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Unsere Dienstboten.

Bon Frau Professor Barthel», Bonn?)

Fast bei jedem Kaffeekränzchen, Gesellschaft ober sonstigen gewüthlicken beziehungsweise ungemüthlichen Zusammenkunft verheirotbiter Frauen, kommt die stereotype Klage über Dienstmädchen, Köchinnen, Zimmermädchen u. s. w. zum Aus­druck. Jede ehrsame Hausfrau weiß einen Beitrag zu diesem Elend", wie man sich auözudrücken beliebt, zu liefern. Alle diese Klagen erkenne ich als berechtigt an; unsere Dienstboten sind unsere P age, ich behaupte sogar, baß durch die schlechten Eigenschaften unseres Personals in mancher Haushaltung oft die Behaglichkeit, Ordnung und der Fcleds, wenn nicht ganz abhanden ko nmt, so doch recht fühlbar beeinträchtigt wird.

Es wird mir iodann zur besonderen Befriedigung ge­reichen, au» dem Schatze meiner Erfahrungen zur Lösung der die Frauen bewegenden Dienstbotenfrage beitragen zu können. Meine Erfahrungen und Beobachtungen belebren mich nun, daß vornehmlich folgende drei Punkte die Ursache sind, daß unsere Dienstmädchen schlecht gezogen, wenn ich so sagen darf, und damit zum Gegenstand unserer ständigen Klage und Un­zufriedenheit werden.

Was nun den ersten Punkt anbetrifft, so ist es wohl jedem klar, daß die Dienstmädchen nur dann Achtung und Respect vor ihrer Herrin und deren Hmshaltungssührung Haden können, wenn diese, was meines Erachtens trotz der zur Zeit so breit getretenen Frauenfrage, ihrs vornehmliche Aufgabe ist, die ganze Haushaltung ständig überwacht, jede Anweisung klar, bestimmt, sachgemäß und auch richtig gibt und diese in allen Fällen gesch ckt, wenigsten« mit V-rständniß selbst ausiühren kann. Da« Dienstmädchen kommt dadurch zu der Ueberzeugung, daß olles, was er thut und unterläßt, bemerkt wird, und daß es seiner Herrin nicht« vorschwindeln kann, die in ollen Arbeiten und Handgriffen erfahren ist. Tein Ehrgeiz wird dann angeregt und es will zeigen, was es gelernt hat und kann.

Nun hätten wir von der Art und Weife der Behandlung der Drenstooten zu sprechen, in welcher Beziehung nicht nur von jungen, sondern auch von ältern Frauen viel gesündigt wird. Bei Letzteren erscheint dieie» um so unverständlicher, als man doch w nehmen sollte, daß sie im Laufe ihres Lebens diesbe^üflieh eine giohe Reihe von Eriahrungen gesammelt haben sollten und man gerade in diesem Falle mit Reckt sagen kann: die Praxi» ist die größte Lehrmeisterin. Doch zur Sache! Man behandele die Untergebenen stet« gerecht und freundlich, und bestehe immer auf pünklicken Gehorsam und Wahrheitsliebe. Jede Unwahrbeit, Lüge, muß streng gerügt werden und bei mehrmaliger Wiederholung, wenn man kerne Aussicht aus Besserung hat, unnackstchtlrch Entlastung erfolgen mit betr.ffendem Vermerk im Dienstbuch. Eoenso schreitet man bei Ungehorsam ein und darf sich nicht von der lächer­lichen Scheu mancher Hausfrauen abhfllen lasten, da» Per­sonal öfter zu wechseln. Ein solcher Wechsel gibt tüchtigen Hausfrauen ein befriedigendes Gefühl der Unabhängigkeit von ihrem Mädchen, was allerdings leider selten zu finden ist. Stet« sei man gerecht, indem man Ungeschicklichkeit, unverschuldete Ver­geßlichkeit und kleinere Fehler nicht zu Vergeh n ambauscht, sondern sie mit Nachfichr beurtheilt. Man soll sie zwar nt t ganz übergehen, sondern ruhig darauf aufmerksam machen Und das Unzuträgliche zum Bewußtsein de» Mädchen» bringen. Hilst da» nicht, zerbricht da» Mädchen z B wiederholt Gegenstände, so läßt man e» einmal einen solchen neu an­

*) Obige Ausführungen, die wir der wohlwollenden Beachtung unserer werihen Leserinnen angelegenlichst empfehlen, wurden in der bekannten Wochenschrift für die FrauenweltVon Haus zu Haus 1892 Nr. 30 und 32" zuerst veröffentlicht und fanden ungetheilten Beifall. Die Verfasserin, welche einer hiesigen Familie entstammt, stellte uns die Arbeit gütigst zur Verfügung. Die Red.

schaffen und zwar au» seiner eigenen lasche und man wird erstaunt sein, wie vorsichtig da» Mädchen nun ist, und wie sobald keine Scherben mehr vorkommen. Dabei darf eine gebildete Frau, was eigentlich selbstverständlich, sich nie ver­leiten lasten zu schimpfen oder ungerechte Beschuldigungen an- zustoßen, wie die Laune sie eingibt, oder gar vielleicht einige Z-it später einem besonder» und vermeintlich unentbehrlichen Dienstboten zu schmeicheln- Solche» kommt ja auch hier und da vor und bestärkt die Mädchen in ihren Unarten und in dem ohnehin vorhandenen Gefühle, daß sie unersetzlich sind, immer mehr, e» macht sie trotzig md Heu t ierisch, abgesehen davon, daß ein derartiges unkluges und unwürdiges Verhalten die Herrschaft verächtlich macht.

Ferner sei e» da» Bestreben der Hausfrau, deren Pflicht e« ist, ihrer Familie gegenüber stets freundlich zu fehl, dieses im Verkehr mit den Dienstmädchen auch nicht außer Acht zu losten. Eine ruhige, gütige Behandlung wird nie ihre gute Wirkung versagen, ein freundliche» Wort verfehlt selten seinen Zweck! Zeigt man Theilnahme für die Freuden und Leiden unb kleinen Sorgen der Mädchen, so werden diese zutraulich und verlieren ihr oft so unangenehmes verschloffenes Wesen. Man hüte sich aber wohl, vertraulich mit den Mädchen zu verkehren, sie über andere Leute und Familienoerhältniffe auszufragen und mit ober vor ihnen über anbere Personen loszuziehen (wie ja wohl ber technische Ausdruck lautet), zu kci'isiren, sich die Liebschaften der Mädchen ober anderen, manchmal recht zweideutigen Stadtktatsch erzählen zu lasstn. Dadurch weiden die Dienstboten nur vorlaut und dreist und kommen öfter zu einem sehr abfälligen Urtheil über ihre naive Herrin, al« diese e« sich träumen läßt. Eine sich ihrer Würde bewußte, tactvolle Frau sollte hier stets die Grenze zu finden misten, aber oft, selbst in Kreisen, wo man e« am wenigsten erwarten sollte, überwinden Neugierde und Klatschsucht alle Be­denken. (Schluß folgt.)

VeruEehtes.

Daran liegt'».Aber, Herr Trinkler, Sie schlafen noch unb dabei scheint Ihnen die Mittagssonne in'» Gesicht?" Daran sind Sie schuld!"Ich? Na wie käme ich dazu?"Jawohl Sie! -- Sie haben den Vorhang nicht heruntergelasten 1"

Literarisches

Der Sieht der Weise«. Das soeben versendete 5. Heft hat nachstehenden Inhalt: Die Befruchtung der Orchideen durch Jnsecten (mit Tafelt; Das Holz als Brennmaterial; DiePropeller-Insel" (eine I. Verne'sche Zukunftsphantasie mit vielen interessanten Ab­bildungen); lieber leuchtende Electrodemnaterie (mit 9 Abbildungen, die Entwicklungsgeschichte der Roenigen'schen X-Strahlen behandelnd, eine sehr lesenswerthe Abhandlung, welche den Zusammenhang der dies­bezüglichen Exverimente behandelt). Ferner die illustrierten Notizen: Merkwürdiger Eisenbahnunfall, Schiffe im Eis, Lachsfang, am Fraser River, Vorn Kutschiren, Astronomischer Kalender für den Monat März (mit Sternkarte), Notizen für Haus und Hof u. s. w.Der Stein der Weisen" ^A. Hartlebens Verlag, Wien) erscheint in reich illustrirten halbmonatlichen Heften und ist in jeder Buchhandlung erhältlich.

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Die Röutgen'schen X-Strahlen haben die ganze gebildete Welt in Erregung versetzt. Eine Reibe hochinteressanter Aufnahmen, die mittelst der Röntgen'schen X-Strahlen eigens für sie von Herrn Paul Spies in der Berliner Urania gemacht sind, sowie ein wohlgetroffener Bildniß Röntgens, bringt die Moderne fttttsfl (Verlag von Rich. Bong-Berlin, Wien und Leipzig) in ihrem soeben heransgegebenen zwölften Heft des zehnten Jahrganges. Daß dieModerne Kunst" mit überraschender Geschwindigkeit den Ereignissen folgt und überhaupt in allen Dingen aus der Höhe der Zeit steht, beweist sie mit dem Inhalt des zwölften Heftes wieder in erfreulicher Weise. Das Heft enthält einen solchen Reichthum an vorzüglich ausgeführtem Bilderschmuck, an ausgezeichneten Kunstbeilagen und an interessantem Text, daß sich über diese Leistungen nur die wärmste Anerkennung aus>prechen läßt, und um so mehr, als der Preis wie gewöhnlich nicht mehr wie 60 Pf. beträgt.

Redaktion: A. Echeyda. Druck und Verlag der Brühl'schm UniversitätS-Buch- unb Steindruckerei (Pietsch & Scheyda) in Gießen.