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Das blaue Herz.
Roman von Carl Ed. Klopfer.
(Fortsetzung.)
Der Fremde legte indeffen seine Zeitung weg, stand auf und langte nach der halbgeleerten Flasche, die der Friseur hinter sich auf das Simsbrett des Schranke« gestellt hatte. Er drehte sie spielend zwischen den Fingern, betrachtete fich die Gebrauchsanweisung auf der Etikette und wollte sie dann wieder hinstellen, während er sich nach dem Friseur um« wandte und der vorgerückten Stunde wegen um Beschleunigung seines Kunstwerkes bat. Dabei geberdete er sich aber so unachtsam,, daß die Flasche umkippte, zu Boden fiel und zerbrach.
„Zum Henker!" lachte er ärgerlich auf, während Dingelmann und die Dame ob dem Lärm erschreckt umsahen. „Das nenn' ich ungeschickt! — Aber laffen Sie sich nicht stören! Der kleine Unfall'soll uns nicht auch noch aufhalten."
Jetzt erschien Nazi doch wieder auf der Bildfläche. Er hatte den ganzen Vorgang von seinem Observationsposten aus genau beobachtet und hielt es für seine Pflicht, ordnend einzugreifen. Während er mit dem Wischlappen den Boden reinigte und die Scherben auflas, bemerkte er, daß der eine Pelzärmel des Herrn durchnäßt war; die offengebliebene Flasche mußte im Umstürzen einen Theil ihres restlichen Inhaltes darauf ergossen haben. Nazi eilte dienstbeflissen auf den Fremden zu, und da ihm im Augenblicke nichts Anderes zur Hand war, riß er fein Taschentuch heraus, den befleckten Rockärmel des Manne« abzutrocknen.
„Erlauben Sie, mein Herr 1 Sie haben fich beschmutzt..." „Ah, wahrhaftig! Danke, danke, mein junger Freund!" Fünf Minuten später war Dingelmann fertig und nahm der Dame unter der üblichen Ehrfurchtrbezeigung den übergeworfenen Frifirmantel ab. Da trat auch schon der Herr dazwischen, zog seiner Schwester mit galantem Eifer den zurückgeschlagenen Pelz wieder über die Schultern und reichte ihr zum Aufstehen die Hand, ihr abermals einige Worte in der fremden Sprache zuflüsternd, die sie, wie bisher, nur mit einem stummen Neigen ihres Hauptes beantwortete. Sie hatte noch keine Silbe gesprochen, und Nazis Sehnsucht,
doch wenigstens die Stimme diese« „holden Räthselr" vernehmen zu dürfen, sollte auch durchaus unerfüllt bleiben.
Während die Dame das schwarze Spitzenfichu umwarf, das ihr als Kopfbedeckung diente, legte ihr Begleiter ein Zehnmarkstück auf den Rand de» nächsten Marmortischchens, dem in Demuth ersterbenden Friseur mit einer vornehm-gnädigen Geberde bedeutend, daß er nicht» herauszugeben brauche. Dann empfing auch Nazi ein nach seinen Begriffen fürstliches Trinkgeld, was ihn vollend» berauschte, nachdem schon der feine Duft de» an ihm vorbeistreifenden Pelzmantels der „märchenhaften" Maskirten eine ähnliche Wirkung auf ihn geäußert hatte. Er taumelte mehr al» er ging, den Herrschaften draußen den Wagenschlag zu öffnen. In seiner Extase, der umschwärmten Vermummten, in der er „ein Gebild au» Himmelshöhen" vermuthete, diesen letzten Dienst zu leisten, hätte er seinem Meister gewaltthätigen Widerstand entgegengesetzt, wenn der er selber hätte übernehmen wollen, der illustren Kundschaft beim Einsteigen behilflich zu sein.
„Zum Hoftheater!" rief der Herr dem Droschkenkutscher zu — und Nazi war indessen so kühn, der Dame den Ellenbogen unter dem Mantel zu stützen, um ihr in's Innere de« Wagens zu helfen, wobei er das Gefühl hatte, daß die« „der schönste Augenblick seines Leben»" sei.
Freilich — al» der Wagen um die Straßenecke bog und ihn die nüchterne Prosa durch Meister Dingelmann» Stimme von der Ladenthür her anfiel: „Na, wird'» bald, DuSchafr- kopf?I" — da wurde er stch's unter einem elegischen Seufzer bewußt, daß diese anbetungswürdige Maske sür immer au» seinem Gestchtskrei« entschwunden sei, daß er Verrücktheit gewesen wäre, auf ein Wiedersehen zu hoffen oder gar auf eine Enträthselung de» sie umschwebenden, romantischen Geheimnisse« ....
„Sie find nach dem Hoftheater gefahren," stotterte er drinnen, die Ladenthür hinter sich, zumachend. „Dort ist heute der Armenball, nicht wahr?"
„Ja, der alljährliche Eliteball mit Maskerade. Da geht's nobel her. — Aber jetzt mach' flink, Bursch'! Wir wollen doch endlich schließen; es ist gleich Elf."
„Sofort, sofort!"
Statt aber seine Mütze zu nehmen und dem Meister zu


