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der Streich vielleicht nicht ebenso unklug? Du weißt doch selbst, daß Du Deine militärische Carrisre damit auf's Spiel setzest — Du weißt es bester als ich!"
„Das kommt eben auf Dich an, liebe Adelheid! Ich komme zu Dir, weil Du mir helfen kannst, wenn Du willst, Du allein! Wirst Du mich zurückweisen?"
„Was meinst Du? Ich verstehe Dich nicht!"
„Die Sache ist vollständig geheim — der Klatsch hat absolut noch keinen Theil an meinem Verhältniß zu Dora. Nimm die Geliebte in Dein Haus auf, bis die Scheidung vollzogen ist! Erst wenn Dora frei ist, komme ich in Dein Haus, um sie zu sehen. . . . Und unsere Hände — Du sollst sie ineinander legen! Willst Du?" schloß Mülverstedt flehend.
Die Regierungsräthin blieb nicht ohne Theilnahme. Del sechs Jahre jüngere Bruder war immer ein Gegenstand ihrer Zärtlichkeit gewesen, selbst seinen Leichtsinn hatte sie ihm vergeben, obgleich sie keineswegs ohne Grundsätze war. In den Kreisen, in denen sie lebte, hatte solches nicht viel Bedeutung und kam sogar der Weltgewandtheit zu statten. Die Rouös pflegten die besten Partien zu machen. Und daß es Arthur nicht fehlen würde, zumal j-tzt, wo er als Erbe seines Onkels neben den Epauletten noch ein Rittergut besaß, war ihr unzweifelhaft. Sie hatte sogar schon eine ganze Partie gewichtiger Heirathscandidatinnen auf Lager, deren Bekanntschaft er bet seinem nächsten Weihnachtsbesuch machen sollte.
Und — nun? Die Liebe, die Leidenschaft, der er verfallen war und die aus jedem Wort, aus jeder, anscheinend nur von Willenskraft gebändigten Bewegung sprach, mußte nothwendigerweise sein Verhängniß werden. Die Regierungsräthin überlegte; das kluge, scharfgeschnittene Gesicht ward dabei wohlwollender. Sie war welterfahren genug, um zu wisien, daß man im Leben für gewöhnlich beffer thut, die begangenen Thorheiten unserer Familienangehörigen in's richtige Gleis zu rücken oder ihnen unter Umständen sogar Vorschub zu leisten, als von vornherein zu verleugnen.
Aber auch wirklich schwesterliche Zärtlichkeit klang aus ihren Worten, als sie sagte: „Ich möchte Dich immer wieder schelten; aber Du dauerst mich, armer Bruder. Wie konnte nur Alles so kommen, bei Dir, der solche Erfahrung und solche Erfolge bei den Frauen besitzt! Es ist ein — schweres Schicksal! Ich sehe wohl ein, wie Deine Ehre engagirt ist — wenigstens dieser „heiligen" Dora und ihrem verlassenen Gatten gegenüber. . . . Wahrhaftig, Du scheinst mir schon ganz nervös geworden!" schloß sie, als sie ein heimliches Zucken um Mülverstedts Mundwinkel bemerkte. „Du hattest immer Anlage zur Nervosität, schon als Knabe; ein ruhiges, gleichmäßiges, komfortables Leben schien mir immer Lebensbedingung für Dich."
„Du findest mich - gealtert?" fühlte sich Mülverstedt gedrungen zu fragen, indem er in den Spiegel lugte und die Bartenden zwirbelte. „Ich werde wieder jung sein, wenn ich Dora besitze! Wirst Du meinen Wünschen entgegenkommen? Ich ahne, wie viel es Dich kostet; die Sache ist auch mir sehr schnell gekommen! . . . Hilf mir und ich werde es Dir ewig danken!"
Die Regierungsräthin überlegte noch immer — aber ihr Entschluß fiel wirklich zu Gunsten des Bruders aus. Halb gezwungen, halb mitleidig entschloß sie sich, Dora morgen zu empfangen. Vielleicht hatte auch die Neugier ihren Theil daran.
X.
Drei Monate waren vergangen.
Die Scheidung war von Bernhard Wülpern gleich nach seiner Rückkehr eingeleitet worden wegen „unüberwindlicher Abneigung". Da die Ehe kinderlos, war das endgiltige bestätigende Urtheil des Gerichts bald zu erwarten, umsomehr, als Wülpern auf jeden Sühneversuch verzichtete und sogar für die sofortige Publikation des Erkenntnisses durch seinen Anwalt plaidiren ließ, entgegen der vielfach angewandten gerichtlichen Maßnahme, nach welcher die Publikation erst nach Jahresfrist erfolgt, um für eine Aussöhnung der Eheleute Zett W lassen.
Die Zeit während des Ehescheidungsproeefles hatte Dora im Hause des Regierungsraths von Rainer verbracht, während Mülverstedt nach seiner Garnison zurückgekehrt war.
Ueber Empfang und Aufnahme hatte sie kaum ein Recht, zu klagen. Der Regierungsrath war ein Schönheitskenner und schien bei Doras Anblick versöhnt, obgleich er vorher über den „dummen Streich" weidlich gescholten hatte.
„Ich begreife, Arthur," hatte er gesagt, „diese Dom ist ein göttliches Weib! Juno und Hebe in einer Person! Ich glaube, daß ich es nicht anders gemacht hätte, wenn sie mir begegnet wäre."
Das enthusiastische Lob war der Regierungsräthin wenig angenehm gewesen und hatte sie ihr Entgegenkommen fast bereuen lassen. Da Wülpern aber das Recht in Anspruch nahm, während der Dauer des Ehefcheidungsprocesses für Dora zu sorgen und die Summe, die er ihr auszahlen ließ, ganz bedeutend war und eine brillante Zubuße zur Wirthschaftskafle der Regierungsräthin bildete, beruhigte sie sich wieder. Von nun an galt Frau Dora Wülpern als Verwandte der Regierungsräthin.
Dora saß einsam in ihrem Zimmer, dessen Einrichtung hochelegant war, aber etwas an einen Trödlerladen erinnerte. Der große Spiegel war aus verschiedenen Theilen zusammengesetzt und die seidene Couchette zeigte mannigfache Brüche und Löcher. Bei der nothwendigen Repräsentation war bet Gehalt des Regierungsrathes eben nur schwach auskömmlich, besonders seit die drei Kinder heränwuchsen.
Aber Frau Adelheid war eine ausgezeichnete Wirthin. Sie verstand es vortrefflich, den Leuten Sand in die Augen zu streuen; bei ihren beiden jährlichen Diners und den fast wöchentlichen Fleischthees ahnte Niemand, wie viel Kopfzerbrechen es der Hausfrau kostete, äußerlich zu repräsentiren und dabei den Etat nicht zu überschreiten.
Dorä, in kleinen, aber auskömmlichen Verhältnissen ausgewachsen, wußte nicht recht, ob sie die Schwägerin belächeln oder tadeln sollte- Ueberhaupt war ihr das Treiben der gegenwärtigen Gesellschastssaison neu und unsympathisch. Vollauf mit sich beschäftigt, das Herz mit Erinnerungen und Hoffnungen erfüllt, erschien ihr Alles langweilig und uninteressant, und die Bewunderung, die ihre Schönheit erregte, bemerkte sie kaum.
Augenblicklich hielt sie einen Brief von Schwester Therese in der Hand. Er war heute gekommen und immer wieder gelesen, trotzdem sie den Inhalt sehr genau kannte.
Er lautete im Wesentlichen: „Das neue Jahr hat schlecht angefangen, liebe Dora. Du lieber Gott, wie kann es aber auch unter solchen Verhältnissen anders sein? Wülpern hatte an Vater geschrieben und ihn gebeten, die dreihundert Mark vierteljährlich auch ferner von ihm anzunehmen, die er ihm bei Vaters Pensionirung ausgesetzt hatte, damit Vater im Alter keine Einbuße an seiner Bequemlichkeit erleide. Aber Vater hat das Geld sogleich zurückgesandt und will nun Mittags keinen Rothwein mehr trinken. Für's Reifen fällt nun ganz gewiß auch nichts mehr ab. Und Weihnachten war's auch sehr traurig und fast gar keine Geschenke. Voriges Jahr erhielt ich mein Corallenarmband von Dir, weißt Du's noch, Dorchen? Wie ist nur das Unglück so schnell gekommen, es war doch Alles so gut und schön. Es wird in Gröpelingen noch immer nichts Anderes gefprochen, als über Eure Scheidung, und zerbrechen sich die Leute noch immer die Köpfe über die Sache. Du hast Dir niemals viel aus dem Leutegespräch gemacht; aber Vater und ich denken anders und gehen fast nicht mehr aus dem Haufe. Das Essen schmeckt Vater auch nicht mehr. . . ."
Dora ließ den Brief sinken und weinte wie ein Kind. Der ganze Inhalt des Briefes war ein Vorwurf, jedes Wort eine versteckte Anklage. Wülperns Reichthum und feine Großherzigkeit hatten den Ihrigen den Lebensweg geschmückt. Bei den bescheidenen, geordneten Verhältnissen, in denen sie lebten, hatten die zwölfhundert Mark Zuschuß, die der Schwiegersohn dem Schwiegervater gab, zu einem behaglichen und eomfortablen Leben ausgereicht.
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