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Dora nickte stumm und selig lächelnd.
Ich möchte Dir Vorschlägen, al» Ziel unserer Hochzeitsreise einen schlichten Landaufenthalt zu wählen. Er würde am besten zu meinen augenblicklichen Empfindungen stimmen. Bist zu er zufrieden?"
„D, herrlichI Mit tausend Freuden I'
„Am liebsten ginge ich freilich mit Dir nach Mülverstedt. Aber nein, er ist unmöglich — wir müssen eine Begegnung mit Wülpern vermeiden."
Gin Zusammenzucken Doras war die einzige Antwort.
(Fortsetzung folgt.)
Ueber den Fortgang der Bewegung für Volks- nnd Jugendspiele.
Das Interesse an den Leibesübungen in freier Luft, das als ein wirkliches Bedürfniß aus den die Gesundheit schädigenden Lebens- und Culturverhältnissen unserer Zeit erwachsen ist, bewegt jetzt in Deutschland zunehmend weitere Kreise. Der Ccntralausschuß für Volks- und Jugendspiele, welcher seit Jahren die Aufgabe übernommen hat, dies Interesse in die breiteren Volksschichten hineinzutragen, das Verständmß hierfür zu verbreiten und die Wege für die Einführung selbst zu ebenen bezw. zu schaffen, giebt laufend in seinen Jahrbüchern in knappster Form einen zusammenfassenden Bericht über den Fortgang dieser lebhaft sich entwickelnden Bewegung.
Gegenwärtig ist sein V. Jahrgang 1896, herausgegeben von E. von Schenckendorff und Dr. med. Schmidt (R. Voigtländer, Leipzig, 314 Seiten) erschienen, und bietet in seinen zahlreichen, von den ersten Autoritäten Deutschlands bearbeiteten Abhandlungen eine so reiche Fülle von Anregungen und thatsächlichen Mittheilungen, daß es von jedem, der an dieser für unser Volk segensreichen Bewegung nur irgend welchen Antheil nimmt, gelesen werden sollte. Von den Mitarbeitern nennen wir besonders die Namen: Director Ray dt, Professor Koch, Gymnasialdirector Eitner, Turninspector Hermann, Wirklicher Rath Weber, Professor Euler, Oberlehrer Wickenhagen, Dr. Schnell, Dr. Witte, v. Fichard, Professor Keßler, Realgymnasialdirector Dr. Weck, Professor Böthke, Dr. Gasch, Professor Wagner, Dr. Otto Beyer und die beiden Herausgeber des Jahrbuchs.
Im ersten Theile gibt das Jahrbuch eine Reihe von Abhandlungen allgemeinen und besonderen Inhalts, von denen wir Hervorheben: die vom Centralausschuß gekrönte Preisschrift von Dr. Witte über eine zeitgemäße Reform unserer Volksfeste; den Bericht über die Sedan- Jubelfeier im Jahre 1895 nach den Berichten der deutschen Städte; den vom Centralausschuß aufgenommenen Plan der Schaffung eines Deutsch-nationalen Olympia, bezw. von Nationaltagen für deutsche Kampfspiele; den zusammenfassenden Bericht über die seitherige Thätig- keit des Centralausschusses und seine Stellung zum Sport, und den auf statistischen Erhebungen beruhenden Bericht über die angeblichen Gefahren des Fußballspiels in Deutschland. Mit den übrigen Abhandlungen dieses Theiles dürfte das Jahrbuch das Wesentlichste bieten, was auf dieser herrlich aufblühenden Bewegung für Leibesübung in freier Luft an Beweggründen und Zielen sich gegenwärtig geltend macht.
Im zweiten und dritten Theile wird über Fortschritte berichtet, die im Jahre 1895 auf den verschiedenen Gebieten thatsächlich erzielt worden sind, nämlich auf denen der Spiele, der Spielplätze, der volks- thümlichen Uebungeir des Laufens, Werfens und Springens, des Ringens, des Eislaufs, des Badens und Schwimmens, des Ruderns, des Wanderns der Schuljugend wie der Erwachsenen, und der vom Centralausschuß eingeführteu Spielcourse für Studenten, sowie für Lehrer und Lehrerinnen. Dieser Theil erscheint im Jahrbuche zum ersten Male, und bildet, da er sich auf dem Gebiete der Thatsachen bewegt, naturgemäß den Schwerpunkt des Jahresberichts.
Im vierten und fünften Theile folgt dann eine statistische Arbeit über einen Abschnitt des gesammten Erhebungsgebietes, das vom Centralausschuß bekanntlich als ganzes in einem fünfjährigen Turnus behandelt wird. Dieser Abschnitt ist mit Genehmigung des preußischen Ministers des Innern wie in früheren Jahren von einem Beamten des Königlich preußischen statistischen Bureaus, dem Herrn Dr. Woikowsky-Biedau, bearbeitet und behandelt diesmal die Spiele an den deutschen Lehrerinnenseminaren, höheren Mädchen- und Mädchen-Mittelschulen. Endlich folgen einige amtliche Mittheilungen des Centralausschusses.
Wie man sieht, beschränken sich die Bestrebungen des Centralausschusses keineswegs aus die eigentlichen Volks- und Jugendspiele, sondern, wenn man etwa vom Radfahren, Wettrennen und dem Sport im engeren Sinne absieht, finden hier alle Leibesübungen in freier Luft, die nicht zu den eigentlichen Turn-, Geräth- und Freiübungen gehören, ihre Beachtung. Dadurch wird das Jahrbuch zum geordneten Sammelpunkt von Nachrichten über die verschiedenartigsten Leibesübungen, wie sie von der Jugend und den breiteren Volksschichten heute gepflegt werden.
Von besonderem Interesse ist auch der Bericht über den Fortgang
der vom Centralausschuß jährlich abgehaltenen Course zur Ausbildung von Lehrern und Lehrerinnen, von denen seit 1890 bereits an 4000 vorgebildet wurden, sowie der Bericht über die studentischen Course, in denen 1895 etwa 1000 Studenten an neun Hochschulen zur Ausbildung gelangten. Im laufenden Jahre werden solche Course bereits bei 23 deutschen Hochschulen eingerichtet.
Einen weiteren Antrieb wird die Bewegung erhalten, wenn die aus der Mitte des Centralausschusses hevvorgegangene Anregung zur Schaffung von Nationaltagen für deutsche Kampfspiele zur Durchführung gelangen wird. Dieser Plan ist erwachsen aus einer vom Centralausschuß im Jahre 1894 ausgeschriebenen Preisschrift, von welcher 42 einliefen, und von denen wir am Eingang dieses Artikels die mit dem ersten Preise gekrönte Schrift von Dr. Witte bereits erwähnten. Während des Druckes des Jahrbuchs ist eine besondere Denkschrift „Die Nationaltage für deutsche Kampfspiele" (R. Voigtländer, Leipzig) vom Geschäftsführer des Centralausschusses Director Professor Raydt erschienen, die in volksthümlicher Weise über die Entstehung, Bedeutung und den gegenwärtigen Stand der Sache eingehend berichtet.
Angesichts der Tragweite dieser Bewegung für die Jugenderziehung hat der preußische Cultusminister Dr. Bosse 1200 Exemplare des Jahrbuchs 1896 zur Vertheilung an Schulen und Bibliotheken beschafft, und steht ein gleiches Vorgehen auch von einer Reihe anderer deutschen Unterrichtsverwaltungen zu erwarten. Da die Bewegung auch in die breiten Schichten des Volkes eingedrungen ist, sollte das Jahrbuch, daß stetig verbessert und vervollständigt worden ist, die allgemeinste Verbreitung auch in den breiten Volksschichten, für die es in erster Linie geschrieben ist, finden. Schließlich sei noch des lebhaften Interesses gedacht, das die deutschen Städte an diesen Bestrebungen nehmen. Von den etwa 750 betragenden Städten des deutschen Reichs, die mehr wie 5000 Einwohner haben, hat sich, wie eine dem Jahrbuch Beigefügte Uebersicht angiebt, bereits der vierte Theil mit einem Jahresbeiträge von beinahe 5000 Mk. dem Centralausschuß angeschlossen. Von den deutschen Staatsverwaltungen hat, wie wir sehen, für diese hochwichtige Bewegung im Jahre 1895 nur das preußische Cultusministerium einen Jahresbeitrag von 3000 Wk. gewährt. Es folgen in der Uebersicht dann mehrere Vereine, leider aber bisher nur wenige Privatpersonen. Eine Sache, wie diese, verdiente aber die weitgehendste Unterstützung.*)
*) Der Schatzmeister des Centralausschusses ist Professor Dr Koch in Braunschweig. Die Beiträge können in beliebiger Höhe bezahlt werden. Die Redaction.
Der treue Geselle.
Es kehrten drei junge Gesellen In dem „grünen Kranze" wohl ein, Zwei waren so heiter und sangen Von Lenz und von Liebe und Wein.
„Was sing ich zum Preise des Lenzes?" „So tönt es dem Ersten vom Mund — „Er bringt uns die Jugend und Liebe „Und Freude zu jeglicher Stund'."
„Ich lob' mir die Blume des Weines" — „Von des Zweiten Lippen es klang, — „Erhöht uns die Freuden des Lebens „Und würzt uns die Lieb' und den Sang."
Doch der Dritte inmitten saß schweigend Und stützte sich sinnend das Haupt — Es hatte vor wenigen Jahren Der Tod ihm fein Liebstes geraubt.
„Richt preis' ich den Lenz Euch in Liedern, „Nicht des Weines lieblichen Duft, „Denn sie, die so glühend ich liebte, „Längst ruht sie in dunkler Gruft.
„Ihr hab' ich die Treue bewahret „Im Herzen ihr Bildniß so rein — „Das ist mir viel lieber und theurer, „Als Lenz und Lieder und Wein.
„D'rum kann ich nicht fingen und rühmen „Die Freuden, die Gott mir noch gab, „Denn Jugend und Liebe und Lieder „Versenkt' ich mit ihr in das Grab."
So sprach er. Es rann ihm die Thräne
Vom Auge herab in den Sand — Die Lieder der Andern verstummten, Sie drückten bewegt ihm die Hand.
*
Das Höchste und Schönste auf Erden, Das uns preiset des Sängers Mund: Es ist doch die irdische Liebe
Mit himmlischer Treue im Bund. Satyr.
Redaction: I. V.: Hermann Elle. — Druck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei (Pietsch & Scheyda) in Gießen.


