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Entschulbigungen werben in der Th-t an einem anderen Orte anvebracht sein al« hier. Wenn Du Margarethe noch in dieser Stunde um Verzeihung bittest —N
„Aber ich denke nicht daran. Bin ich denn ein Knabe, daß Du mir dergleichen anzustnnen wagst! Die Erklärungen, die Margarethe nach Lage der Dinge erwarten darf, würde ste auch ohne Deine Einmischung erhalten haben. Auf ihre Verzeihung rechne ich ebensowenig als auf Dein Einoerständniß mit meinen Absichten, und ich werde eben versuchen müssen, ohne Beides fertig zu werden/
(Fortsetzung folgt.)
Unsere Wmterkleidung in gesundheitlicher Beziehung.
Bon Dr. Otto Gotthilf.
(Nachdruck verboten.)
„Unsere Kleider übernehmen für uns bi« Frieren", — mit di-sen Worten veranschaulicht recht hübsch der hygienische Proftsior von Pettenkofrr die Thätigkeit dieser unserer HM»- haut ui b erklärt von demselben G-fichtSpunkte aus als Kleid im wetteren Sinne das Oadach unserer vier Wände. Denn da die atmosphärische Luft sich in beständiger Bewegung be« findet, so geht der Zweck sowohl der Wohnung al« der Kleidung nur dahin, einmal da» regellose, stoßweise Anprallen der wetterwendischen Luftbewegung nach Art eine» Wehre« zu brachen und dann überhaupt im Weichbilds unseres Leibe« Windstille und Zuglustlostgkeit zu unterhalten. Daß dabei von vollkommener Windstille nicht die Rede sein kann, leuchtet au« dem Gesetze der stetigen Luftbewegurg ein. Immer nur kann e» sich um ein Mehr ober Weniger handeln, das je nach der persönlichen Gewöhnung al» „Zag" oder „erkältend" empfunden wird. Wer schon al« Jüngling au« Furcht vor Erkältung nur bedeckten Haupte« über den Flur gehen mag, wird al« Mann womöglich Bedenken tragen, seinen Siegelring mal abzulegen, und wer sich schon o!« Mann an eine Pelzhülle gewöhnt, wird im Alter bereit» nach Zuglust wittern, wenn er nur die Schrankthüre oder eine Commodenschublade offen stehen sieht- Hieraus folgt also die praktische Lehre: der Kleidung da« Frieren nur bi« zu einer gewiffen Grenze zu üoertragen, d. h. sich nicht zu verweichlichen.
Wenn e» immer heißt, die Kleidung „erwärme" den Frierenden, so ist das nicht etwa so zu versteden, al» wirke der Kleiderstoff al« eine Art von selbftMtiger Wärmequelle; thatiächlich entwickelt die Kleidung gar keine Wärme, sondern verhindert nur das rasche Entweichen der von nnserem Körper selbst hervoraebrachten Wärme. Richtiger würde e» also heißen: die Kleidung „hält warm", b. h hält unsere Körperwärme mehr beisammen. Daher wüffen dem Körper solche Stoffe den besten Schutz gegen Kälte gewähren, welche die Wärme schlecht leiten, also langsam nach außen abgeben. Nun ist es nicht etwa gleichgiltiq, ob man den Körper nur mir einer einzigen Kleidungrschicht, ober mit mehreren über einander angelegten Gewändern umgiebt, da die zwischen den einzelnen Schicht-n der Kleidung befindliche Luft ebenfalls als schlechter Wärmeleiter wirkt und einen un mittelbaren Wärmeaustausch zwischen der Haut und der kühleren Außenlust nicht zuläßt.
Folglich tragen auch poröse Gewebe durch die in ihren Poren eingeschloffene Luft mehr zur Erhaltung der Körperwärme bei ols dichte Stoffe. Es erklärt sich hierdurch, daß Hände und Füße zur Winterszeit in engen ledernen Handschuhen oder Stiefeln, welche die Bildung einer warmen Luftschicht zwischen Haut und Bekleidungsstück nicht gestatten, leicht frieren. Die Polarthiere sind zum Ertragen strenger Kälte besonder« deßhalb befähigt, weit sie — die Säugethiere in ihrem Pelzwerk, die Vögel in ihrem Federkleid — auf ihrer Körperoberfläche eine reichliche Luftschicht mit sich führen,
deren Umfang sie durch Sträuben der Haare und Feder« noch zeitweise zu vermehren im Stande sind. Gerade solche Kleidung«- flösse, welche al« besonder« „warmhaltend" gelten, bestehen, roumlich betrachtet, wesentlich au» Luft. Die wärmsten und lockersten Gewebe sind Flanelle, welche nur zu 9 Raumtheilen aus Wollstoff und zu 91 Raumtheilen aus Luft sich zusammensetzen ; am Geringsten ist der Luftgehalt in glattgewebter Baumwolle und Leinwand, nämlich 52 Raumtheile neben 48 R mmtheilen fester Substanz, und diese halten auch am wenigsten warm.
Da die Kleidung dem Körper Wärme erspart, so muß sie ihm natürlich auch Nahrung ersparen, denn unsere Eigenwärme wird eben durch Nahrungsaufnahme erzeugt Zchl- reiche Veisuche an Thieren haben die» bewiesen. Geschoiene, also ihrer natürlichen Bekleidung beraubte Kaninchen verlieren trotz beträchtlich gesteigerter Nahrungsaufnahme rasch an Köipergemicht; Schafe setzen nach dem Scheeren viel wenige: F.eisch au» dem Futter an als vor dem Scheeren. Ei« Pelz von nur mäßiger Dicke setzt den Nahrungtbevarf eine» Thierer um mehr al« 20 Prozent herab- Daher sagt auch Liebig in seinen chemischen Briefen: „Unsere Kleider find in Beziehung auf die Temperatur de» Körper» Aeqrivalente süc die Speisen; je wärmer wir uv» kleiden, desto mehr vermindert sich bi« zu einem gewiffen Grade da» Bedürfniß zu effen, eben weit der Wärmeoer tust, die Abkühlung und damit der Ersatz an Speisen kleiner wirb. Gingen wir im Wmt?r nackt, wie bie J mianer, ober wären wir beim Jagen und Fischen benfelben Kältegraden ausgesetzt wie bie Samojeden, so würden wir ein halbes Kalb und noch obendrein ein Dutzend Talglichter verzehren können." Ein schlecht Gekleideter, der auch nur 5 bi« 10 Prozent mehr Wäme abgeben muß al» ein gut Gekleideter, würde daher weit bester daran thun und billiger wegkommen, wenn er einen Theil seine» Einkommen« nicht auf da« Esten, sondern auf Verbeflerung der Kleidung anlegte.
Eine unpractische Bekleidungweise gehört auch zu den alltäglichen Ursachen von Erkältung und anderen Erkrankungen, während hygienisch zweckmäßig gewählte Kleidung ein Hauptmoment des „ost wunderbar heilkräftigen Tarieren»" bildet-
(Schluß folgt.)
Literarisches
Für jede Gattin und Mutter in gesunden Tagen der beste Bewahrer vor Krankheit, in Krankheit der sicherste Berather ist: »Da« Krauenbuch^. ein ärztlicher Rathgeber in der Familie und bei Frauenkrankheiten, von Frau H. B. Adams, Dr. med., practische Aerztin an der Lungenheilanstall in Nordrach. Von diesem bereits vor etwa Jahresfrist einmal in diesen Blättern besprochenen Werke liegt nunmehr der zweite Band vor. Was diesem mit Hunderten von Abbildungen geschmückten, schön ausgestatteten Werke den Weg in die Hände unserer Frauen ebnen wird, ist wohl in erster Linie die That- sache, daß hier die Frau zur Frau spricht und zwar spricht in schlichter, leicht verständlicher Form, so erschöpfend und eingehend, daß wir von einer Wiedergabe des Inhaltsverzeichnisses absehen können Es ist begreiflich, daß schon die Ankündigung dieses Werkes im In- und Ausland sensationelles Aufsehen hervorgerufen hat. Tausende von Frauen und Mädchen leiden, weil ihr Schamgefühl sie hindert, mit einem Arzte Rücksprache zu nehmen, und finden nun auf einmal eine, mit den Kenntnissen eines Arztes ausgestattete Frau als Beratherin, deren Ruf durch langjährige Praxis in weite Kreise gedrungen ist. Dem Mangel an einer von berufener Frauenhand geschriebenen Lectüre, aus welchen der traurige Einfluß der unter den Frauen herrschenden Unwiffenheit auf das Familienleben zurückzuführen ist, ist mit einem Male abgeholfen. Die Verfasserin gibt aber auch eingehend Aufklärungen darüber, wie die Krankheiten zu verhüten sind; sie macht in einer Weise, in welcher nur die Frau zur Frau sprechen kann, auf die Gefahren aufmerksam, deren Nichtbeachtung der Thiwgkeit der Hausfrau und Mutter leider so oft vor der Zeit ein Ziel setze. Möge das Buch in vielen Familien Eingang finden. Dasselbe ist für Diejenigen, denen die Anschaffung auf einmal zu kostspielig,, in Heften zu 50 Psg. durch jede Buchhandlung zu beziehen.
Nedaetion: X. Scheyda. — Druck und Berka« der Brühl'schrn UniverfiKtS-Buch. und Steindruckerei (Pietsch & Sch et, da) in Dießen.


