Ausgabe 
29.2.1896
 
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W

dem Leben mir sage«,

Sache mit ein Urtheil .Aber

angethan?"

Sie hob die gefalteten Hände wie abwehrend gegen den

Ja, wie kann man dazu, wie abrathsn?" rief er.Bin ich allwissend? Eines kann ich vielleicht thun, mit dem Baron

hatte?

Seltsam, höchst seltsam," sagte er, als fie geendet und. blickte mit einem fragenden Ausdruck ihr in die Augen.Ein Kranker denkt an Hochzeit, an Ehe und die er, der reiche, vielbegehrte, feudale Herrschaftsbesitzer begehrt, bist Du, seine

scheiden 1"

Der Pastor erhob sich von seinem Stuhle und schritt einige Male mit untergeschlagenen Armen in der Veranda ans und nieder.

Gewiß, wenn ich ihn darum bitte"

Gut denn, so laß es uns versuchen- Ich habe so wie so einen Weg in die Nähe des Doctorhauses zu machen. Aber

hinzu.

Hm,

bergen-

Auch ich bin mir ein Räthsel."

Ah, so steht es also? Der schöne Mann hat's Dir

hm," machte der Pastor-Das ist eine eigene dem Dürfen. So rasch kann ich mir unmöglich über eine so außerordentliche Sache bilden" ich muß, muß heute noch, muß gleich mich ent»

Pflegerin!"

Ja, das bin ich," entgegnete sie leise,mir selbst ist es ein Räthsel!"

Und was, Ilse, sagt Dein Herz dazu?' .

Noch näher neigte er sich zu ihr. Sie wandte sich nut zitternden Lippen ab, um die aussteigenden Thränen zu ver«

Pastor.

«O, nicht der schöne Mann! Sprechen Sie nicht so, Herr Pastor. Es thut mir nur in der Seele leid."

Und Du möchtest ihm de» Dienst erweisen, den er von Dir fordert und ihn zu Tode pflegen?"

Nein, nicht zu Tode pflegen, Herr Pastor, sondern »hn wiedergewinnen. Wenn ich es darf, wenn Sie daß ich es darf!" fügte sie mit leuchtenden Augen

Ihr denn ganz toll wollt Ihr die Ilse ersticken? - Daß Ihr mir nicht zu spät in die Schule kommt!"

Die Mahnung des Vaters wirkte. Wie der Wind selber sprechen- Wenn^das anginge? flogen die schlanken Kindergestalten durch den Garten zur 1 k

Pforte hin, wo sie sich jedoch noch einmal umwandten, um Me zum Abschied noch Kußhändchen zuzuwerfen. . —D - , , - c

Siehst Du wohl," meinte der Pfarrer, der Ilse noch I Eines sage ich Dir gleich: Zureden kann und werde lch Dir von der Confirmati on her auf ihre Bitten hin Du nannte, I auf keinen Fall- In solchen Dttigen darf kein Mensch zu- das hat man davon, wenn man eine interessante Persönlich- reden. Doch will tch nach oer Ruckiprache mit dem Baron leit geworden ist. Der Baron und Du, Du und der Baron Dir aufrichtig sagen, ob ich nicht entschieden abreden mutz. das ist das tägliche Gesprächsthema der Hertheimer. Doch Bist Du damit zufrieden? "

nun ernsthaft, Kind. Du siehst so verstört aus, hast DuIch muß wohl, Herr^Pastor!

tnn6 Besonderes aui dem Herzeu?" !So komme, ich begleite Dich!

Ja lieber Herr Past^!" Der Pastor hatte mit Ilse den schmalen Wiesenweg ein-

Der'Pastor wechselte rasch einen Blick mit seiner Frau, geschlagen. Schweigend schritt er an ihrer Seite hin. Sein

die fick soaleicb »urückzoa. Auge nur glitt manchmal wie prüfend über ihre Gestalt, über

Jetzt also ° Wir sind allein und Niemand kann uns das gute, unschuldige Gesicht, das ihm so lieb war. Was

hier stören. Ist der Bruno wieder leichtsinnig gewesen und aber einen so verwöhnten, vornehmen Mann wie den Baron

hat etwa Schulden gemacht? Oder hat's mit der Frau Mama an ihr zu fesseln vermochte, so zu fesseln, daß er sie zu seiner einen Streit aeaeben?" Frau zu machen wünschte, das begriff er absolut nicht. Frei-

Ilse schüttelte den Kopf. lich war er jetzt ein Kranker, sie seine Pflegerin, und Kranke

Nein, dieses Mal betrifft es mich allein, Herr Pastor." empfinden und fühlen anders als Gesunde. Dennoch, dennoch!

Der treffliche Mann schaute etwas verwundert drein. Vielleicht spürt er wirklich das Nahen des Todes und möchte

Dich allein?" wiederholte er. der gewohnten Pflege nicht mehr entbehren- Wäre es so,

"cfo, Herr Pastor, etwas, das das" dann könnte man eigentlich nichts dagegen faßen.

Sie kam nicht weiter; das Wort blieb ihr auf den Es sprach für den Baron, daß er so vrel Rücksicht nahm Sinnen batten. und sich scheute, wenn auch nur mit einem Hauch Ilses reinen

Nun, so sprich doch nur. Du hast Dich ja noch nie Namen zu beflecken, und der Pastor erinnerte sich jetzt, daß vor Deinem alten Pastor gescheut!" man ihm gesagt, die Gattersberger Leute rühmten die Frei-

Nein, noch nie; aber auch nie bisher ist mir so etwas gebigkeit und Großmuth des neuen inngen Herrn. Für Ilse

aekLeben!" selbst konnte man ja bie Herrath nach der pecunraren Serie

Und die Hände im Schooße gefaltet, mit fliegender Röthe hi« nur als ein Glück betrachten. Sie mußte sie fa not lebet

6uf den Wangen, fing fie jetzt an zu beichten, Alles, was sie Roth schützen, die der Leichtsinn Bruder und Mutter über

erlebt, durchlitten hatte in der letzten Nacht. Der Pastor sie heraufbeschwören könnte. .Freilich hatte sie sich auf eigene

hörte, den Kopf in die Hand gestützt, mit sichtbar steigendem Füße stellen wollen und Flerß ernährt- Aber "er kann für

Erstaunen zu- War dieses von seiner Leidenschaft immer I die Zukunft bürgen ? Sie konnte krank, unfähig zum Verdienen mebr Rdi sortreißen lassende Mädchen denn dieselbe stille, nur I werden und was dann?

einem enisten Lebensziele zustrebende Ilse, die er eingesegnet, Frau Doctor Balzer wartete schon voller Unruhe auf °°" d-r « M »egung A-- Seele ,» geglaubt | w Mem mi,

ihrer' etwas kreischenden Stimme entgegen,,daß uns der Baron während Ihrer Abwesenheit beinahe gestorben wäre? Einen Anfall har er gehabt, einen Anfall von Arhemnoth, der schrecklich gewesen sein soll. Wenn das noch öfter kommt, meint mein Mann, hält er's nicht lange mehr aus. Nun ist es besser, aber Balzer läßt Ihnen sagen, Fräulein Ilse, Sie möchten ihn ja recht vor Aufregungen in Acht nehmen und die Umschläge forlsetzen, na, Sie wissen schon. So gern wollte mein Mann Sie noch sprechen, ehe er fortfuhr, um Sie selbst zu instruiren, aber Sie blieben zu lange aus. Bei Ihnen ist doch nicht auch etwa Jemand krank, Herr Pastor?" wandte sie sich jetzt zu diesem-

Dem Himmel sei Dank, nein," entgegnete der Pastor, den Hut zur Begrüßung ziehend.Ilse holte mich, well der Baron mich zu sprechen wünschte."

Etwas erstaunt blickte die Doctorin den Davongehenden nach. Was bedeutete das wieder? Fühlte der Baron wirk« lich sein Ende nahen und thaten ihm seine Sünden leid, daß er geistlichen Zuspruch begehrte, oder wollte er irgend eine wohlthätige Stiftung für die Hertheimer machen?

Du siehst, mein Erscheinen erregt hier Aufmerksamkeit, bemerkte der Pastor auf dem Wege durch den langen Corridor, der nach dem Krankenzimmer führte, halblaut-Auch ich theile die Ansicht des Barons, daß eine rasche Entscheidung für alle Theile norhwendig ist. Sieh' zu, ob sein Zustand ihm erlaubt, mich jetzt schon zu empfangen."

Ilse nickte und öffnete dem Pastor ihr Zimmer mit der Bitte, dort einen Augenblick zu warten- Dann trat sie behut­sam zu Wolf ein- Im Herzen machte fie sich schon Vorwürfe, daß sie durch ihren Widerstand gegen feine Wünsche Ursache des Anfalls gewesen, der ihn heute betroffen hatte- Der Kranke saß bei Ilses Eintritt schon völlig angekleidet aus