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entschwanden.
II.
" ^Margarete hängte sich leuchtenden Antlitze» in seinm Arm, der schwarze Scholar aber, der von ihnen unbemerkt, während der kleinen Scene hinter einem Pfeiler de» Blumen- zelte» gestanden und den Blick nicht von ihrem Tische wegge« wandt hatte, schaute ihnen mit tiefernster Miene "ach, bi« sie seinen Augen in einem der jung begrünten Laubgänge
den Hof machst, ist ja alle» in schönster Ordnung. Nur mA mich'» bedünken, al» hätte man befler gelhan, für diese« mühevollen Posten einen unverlobten Jünglmg au»mwählen.
Eine heiße Röths stieg in Werner Eggestori» Wangen auf, aber es blieb ungewiß, ob e»|bie Gluih de» Zornes oder der Beschämung gewesen war, da Margarete ihm garnicht Zeit »u einer Erwiederung ließ. „ r , _
8 Der Vater spricht natürlich nur im Scherz, sagte sie mit einem reizenden Lächeln, indem sie zugleich ihre schma« len weißen Finger liebkosend auf die Hand de» Bildhauers legte. „Er weiß ja recht gut, daß ich nicht eifersüchtig bin — auf die wunderschöne Italienerin so wenig als auf sonst Jemanden. Und ich verlange auch gar nicht, daß Du immer bei uns sein und Dich beständig nur um mich kümmern sollst. Wenn Du nur hie und da ein Viertelstüadchen für mich übrig hast, bin ich schon zufrieden."
Ihre liebenswürdig heitere Art und das denckthige Ver« trauen in ihren Worten konnten unmöglich ohne Eindruck auf ! ihn bleiben. Er führte ihre Hand an feine Sippen, daun erhob er sich wie mit einem energischen Entschlüsse.
Komm!" sagte er. „Wir wollen einen Spaziergang durch den Park machen. Ich glaube, es siebt da mancher«
wjubereden. __ ^Q8 hMn rolr freilich nicht gewußt," meinte der Alte sarkastisch, „und wenn Du nur in Deiner Eigenschaft al» Comitömitglied dieser Sängerin so auffallend
amüsiren suchen. Ich kann doch unmöglich auf Schritt und I I Tritt neben ihr herlaufen." „ , t ..
Ich weiß nicht, ob sie das verlangt; aber sie hat jebett« Ms ein Recht, zu verlangen, daß Du endlich aufhörst, einer I Anderen nachzulaufen." , c
Werner Eggestorf hatte eine heftige Antwort auf den Lippen, aber er besann sich eines besieren, noch ehe er sie I auszusprechen begonnen, und kehrte dem Bruder mit einem I geringschätzigen Achselzucken den Rücken.
Der Weg nach dem Blumenzelt war nicht wenig weit; I ober der Bildhauer hatte es so wenig eilig, sich durch die Menge zu winden, daß eine geraume Zeit verging, bevor er I dahin gelangte. Der leichte Bau, unter dessen buntem Seinen» I dach malerisch gekleidete junge Damen zu irgend einem wohl- Ihätigen Zweck die duftenden Kinder des Frühlings feilboten, war dicht umdrängt; abseits aber, in der Umgebung der Estrade, auf der später eine 6-pHe zum Tanze spielen sollte, chatten sich nur erst vereinzelte kleinere Gruppen gebildet.
Langsamen Schritte», ohne die vorige Freudigkeit in Haltung und Miene, näherte sich Werner Eggestorf einem Tische, an dem ein alter Venezianer mit langwallendem «rauem Vollbart neben einem jungen Mädchen im Costüm «inet Florentinerin aus den Renaiffance-Zeit saß. Sie waren Beide de» Ankömmlings nicht früher gewahr geworden, al» bis er hart neben ihnen stand, und mit einem kleinen Aufschrei freudigster Ueberraschung hob die junge Dame ihre wunderhübschen braunen Augen zu seinem Gesicht.
„Wie gut, daß Du kommst, Werner'. Fmg ich doch beinahe an zu glauben, Du habest mich ganz vergessen."
„Eine sehr ttörichte Vermuthung, liebe» Kind! Und ich Hoffe, 'Dich jedenfalls jetzt vom Gegenthe l überzeugt zu haben. | Aber was für ein sonderbarer Platz ist e», den Ihr Euch Hier ausgesucht habt. Hattet Ihr Euch denn schon während de» Festspiels in diesen entlegenen Winkel geflüchtet?
,Wir waren so frei," entgegnete der alte Herr verdrießlich. " ,E» ist eben nicht nach Jedermanns Geschmack, zu sehei^ wie sich diese gespreizten jungen Leute, die in ihrer Kunst noch nicht das Geringste geleistet haben, von allen Seiten umschmeicheln und hofiren laflen, während man uns Alle geflissentlich ignorirt. Natürlich, wir haben uns ja überlebt und wir sind nichts als elende Stümper, die eigentlich bei diesen Knaben in die Schule gehen müßten 1 - Ich sitz- da mnd ärgere mich, daß ich schwach genug war, mich auf Euer Zureden in dies Narrenkleid zu stecken."
Der Bildhauer schwieg. Das junge Mädchen aber schmiegte sich schmeichelnd an den Unzufriedenen und sagte mit -einet weichen, Hellen Stimme, die ebenso frisch und kindlich wat al» ihr feinet, anmuthiges Gesichtchen: „Du thatest es mir zu Liebe, Väterchen — und deshalb bin ich auch sicher, daß Du es nicht bereust." h
Unter den grimmig zufammengezogenen Brauen des Alten leuchtete es warm und zärtlich auf.
„Na ja, ich dachte Dir ein Vergnügen zu machen, wenn wir auf das Fest gingen, das ich fett sechs Iahten nicht mehr besucht habe. Ader es sieht nicht gerade aus, als ob meine Erwartungen sich erfüllt hätten. Meine angenehme Gesellschaft hättest Du auch daheim genießen können, .und sonst scheint sich hier ja Niemand um Dich zu kümmern.
Werner Eggestois hatte sich niedergelasien und den schweren Helm vor sich aus den Tisch gelegt. Voll inniger Bewunderung hing der Blick de» Mädchens an feiner Schön« beit, aber er vermied es gefl ssentlich, diesem Blick zu begegnen.
„Wenn das ein Vorwurf gegen mich fein soll," bemerkte et gereizt „so möchte ich Euch doch daran erinnern, daß ich als Mitglied des Festausschuss.-» hier gewiffe Verpflichtungen Habe, denen ich mich nicht aus Rücksicht auf Margarete ganz und gar entziehen darf. Ich hätte, wie mit scheint, allerdings bester gelhan, Euch darauf gleich bei der Einladung
Fast eine Stunde lang hatte sich Werner Ezgestotf ans- schließlich seiner anmuthigen Braut, gewidmet, und wenn e, ein Opfer gewesen war, das er ihr damit gebracht, so hätte ihre beglückte Heiterkeit, die dankbare Freude, die sich in ihrem Benehmen kundgab, ihn wohl dafür entschädigen können, doch es hatte nicht den Anschein, als ob es ihr gelungen fei, ihre sonnige Stimmung auch auf ihn zu übertragen.
Seine anfängliche Munterkeit, die vielleicht von vornherein etwa» Erkünsteltes gehabt hatte, war mehr und mehr einer auffallenden Unruhe und Zerstreutheit gewichen. Er hatte nur noch mit halbem Ohr auf Margarethen» liebens, würdiges Geplauder und hatte ihr zuletzt so einsilbige Antworten gegeben, daß allgemach auch sie ernster und Mer geworden war. Aber fo wenig er vorhin das glückselige Leuchten aus ihrem lieben Gesichtchen wahrgenommen hatte, fo wenig bemerkte er jetzt den Schatten stiller Betrübniß, der sich darüber auszubreiten begann, und er sah natürlich auch nichts von dem verrälherifchen Zucken ihrer Sippen, al» er plötzlich mitten in der Erwiderung auf eine ihrer Fragen abbrach, um in schlecht verhehlter Erregung unver« wandt nach einem einzigen Punkte h^ustarren.
Ja dem lustigen, farbenreichen Durcheinander, da» sich inzwifchen auf den Rasenplätzen und unter benSaumtronen des Parkes entwickelt hatte, war unvermuthet die Gestalt I der italienischen Sängerin so nahe vor ihnen aufgetaucht, daß sie nur wenige Schritte hätten zu thuu brauchen, um sogar die einzelnen Worte des Gespräches zu verstehen, das sie mit ihrem Begleiter führte. ,, _
Werner Eggestorf kannte diesen Begleiter wohl. Es war ein junger Maler, der neuerdings durch einige ab« sonderliche Bilder viel hatte von sich reden machen und dem man außerdem nachsagte, daß er für die Frauen ganz unwiderstehlich fei, die vertraute und dreiste Art, in der er sich jetzt mit Luigia Gozzoma unterhielt, schien diesen seinen Ruf vollauf zu rechtfertigen, umsomehr, als das ausdruck-volle Mienenspiel der Sängerin kaum einen Zweifel über das lebhafte Wohlgefallen ließ, daß sie an ihrem Gefährten sand. Ihre dunklen Augen lachten ihn ebenso verführerisch an als ihre rotben Lippen, und jetzt löste sie sogar au» dem Strautz, den sie in der Hand trug, die schönste Blüthe, um sie ihm ! zu reichen-


