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durfte er es Die glückliche Erinnerung-' üllte ihn schon
len Augapfel I i als „Talis« werden. Wie
dem er dem Pelzärmel ab« ie interessante i aufbewahrt; uvenir zweiten ecken in dem gleit gesättigt rzen ein Ding
seiner Eigener Schatz für
394, als Herr ; als Attache — sein Jung- mlich früh gestand, daß et t Gesellschaft-, t die ihn sein arteten Heim- lhm sich sogar der Gebieter wiesen. Dar Herr v-Fröden, i stand, war in auch nicht- fellschaftrklasie, ierfttzung nach e Zerstreuung gemüthlichen behaglich ge- suche der eben »gekehrt war, Miene gezeigt, düster.
g, mit der er Cravatte vom rte er dann, m zog. „Du kleines Packet rg. Erinnere
on» Effenberg seinem Herrn daß es eben heute besucht weniger als
t früh wieder hluffe, ehe er
so lang ich'» um hier ge- r kühl!"
sich unwirsch heraufziehend, öglichst regel- hlaf herbeizu- Bergeffen mit
all der Äestlmmtheit eines energischen Characters. Aber der widersprechende Geist in ihm kehrte sich nicht an diesem Befehl. Wenn wir an einer brennenden Wunde laboriren, so können wir gemeiniglich nicht der fatalen Neigung widerstehen, die schmerzende Stelle immer und immer wieder zu betasten, und find e« moralische Qualen, unter denen wir leiden, so umkreisen unsere Gedanken in den Minuten körperlicher Unthäligkeit fortwährend den Ausgangspunkt unseres Schicksales.
Vorgestern, in der großen Kunstausstellung hatte es bei Fröden „angefangen."
Schlendert er da stillvergnügt durch die Räume des Künstlerhauses am Wienfluß, weniger die ausgestellten Gemälde als das bunte Menschengewimmel in den Sälen betrachtend, mit all dem Frohmuth eines Neulings auf dem Boden einer sympathischen Stadt. Im Thürrahmen zwischen zwei Räumen, in denen besonderes Gedränge herrscht, stößt er mit der athletischen Gestalt eines Mannes in mittleren Jahren zusammen. — „Potz Blitz, Fröden, mein Junge!" — „Welch ein günstiger Zufall!" Und der Attache schüttelt einem alten Freunde, den er in nächster Zeit hatte aufsuchen sollen, die gewaltigen Hände. Es war der Maller Hellmuth Vollwang, der vor Jahren den Jüngling Fröden halb als Hofmeister und väterlicher Beschützer auf einer Ortentreise begleitet hatte. Seit mehr als einem Lustrum, seitdem Voll» wang die Professur an der Wiener Akademie angenommen hatte, waren sie sich aus den Augen gekommen.
Nach einem herzlichen Austausch von Erinnerungen sühlt sich der Maler verpflichtet, eine junge Dame vorzustellen, die sich bescheiden in Entfernung gehalten, so daß Fröden gar nicht bemerkt hat, daß sie in Vollwangs Begleitung sei. — „Eine Schülerin von mir — Fräulein Ada Berg, ein ganz außerordentliches Talent." Fröden begrüßte das Mädchen nicht allzufreudig, da es ihm lieber gewesen wäre, mit dem langentbehrten Freunde ein Stündchen ungestört zu verplaudern. Bald aber schenkte er der Dame größere Aufmerksamkeit. Während man gemeinsam die Btlderreihen durchging und ein lebhaftes Gespräch unterhielt, entwickelte sich aus dem stillen, schlichten Wesen des jungen Mädchens so viel Anziehendes, daß Fröden sich immer mehr gefesselt fühlte. Vollwang führte seinen jungen Freund dann zu einem Gemälde: „Da schau' her, mein Junge, und erkenne, daß ich auf diese Schülerin mit berechtigem Stolz blicke! Selbstporträt von Fräulein Ada Berg!" — Ja, da war Kunst zu bewundern, und für Fröden noch etwas mehr: der Gegenstand dieses Porträts selbst. Er brauchte längeres Betrachten, den ganzen Reiz dieser eigenartigen, sinnigernsten Gesichtszüge zu begreifen; hier auf dem Bilde durfte Frönen diese seelenvolle Physiognomie studiren, was ihm in natura die gute Sitte verbot.
Erst als man sich am Ausgang der Ausstellung trennte — jetzt waren eS im Gegentheile die Abschiedsworte des zu baldigem Atelierbesuch einladenden Vollwang, was Fröden als unliebsame Ablenkung von seiner momentanen Jatereffen- neigung empfand — begann der Zauber der erstaunlich rasch verflogenen letzten Stunden auf den Attache so eigentlich zu wirken, und da ließ ihn seine Weltgewandtheit auf einmal so im Stiche, daß er hinterher überzeugt war, in seiner Befangenheit bet diesem Abschied eine sonderbare, wenn nicht gar lächerliche Rolle gespielt zu haben. Ein Hang zur Selbstquälerei, wie er ihm sonst fremd gewesen war, trieb ihn dazu, aus dieser Begegnung die peinlichsten Reflexionen zu schöpfen. Er glaubte, vor diesem Fräulein Berg recht albern erschienen zu sein, eben durch seine lebhafte Rede, die — wie er eigentlich erst jetzt erkannte — int grellem Gegensätze zu ihrer knappen, feinpointirten, ruhigen Art sich auszudrücken gestanden hatte. Und hatte Vollwang ihn beim letzten Händedruck nicht ironisch lächelnd angeblinzelt, al« ob er hätte sagen wollen: „Mir scheint gar, Du hast da schon Feuer gefangen, mein Junge? Aber lass'Dir sagen: das ist nichts für Dich! Diese Ada Berg ist aus einem ganz änderen Stoffe als Du denkst."
Und diese Einbildungen reizten ihn schließlich zu einet Art von merkwürdigem - Groll gegen dieses „Malermädel". Er hätte gern gewünscht, ihr bald wieder zu begegnen — aber nur, um ihr durch ein Benehmen voll eisiger „Korrect- heit" zu zeigen, daß er doch kein leichtentflammter Gymnasiast mehr sei, wahrhaftig nur deshalb! Aber anbererfeitt wagte er es doch nicht, der Einladung Vollwang« allzurasch Folge zu leisten, das Gespräch wäre doch sofort auf „die Berg" gekommen, und dieser Mephisto von einem Professor hätte am Ende gar glauben können . . . ah! Fröden fühlte keine Lust, wieder den Schalk in den Augenwinkeln des alten Knaben zu wecken und sich spöttisch belächeln zu lassen. Er wollte Vollwang also erst dann besuchen, bis sie beide diese Begegnung mit der Asta, Amanda oder Ada Berg — wirklich Ada? — schon vergessen hätten. Und das würde bei ihm, Fröden, sehr bald der Fall fein, o, sehr bald, selbstver- stündlich. Was ging ihn denn dieses fremde Geschöpf auch an? — Ada — ein eigentlich unangenehmer Name! Ja, unangenehm, das war das richtige Wort — denn es ist doch nicht angenehm, wenn sich so ein Name durch seine Kürze und Einfachheit wider unseren Willen in's Gsdächtniß einnistet! A—da! Es war eigentlich dumm, es klang wie kindisches Lallen. . . . Weg damit! Denk' an was Anderes!
Heute Abend ließ sich Fröden von seinem neuen Exeellenz- Chef in das gastliche Haus des Freiherrn von Effenberg einführen; er hatte dem Baron, einem hohen Staatsbeamten, schon gleich nach seiner Ankunft in Wien einen kurzen Besuch in offieieller Angelegenheit gemacht- Heute sollte er die Familie des jovialen alten Herrn kennen lernen. Und — er hat sie kennen gelernt, o ja! die Mama, die Tochter und sogar noch einen — künftigen Verwandten des Hauses.
F-öden lachte krampfhaft auf, hieb in das Federkissen und warf sich auf die andere Seite herum.
Wie er den Damen des Hauses vorgestellt worden war — eine Scene, wie sie in einem Lustspiele Platz finden könnte, ein Auftritt — zum Malen! Warum nicht? Die Baronesse von Effenbera war ja Malerin — eine recht tüchtige Malerin, behauptete Vollwang, vielleicht sogar ein Genie. Vielleicht bringt sie den Namen — Ada Berg noch zu wirklicher Berühmtheit oder am Ende braucht sie dann, auf der Höhe, ihren eigentlichen, vollen Namen nicht mehr unter dem Pseudonym zu verbergen.
Es war also recht komisch, wie der Attache in der Baronesse Adele von Effenberg — die Schülerin seines einstigen Mentors, das „stille, schlichte Malsrmävsl" vom gestrigen Nachmittag in der Kunstausstellung erkannte. Aber damit waren die Ueberraschungen, die wirkungsvollen Auftritts in dem gastfreien Hause des Freiherrn N.colau« von Effenberg noch nicht erschöpft; es sollte noch besser kommen.
Fröden war in Wahrheit zuerst durchaus nicht unangenehm berührt von diesem Wiedersehen mit „Ada Berg", umsomehr, als ihm die Baronesse unter einem Erröthen entgegentrat, da« seine Befürchtungen, von ihr verspottet zu fein, zerstreuen mußte. Der flehende Blick, mit welchem sie ihn begrüßte, wurde von ihm sofort richtig verstanden, daß er ihr einen Gefallen that, wenn er vor den Eltern und den Gästen verschwieg, daß, wo und wie er die Tochter des Hauses bereits kennen gelernt Habs. Damit war der Anlaß zu einer Art Kameradschaftlichkeit zwischen ihnen gegeben. Fröden sah sich mit der Baronesse durch ein „Geheimniß" verbunden. Selbstverständlich konnte Adele auch nicht umhin, die erste gelegene Minute dazu zu benutzen, dem Attache eine Erklärung ihres Verhaltens zu geben. Ihre Eltern, besonders die überaus conventionelle Mama, sähen es nicht gerne, daß fis ihrs geliebte Kunst anders als blos dilettantisch treibe, sie wüßten auch nichts davon, daß sie es gewagt habe, ihr Seldstportrait auf die Ausstellung zu bringen. Ihr Lehrer, Professor Voll- wang, habe das vermittelt und vorgestern habe sie i» feiner Begleitung eben zum ersten Male ihr Bild „im Lichts der Oeffentlichksit" besucht. Mama dürfe davon beile-bs nichts erfahren.
(Fortsetzung folgt.)


