Ausgabe 
28.11.1896
 
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ihrem Sachwalter ernannt?"

.Nicht als ihr Sachwalter rede ich zu Dir, sondern als Dein Bruder, als der Träger desselben ehrlichen Namens, den unsere Eltern Dir hinterlassen und den mit meiner Zn» Kimmung niemals eine schmachvolle Erbärmlichkeit besudeln soll. Ich habe Dich ausgesucht, um Dich zu warnen, ehe es zu spät ist. Denn noch kannst Du Dich hoffentlich von dem Verdacht reinigen, ein Feigling und ein Meineidiger zu sein.

Werner hatte sich gegen einen der P!vsten gelehnt und die Arme über der Brust verschränkt. Er war bleich ge­worden, doch der spöttische Zug blieb beharrlich auf seinem

Was soll mir gegenüber dieser hochfahrende Ton? Die Sprache, die Du da führst, ist die Sprache de» schlechten Gewtffens. Ich aber will um Deinetwillen hoffen, daß Du bis jetzt nur leichtfertig und unbedacht, nicht auch schlecht und ehrlos gehandelt hast." m L ,

Sieh Dich vor mit Deinen Ausdrücken, Hermanni Ich war vielleicht niemals weniger in der Laune als gerade heute, mich von irgend Jemandem bevormunden und schul­

der sie hierher gebracht hatte. Der Gehilfe des Feuerwer- ker» war gegen dar Versprechen eine» guten Trinkgeldes so­fort bereit, die Dame hinüber zu rudern.

Erwarte mich drüben!" raunte Ezgestorf der Ver­stummten zu.Ich darf Dich jetzt nicht begleiten, weil er nicht glauben soll, daß ich vor ihm entfliehe. In einer Viertelstnnde bin ich bei Dir. Und fürchte nichts! Solange ich athme, soll es Niemand wagen, Dich zu kränken."

Luigia antwortete nicht- Hastig entzog sie ihm ihre Hand und ihr Geficht blieb beharrlich von ihm abgewendet, auch als sich da« Boot vom Gestade entfernte. Wenige Augenblicks später aber standen die beiden B-üder sich dort gegenüber. Und Werner wartete die Anrede des Andern nicht erst ab, sondern kam ihm in trotzigem, fast feindlich herausforderndem Tone zuvor:

Wen suchst Du hier? Du weißt wohl, daß e» ver­boten ist, auf der Insel zu landen. "

Auch die Augen der Ankömmlings sprühten im Feuer mühsam gebändigten Zornes.

Schande über den, der mich gezwungen hat, dar Ver­bot zu übertreten," gab er mit gedämpfter Stimme zurück. Laß uns ein Stück weiter gehen! S» ist nicht nöthig, daß der Bursche da uns belauscht."

Ein Spion mehr oder weniger was liegt daran! Vielleicht wäre es Dir später sogar erwünscht, einen Zeu­gen zu haben." , ,t .

Aber trotz dieses höhnischen Einspruches leistete er der ! Aufforderung Folge und sie legten schweigend die kurze Strecke bis zum Tmrm zurück. Zwischen den Balken des Gerüste» < blieb der Aeltere stehen und sah dem Bruder fest in »Gesicht, iWeißt Du, was Du angerichtet hast, Werner? Em Wesen, das Du anbeten und auf den Händen tragen solltest, hast Du in frevelhaftem Leichtsinn tödtiich beleidigt. Mar­garethe hat mit ihrem Vater da» Fest bereit» verlaffen. Ich bemühte mich vergeblich, sie daran zu verhindern."

Natürlich bin ich Dir für diese liebevolle Bemühung sehr verbunden, aber Du hättest sie Dir dennoch erspart. Jede unberufene Einmischung in meine Angelegenheiten ist mir I nun einmal in den Tod zuwider, und die Verantwortung für weine Handlungen trage ich am liebsten allein.

Die düstere Falte auf der Stirn de« Anderen wurde

Glanze entgegen.

Mein Retter!" flüsterten ihre Lippen.Mein Held!

Wild preßte er sie an sich und küßte in loderndem Un­gestüm ihren rosigen Mund.

Mein Weib!" jauchzte er.Mein herrliche» ange- betete» Weib I Nicht ich bin dein Retter, sondern Du bist e», die mich gerettet hat gerettet für das Glück und die Freiheit und sür meine Kunst!"

Sie duldete und erwiderte seine stürmischen Liebkosungen, bi» da» plätschernde Geräusch rascher, gleichmäßiger Ruder­schläge sie Beide gleichzeitig aufblicken machte. Ein zweites Boot näherte sich der Insel. ES wurde von einem Burschen ,...

im Flscheranzuge gerudert; am Steuer saß der schwarze merstern zu Men. Oder hat Dich Margarethe etwa zu Scholar, der Werner Eggestorf vorhin an seine halb ver- **"">rnftnnt 2

gessenen Pflichten gemahnt hatte.

Dunkle Zornesröthe flog bis in dis Stirn hinauf über de» jungen Bildhauers Gesicht.

Mein Bruder!" stieß er hervor.Er wagt es, mir nachzuspüren und mich zu verfolgen. Nun denn um so bester! Mag es sich in Gottes Namen auf der Stelle ent-

wer doch jene goldenen Zeiten erlebt hätte, darinnen sich die | Märchen zutrugenl"

Wir erleben sie noch jetzt, wenn wir nur wollen," er­widerte er feurig.Ein Wort von Ihnen, Luigia und | das schöne Märchen ist mit einem Schlage tausendmal schönere Wirklichkeit geworden."

Sie machte eine verneinende Geberde, aber zugleich lehnte sie ihr dunkellockiges Köpfchen an seine Schulter und schloß die Augen. Deutlich sühlte er das leichte Erbeben ihrer schlanken Gestalt.

Warum sollte es nicht sein dürfen?" fuhr er heißer und eindringlicher fort.Würden Sie mich denn zurück- weisen, wenn ich morgen plötzlich neben Ihnen auf dem Bahnhofe stände, um mit Ihnen nach Frankfurt zu fahren | und von da weiter nach dem herrlichen, sonnigen, zauberhaften ! Süden?"

Sie erhob ihren Kopf nicht und auch die langbewimperten ! Lider blieben gesenkt. Langsam, fast gehaucht, wie aus dem Munde eines Träumenden, kam die Antwort über ihre Lippen.

Ja, das wäre ein Märchen! Aber es giebt keine Märchen mehr, mein Freund! Sind Sie denn nicht mit unzerreißbaren Banden gefeffelt?"

Nein!" rief Werner Eggestorf so laut, daß der Mann unten am Master verwundert ausschaute.Er giebt keine Kette, die ich nicht zerreißen könnte, wenn Du mir angehören willst, wenn Du meine Göttin sein willst, meine Muße und meine Herrin! Sage mir, daß ich Dir folgen darf, und in dem nämlichen Augenblick bin ich frei."

Frage mich nicht!" lispelte sie und noch einmal mit geschloffenen Augen, aber mit finnverwirrendem Lächeln: Frage mich nicht!"

Da streiste er den kleinen goldenen Reif von dem Ring­finger seiner linken Hand und schleuderte ihn hinab in da» Gebüsch.

Wohl so thue ich'», ohne dich zu fragen. Und nun sage, daß Du Dich mir verweigerst sage es, wenn Du noch sitzt im Stande bist, Luigia 1

Dw großen dunklen Sterne leuchteten ihm in feuchtem

fcheiden!"

Was bedeutet da» ? * fragte die Sängerin erschrocken. Ich beschwöre Dich um des Himmels willen; nur keine Thorheiten nichts, was mich compromitiren könnte!"

Sei unbesorgt!" fiel er ihr mit finsterer Entschlossen' Gesicht.

in hi<> Rede weiß was ich Deinem Ruf und was IWie auf der Bühne! sagte er i^on.fch. ^Jch tDUBte

* som'816 rÄÄiAsss □SrÄftas sää« äwä» den Rückweg über die schwanken Leitern. Al» sie wieder den Sache vertheivige, in der mir das Verdammungsnrtheil zu

entfernt. Hastig zog Werner die Italienerin zu dem Nachen, 5 bald Deine Handlungen Dich rechtfertigen. De.m