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wollte, um meiner selbst, nicht um meines Geldes willen gewählt zu werden. Er hat die Probe bestanden —*
„Kind, denke an die Versuchung
„Ja so, ich vergaß, mein Väterchen, Dir mltzutheilen, daß ich in Wien postlagernd einen Brief an ihn aufgab, den er erst nach vierzehn Tagen abholte. Lies selber die Antwort an Rümmer 777, sie kam, als ich ihm meine Lection über die Nullen und Zahlen gegeben und ihn sozusagen abgewiesen hatte." (Fortsetzung folgt )
Gemeinnütziges.
Kleister zum Aufziehen der Tapeten, um das Losspringen derselben zu verhüten. Man weicht 9 Kilogramm Bolus, nachdem er klein geklopft wurde , in Master ein und schüttet dann das Master über dem erweichten Bolus ab. % Kilogramm Leim werden zu Leimwaffer abgekocht, mit dem erweichten Bolus und einem Kilogramm Gips gut vermengt und dann die Mischung mit einem Pinsel durch eine Sethe getrieben. Die Maste wird sodann mit Wasser bis zu dem Grade eines dünnen Kleisters verdünnt. Der Kleister ist nun zur Verwendung fertig. Dieser Kleister ist nicht allein weit billiger als anders Kleisterarten, sondern hat den wesentlichen Vorzug, daß -er an getünchten Wänden und namentlich alten, mehrfach gestrichenen Wänden, bei welchen die Anstriche nicht sorgfältig entfernt wurden, bester hastet, als andere Kleister. Zum Aufziehen feiner Tapeten eignet er sich aber nur um deswillen weniger, weil er eine weiße Farbe bildet, durch die, wenn beim Anstreichen und Archiehen nicht große Vorsicht angewendet wird, leicht die feinen Tapeten beschmutzt werden können. Wo indeß feine Tapeten auf Grundpapier aufgezogen werden, ist unbedingt zu empfehlen, das Grundpapier auf die Wände mit dem bemerkten Kleister und dann die Tapeten auf das Grundpapier mit gewöhnlichem Stärkekletster aufzuziehen.
Zur Gurkenzuchi. Will man mit Erfolg Gurken bauen, so sorge man rechtzeitig dafür, daß man zum Gurkenbau geeigneten Garten- oder Ackerboden hat. Die Gurke braucht nämlich zum Gedeihen einen warmen, trockenen, aber bei aller Lockerheit doch bündigen Boden, welcher Wärme leicht aufnimmt und festhält, die Feuchtigkeit aber stets rasch wieder verdunstet, resp. leicht in die Höhe steigen läßt. Da nun solcher Boden selten von Natur vorhanden ist, so muß sich der Gartenbesitzer und Landwirth, der mit Erfolg Gurken bauen will, solchen Boden künstlich Herstellen. Dies geschieht am besten dadurch, daß man den Boden, den man im Frühjahr zum Gurkenbau benutzen will, das Jahr vorher sehr stark mit reichlich Stroh enthaltenden frischen Dünger düngt, wodurch die eigenthümlich lockere Gebundenheit des Bodens erreicht wird. Manche Gurkenzüchter verfahren auch in der Weise, daß sie auf den betreffenden Parzellen 30 bis 50 Centi- mrter tiefe und 60 Centimeter breite Gräben ziehen und diese wieder mit Erde und strohigem Dünger fällen. Man bringt hierbei zu unterst eine Lage Dünger, vielleicht 10 Centimeter hoch, auf diesen dann eine Schicht Erde 10 Centimeter hoch, läßt dann wieder eine 10 Centimeter hohe Schicht Dünger, ans diese wieder eine 10 Centimeter hohe Schicht Erde folgen und fährt so fort, bis die Gräben reichlich ge- M sind. Vor dem Bestellen im Frühjahre müffen selbstredend alle nicht verwesten Düngerreste entfernt werden. Es kommen jedoch in der Praxis Fülle vor, wo man im Herbst nicht zur Herstellung der Gurkenparzellen schreiten kann und bi« zum Frühjahre warten muß, dieselben werden dann am besten mit guter Composterde hergestellt bezw. gedüngt. Während des Wachrthums der Gurken muß man auch dafür sorgen, daß der Boden öfters mit.der Hacke gelockert wird.
Gefüllter Truthahn nach Brabanter Art. Ein halbes Kilo Kastanien schält man, dünstet sie in Fleisch
brühe weich und zerstößt*sie, abgetropst, mit Salz, Pfeffer und Muskatnuß im Mörser. Dann vermischt man sie mit 120 Gramm schaumiger Butter, 3 Eidottern, etwas Citronen- schale und 100 Gramm Weißbrod, mischt einige Dutzend geröstete und geschälte ganze Kastanien unter die Farce, füllt damit einen Truthahn und brät ihn wie gewöhnlich im Ofen. Die entfettete Bratensauce verdickt man mit etwa» Kartoffelmehl, kräftigt sie mit einem Theelöffel Liebig« Fleischextract und würzt sie mit eineme GlaseKMedeirä.
V-vmAehtes.
Unangenehm. Apotheker Pillemann baute sich ein schönes Haus. Es war bereits bis zum Dach gediehen und es sollte mit der Ausschmückung der Jnnenräume begonnen werden. Der Bauherr gab dem Steinsetzmeister Bliedchen Auftrag, auf dem Fußboden des Flurs in Mosaik ein „Salve" anzubringen. Bliedchen, ein gebildeter Sachse, welcher wußte, daß dort, wo seine Landsleute „w" sprechen, oft ein „b" geschrieben werden muß, übersetzte „Salve" in's Hochdeutsche und als Ptllemann den Flur betrat, leuchtete ihm in großen Buchstaben entgegen: Salbe! .
Ausweg. Mutter: „Dein Tintenwischer ist ja noch gar nicht gebraucht, Karlchen I" — Karlchen: „Nein, ich brauche ihn nicht. Meine neuen Hosen sind ja auch schwarz."
Literarisches
Soeben erschien im Verlage des Bibliographischen Instituts in Leipzig- und Wien eine neue Serie der beliebten Sammlung „Meyer» BottSbüche«.^ Von dem abwechselungsreichen Inhalte derselben heben sich sogleich drei Bändchen ab, auf deren Titelblatte zwei Namen stehen, die in der modernen deutschen Literatur einen vorzüglichen Klang haben: Paul Lindau und Albert Möser. Ersterergibt in Nr. 1106, 1107 eine äußerst geschickt angelegte Theatcrbearbeitung von Jmmermanns nationalem „Trauerspiel in Tirol," und in Nr 1108 gelingt es ihm, auch Grabbes geniale, aber im dramatischen Aufbau unbequeme Tragödie „Don Juan und Faust" für die Bühne zu gewinnen. Albert Möser bietet in Nr. 1115, 1116 feinsinnige Nachdichtung der besten „Idyllen" des berühmten vlämischen Dichters Pol de Mont, Verte und Prosa einander angenehm ablösend. Zur Erholung nach des Tages Arbeit, zur Erheiterung und Belustigung diene dem Leser Hermann Marg- graff’S humorvolle Münchhauseniade „Fritz Beutel" (1109 bis 1114), zu ruhigem Genuß die Novelle „Der Geheimnihvolle" von Tieck (1097, 1098), ein Kabinettstück moderner Erzählungskunst, zum Studium und zur Erkenntniß einer großen Zeit die mit Einleitung und Erläuterungen versehene Ausgabe von Luthers gewaltiger Resormationsschrift „An den christlichen Adel deutscher Nation." Die Nummern 1101 bis 1103 enthalten den Abschnitt „Diluvium und Urmensch" aus Rankes berühmtem Werke „Der Mensch." Die Nummern 1104, 1105 führen mit den „Urhebergesetzen und Literarconventionen des Deutschen Reichs" die Sammlung von Gesetzausgaben fort, die „Meyers Volksbücher" vor etwa Jahresfrist begonnen haben. Die weiteste Verbreitung der „Meyer- schen Volksbücher ist im Interesse wahrer Volksbildung zu wünschen. Durch den billigen Preis unb durch die gute Ausstattung (jede Nummer in handlichem Format bei klarem Druck auf gutem holzfreien Papier, geheftet und beschnitten, kostet nur 10 Pfg.) wirbt die Sammlung sich täglich neue Gönner. *
Für Vogelliebhaber geht uns die gewiß interessante Notiz zu, daß die von Dr. Karl Ruß herausgegebene illustrirte Wochenschrift für Vogelliebhaber, -Züchter und .Händler „Die gefiederte äßelt* (Preis vierteljährlich 1 Mk. 50 Pfg.) in diesem Jahre das Fest ihres 25jahrigen Bestehens feiert. Wir können dem ^noch ans eigener Anschauung hinzusetzen — denn die erste Nummer des Jahrgangs 1896 liegt uns vor —, daß „Die gefiederte Welt" noch immer an der Spitze aller Fachblätter marschirt. Diese Nummer 1 ist z. B. außer mit zwei Abbildungen im Text, bei vorzüglichster Ausstattung des Blattes selbst, noch mit einem Vollbild bedacht, auf welchem eine Gruppe einheimischer nnd eine solche fremdländischer Stubenvögel in Schwarzdruck dargestellt ist. Dieses Vollbild erhalten die Abnehmer des Jahrgangs 1896 in prachtvollem buntfarbigem Aquarelldruck als Gratisprämie, für die bisherigen Abnehmer gewiß eine werthvolle Bereicherung, für die zur Zeit der „Gefiederten Welt" noch fernstehenden Vogelliebhaber ein außerordentliches Reizmittel zum Abonnement. Eine Probenummer des 1896er Jahrgangs versendet die Creutz'sche Verlagsbuchhandlung in Magdeburg auf Wunsch gern kostenlos und postfrei.
Siedaction: N. Schehda. — Druck und Verlag der Brühl'schen Univ erfiMS-Buch- und Steindruckerei (Pietsch & Scheyda) in Bietzen.


