Ausgabe 
29.9.1896
 
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Dienstag den 29 September

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Falsches Spiel.

Roman von E. v. Linden-

(Fortsetzung.)

All right, Herr Romberg," begann Sander, sich einen Stuhl an den Tisch ziehend.Paulsen hat mir die Geschichte er« zählt, calculire, daß sie Ihnen nicht angenehm ist, aber dafür können Sie nicht. Der Herr Hauptmann bleibt nach wie vor Ihr Vater, denn warum? Weil er Ihnen das Beste gegeben hat, das genügte, was einen Gentleman ausmacht, wohingegen der andere verdammt wenig gethan hat, von dem was den Vater erst ausmacht und was seine Pflicht und Schuldigkeit ist. Wir brauchen uns seinen jüngsten Spröß- ling nur anzusehen. Na, ich will den Lieutenant schon des­halb loben, daß er Sie in so gute Hände gab und damit Punktum, Streusand darüber, denn wir sind allzumal Sünder!"

Der junge Mann nickte und drückte ihm dankbar die schwere Hand.

Und nun hören Sie zu, Herr Romberg," fuhr Sander rasch fort,was Ihren Onkel, den Rittmeister von Alting, von dem ich Ihnen schon erzählte, nun anbelanzt, so freut es mich unbändig, daß er noch lebt und unverheirathet ist. Verstehen Sie mich recht, um Ihretwegen, derweil Sie doch nun der rechte Erbe sind"

Eben deshalb widerstrebt mir aber die Reise, Herr Sander," fiel der junge Mann ein-

Ach was, mit solchen Feinheiten dürfen Sie einem vernünftigen Menschen nicht kommen," rief Sander, weg­werfend,Sie sind gar kein richtiger Amerikaner, der deusche Tick steckt in Ihnen, und darum eben paffen Sie drüben in Deutschland für meinen Rittmeister. Da müßten Sie den John Alting sehen, der hatte eine amerikanische Mutter und ihr Blut hat ihn zum rechten Dankes gemacht. Meinen Sie wirklich, daß er hinüber geht, um das Erbe wegzuschnappen? Paulsen erzähle mir davon."

Ich denke, sein Plan wäre deutlich genug. Wenn ich mir vorstelle, daß er bereits hinüber, vor mir dort ange­kommen wäre, und ich nun als zweiter Reffe den armen

Onkel überfallen müßte, der Gedanke ist so fürchterlich, daß ich mich bereits entfchloffen habe, die Reife aufzugeben."

Hm," meinte Sander, den jungen Mann, der so trübe und verzweifelt vor sich htnschaute, theilnehmend betrachtend, es ist heut' auch just ein so trauriger Tag, wo man an so was nicht denken kann, obschon ich's schon probirt habe, daß man dann erst recht was Andere» vornehmen muß, um drüber wegzukommen. Sehen Sie, Herr Romberg, leben muß der Mensch nun einmal und mit Grübeln und Thränen macht man keinen Tobten wieder lebendig. Da heißt's, sich gehörig zusammennehmen und sich zu fragen: was würde mein Vater dazu sagen?" _ .

Er hat bereits gesprochen, lieber Herr Sander," er­widerte der junge Mann tief aufathmend.In dem Schreiben, das er mir hinterlaffen und worin er mir die schreckliche Enthüllung gemacht hat, richtet er die Bitte an mich, zu reisen, weil es ihm die einzige Gewähr gäbe, seinen Namen von jedem Flecken zu reinigen. Sie errathen wohl, was er damit sagen wollte."

Der Rinderfarmer sah ihn erst verwundert an, und schüttelte dann unmuthig den Kopf-

Lum Deuksel noch einmal, Herr Romberg, nun wird s erst eine ganz verflixte Geschichte, weil ich nun garnicht auf die Reise dringen kann, von wegen der Geldgeschichten. Lasten Sie uns nun mal frisch von der Leber weg sprechen, wie richtige deutsche Männer- Also, der verstorbene Haupt- mann hat Anleihe bei mir gemacht, nee, das ist nicht an dem, ich hab' sie ihm mit Gewalt aufgedrungen, und wer so was riskirt, der muß den Schaden tragen. Seien Sie man ruhig, ich komme nicht zu kurz, mein junger Herri Also ich lege für Sie und Paulsen das Reisegeld aus, und nehme dafür Ihre Farm in Pfand, Ihre Wirthschafterin kann hier bleiben, weil ich meinem Oberknecht und einem Jungen bis auf Weiteres das Haus übergebe. Sodann schreibe auch ich einen Brief für meinen Rittmeister, der den Willi Sander noch nicht vergessen haben wird und wenn Sie in Hamburg an­kommen, telegraphiren Sie gleich an ihn. Paulsen wird sich als Schleswig. Holsteiner dort bald wieder zurechtfinden. Sehen Sie, Herr Romberg, just darum, weil der wüste, gott­vergessene John Alting dort sein kann, um meinem guten Rittmeister das Leben zur Hölle zu machen, müffen Sie hmüber,