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gewinden geschmückten Grotten vorüber, in denen fröhliche Gruppen beim feurigen Landwein und einem frugalen Mahle es sich wohl fein ließen.
Da plötzlich bleibt er wie angewurzelt stehen, wechselt jäh die Farbe. Der Ton einer Stimme ist in fein Ohr ge« drungen, den er, seit er Corfu verlaffen, ach wie oft heiß ersehnt bat! Und dieser Ton klingt heiter, übermüthig, in silbernem Lachen zu ihm. Sein Blick wendet sich mit dem Ausdruck steigender Angst der nachlässig in einen Sessel zurückgelehnten liebreizenden Mädchengestalt zu, deren Lippen dieses Lachen entquillt. Ganz die amerikanische Touristin, das staubfarbene Kleid sußfrei, die zierlichen englischen Stiefeletten Achtbar lassend, auf dem schönen Kopf mit dem üppigen aschblonden Haar ein Strohhütchen von kecker Form mit wehendem blauen Schleier, so plaudert, lacht und scherzt sie, der Gegenstand allgemeiner Aufmerksamkeit in ihrem Kreise, wie er sie so oft gesehen, wie sie ihn so entzückt hat. War ihm aber alles Blut zum Herzen treibt, das ist der Anblick des Mannes, der neben ihr fitzt, den Arm vertraulich auf die Lehne ihres Stuhles gelegt. Eine herkulische Erscheinung mit einem starkknochigen Gestcht von ausgeprägt slavischem Typus. Daß dieser Mann nur Augen für das schöne Mädchen neben ihm hat, das er mit seinen dreisten Blicken fast verzehrt, wird Wolf sofort mit peinlicher Gewißheit klar. Er empfindet diese Blicke wie eine Beleidigung feiner eigenen Person. Und nun, o, wäre er blind gewesen, nun neigt er sich, das Glas in einer Hand erhebend, flüsternd an ihr Ohr und sie wendet sich nicht ab, sie stößt ihn nicht beleidigt zurück, nein, sie lächelt, lächelt, wie sie fo oft auch ihm zugelächelt, wenn er ihr heiße Liebesworte in'r Ohr geflüstert hat, halb zurückweichend, halb anlockend, ja, sie reicht dem Zudringlichen mit der nur ihr eigenen anmuthig koketten Bewegung die Hand zum Kusse hin, auf die er leidenschaftlich seine breiten Lippen preßt.
Mit einem krampfhaften Druck faßt Wolf seines Begleiters Arm, der erschreckt erst jetzt dessen bleiches, verstörtes Aussehen bemerkt.
„Was ist Ihnen, was haben Sie?"
Sein Blick folgt dem starrenden Blick Wolfs.
„Ah, die schöne Miß Graham," ruft er nun nicht ohne Verwunderung.
„Sie kennen sie also?" fragt Wolf mit vor Aufregung heiser klingender Stimme.
„Wer sollte sie in Rom nicht kennen, der kn der Gesellschaft verkehrt? Sie war ja im Winter der Star der Saison, der Alles bewundernd zu Füßen lag. Ich habe sie übrigens seit Wochen nicht gesehen, ich glaube, sie war verreist."
„Und jener Herr neben ihr?" fährt Wolf mit krampfhaft zusammengepreßten Lippen fort.
»Ist Fürst Raradin, ein reicher Russe, der nicht allein ihr Anbeter, sondern ein ernstlicher Bewerber um ihre Hand ist. Und da man den Amerikanerinnen nachsagt, daß sie für Gold und Gut nicht gar zu unempfindlich find, meint man allgemein, er werde Erhörung finden. — Doch was ist Ihnen?" unterbricht stch Herr von Egeling plötzlich, da er fühlt, wie Wolfs Hand zittert und sich, wie eine Stütze suchend, um seinen Arm klammert. „Sie sehen aschenfahl aus."
„Es ist nichts," stammelte Wolf, sich gewaltsam fassend, „ein Schwindel! Sie wissen, ich war lange krank, die Sonne brennt hier zu heiß. Lassen Sie uns weiter gehen."
Aber es ist zu spät- Ehe Wolf mit seinem Begleiter sich zu wenden vermag, ist er in der Grotte schon bemerkt worden. Auch Adeline erbleicht, als sie ihn erkennt; aber sie springt sogleich von ihrem Sitze auf, und den Russen brüsk verlassend, will sie mit ausgestreckten Händen auf ihn zu-
„Sie hier, Baron von Menzelen? Ach, welche Ueber- rafchungl"
Er faßt die dargebotenen Hände nicht, sondern zieht nur formell grüßend seinen Hut. Sein Gestcht ist ganz weiß, seine Augen blicken kalt und starr.
Adeline beißt die Lippen zusammen vor innerer Wuth. Er hat gesehen, Aller gesehen! O, dieser Fürst! Daß
sie den Wünschen ihrer Mutter nachgegeben und von ihm stch hat zum Feste führen lassen! Wenn Wolf nur wüßte, wie sie den Russen im innersten Herzen verabscheute, daß sie ihn liebte, ihn allein, wie noch keinen Mann sonst auf Erden. Aber noch giebt sie das Spiel nicht verloren. Ohne auf Wolfs abweisende Kälte zu achten, schiebt sie mit der den Frauen ihrer Nation eigenen Ungenirtheit im Verkehr mit Männern ihren Arm in den seinen und zieht ihn mit sich fort.
„Einen Augenblick, Herr von Egeling," nickt sie dem verdutzt sich vor ihr Verneigenden mit dem anmuthigsten Lächeln zu. „Ich und der Baron sind alte Freunde, Sie begreifen, bei so unerwartetem Wiedersehen —"
(Fortsetzung folgt.)
Warm der Wajar »en Mch nicht hmalhcte.
Humoreske von Hermann. Birkenfeld.
(Fortsetzung.)
Als wir in Saßnitz ankamen, wußte ich auch so von ungefähr mit ihren Gemüthsverhältnissen Bescheid: Lonny, einzige Schwester von Frau Cölestins, elternlos, Familie anständig. Daneben hielt ich ei« Bündel Waldblumen in der Hand, die ich mit ihr gemeinsam gepflückt hatte, oben am Kieler Bach. Ich alter Esel und Waldblumen! Habe sie noch.
In Saßnitz ein Diner ä quatre couverts, dann Strand- promenade, Kindereien im Sande, wie sie zur Saison gehören.
Ich erst lange, nachdem Familie Ditto zur Rahe gegangen war, auf mein Zimmer. Und wissen Sie, was ich zuerst besah, beschnüffelte, wie ein Kater die verbotene Wurst? — Lonny'» Blumen! Ich! Und dann mich vor den Spiegel gestellt — ein kummervoll, miserabel Ding mit graugrünem Scheine, das auf der engen Bude über dem Sopha baumelte. Da mich betrachtet. Nun war ich von Natur schwarz, und das wissen Sie Alle, daß dunkles Haar rascher bleicht als helles. Ich also meditirt: Kann ich mit meinem grauen Schädel noch was rirkiren? Bin ich nicht vielmehr ein abgefeimter Schasskopf mit Eichenlaub und Schwertern am Ringe? — Neununddreißig Jahre alt, Aussehen von neunundsünfzig und --na,
meine Herren, zu fürchterlich war's nun doch noch nicht, und ein königlicher Hauptmann und Compagniechef--am
Ende--ja, wie wußte ich denn, ob sie überhaupt noch
zu haben war? — Nun, sie trug keinen Ring. Insgeheim dachte ich — ja, wahrhaftig, ich überlegte, ob in diesem Neste, — denn damals, vor vierzehn Jahren, ging's da noch nicht so geleckt zu, wie heute — also, ob in Saßnitz wohl schon ein anständiger Friseur wohnte, der mich ein bischen---
na, Sie verstehen. Wenn beim Menschen 'mal der Esel 'rauskommt, dann gleich ordentlich.
Nahm sogar mein Taschenbuch und fing !an, Verse zu kritzeln. Wollte ste ihr nicht geben — dummes Zeug! Rur so für mich ganz privatim. Lonny--Lonny--ich
meinte, so 'was wie Wonne müßte damit zusammenreimen. Aber sehen Sie, meine Herren, da» geht ja nicht. So gab ich's auf. Hab'» nie recht gekonnt.
Ob fie's wohl konnte?
Sie--ja, ste!
Ich glaube, ich habe das laut vor mich hingesprochen und kam dadurch wieder zur Bestnnung auf meinen eigentlicher Daseinszweck. Ich sollte hier ja schlafen!
Ziehe mich also au», und dann in die Federn.
Na, schön ist so'n Saisonbett nicht immer, dieses aber war der reine Marterkasten. Miserabel Schmeichelei dafür. Aber günstig für Ztmmergymnastik. Wissen Sie, so'n Ding, in dem man unaufhaltsam von oben nach unten rutscht und um sich solcher Bestimmung nicht zu entziehen, flott wieder kopfkiffenwärts turnt. Ich turne nun und denke dabei im Stillen, wann ich wohl eigentlich einschlafen würde, und — je, wie's einem geht — währenddem nuschele ich mich denn in meinen Gedanken allmählich zu und bin halb eingedämmert,


