nicht ander», es war der Revierwächter, den er angeschossen hatte."
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Stoßseufzer. Fräulein Ella (welche eben 21 Jahre alt war): „Mein Gott, mündig zu sein und nicht einmal „Ja" sagen zu können!"
Pedactirm: «. Schiyda. — Druck und Bafofl da Brühl'schm UuivastkM-Buch. und Steindruckerei (Pietsch & Echeyda) in Gießen.


