Ausgabe 
26.3.1896
 
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Mag es d'rüm sein! Ich bin es mir selbst schuldig! sprechen wir nicht mehr davon."

Draußen wurden jetzt Stimmen laut. Der Pastor trat an'» Fenster und sah zu seinem Erstaunen, daß Fräulein Alt« wie! nicht der einzige Gast, den Frau und Töchter mitbrachten,' sondern daß auch Axel von Menzelen mit ihnen war.

Deines Gemahls Vetter, der Legationsrath," wandte er sich rasch an Ilse.Suche Dich zu fassen, Liebe. Er vor allem braucht nichts von dem, was in Dir vorgeht, zu bemerken."

Ohne Sorge; ich weiß, was ich dem Namen schuldig bin, den ich trage."

Und nachdenklich fügte sie hinzu:Sein Vetter, der ihn beinahe getödtet hätte, den er für seinen schlimmsten Feind hält und der es doch im Grunde nicht ist, wie Sie nach Fräu- lein Altwiels Erzählungen glauben annehmen zu dürfen. War er schon öfter bei Ihnen, Herr Pastor?"

Nein, er kommt heute zum ersten Mal und wie ich ver- muthe, um Dich zu begrüßen."

O mein Gott, mich? Aber warum? Will er vielleicht constatiren, daß sein Vetter wieder ein Weib unglücklich ge­macht hat? Nein, diesen Triumph werde ich ihm nicht be­reiten."

Ich glaube, Du beurtheilst ihn zu ungünstig mit der Voreingenommenheit Deines Gatten. Er wird Dir, wohl durch Fräulein Altwiel dazu ermuthigt, eine Aufmerksamkeit erweisen wollen, das ist Alles!"

Der Pastor hatte richtig geurthsilt.

Wenn auch ein wenig Neugier dabei war, Wolfs Gattin, die dieser zwischen ihn und den Besitz von Gattersberg ge­schoben hatte, von Angesicht zu Angesicht zu sehen, hielt es Axel doch auch für seine Pflicht, als Einer des Namens Men­zelen ihr persönlich seine Hochachtung zu erweisen und da er am anderen Tage schon mit Käthe zusammen Radnitz zu ver­lassen gedachte, so blieb ihm keine Zeit mehr, ihr seinen Be­such im Hause der Mutter abzustatten.

Vornehm kühl, wie es nun einmal seine Art war, doch mit ausgesuchter Höflichkeit begrüßte er die sanfte Frau, die ihm mit der ihr eigenen ruhigen Würde begegnete, die Jeden wohlthuend berührte.

Käthes Augen ruhten mit einem besonders gespannten Ausdruck auf Ilses schlichter Erscheinung und ihrem stillen Gesicht, au» dem neben aller Güte doch so viel Energie und so feste Willenskraft sprach.

Auch Ilse fühlte sich von dem begabten Mädchen, von dem sie so viel Gutes und Schönes gehört hatte, ungemein angezogen. Bald waren Beide, da man sich scheute, Persön­liches zu berühren, in ein lebhaftes Gespräch verwickelt, das zuerst natürlich den Eindrücken der Reife galt, dann aber auf die viel erwogene Frauenfrage überging, wobei Axel mit halbem Lächeln zuhörte, während der Pastor ab und zu einen Widerspruch einwarf, sobald ihm die Begeisterung der Beiden für die Selbstständigkeit der Frau zu weit zu gehen schien.

Der Erwerb bleibt immer doch nur ein Nothbehelf," meinte er,und so schöne und hochhonorirte Bilder auch die begabte Hand Fräulein Altwiels zu schaffen vermag, bin ich doch überzeugt, sie legt Pinsel und Palette freudig nieder, sobald ihr der schönere Beruf winkt, die treue und liebende Gefährtin eines Gatten zu werden, dem sie ihr Herz geschenkt hat."

Darin, glaube ich, täuschen Sie sich doch, verehrter Herr Pastor," warf Käthe mit leichtem Erröthen ein.Sie denken wirklich zu gut von mir! Nein, meine Kunst gebe ich um eines Mannes willen sicher nicht auf; sie ist mir zu sehr an's Herz gewachsen und zur Bedingung des Lebens geworden, ohne sie würden meine Tage allen Inhalt verlieren."

So ist es," nickte Axel zustimmend.Die Kunst würde in ihrem Herzen immer die erste Stells behalten und da ein Mann sich schwerlich mit der zweiten begnügte, wird sie wohl unvermählt bleiben."

Wenn sich nicht Einer findet," mischte stch Ilse nun ein, der groß genug denkt, sie nicht zwischen die Alternative zu

stellen, entweder der Kunst oder der Ehe entsagen zu müssen. Ich dächte, es ließe sich bei gegenseitigem gutem Willen Beides vereinigen."

Bei gutem Willen und bedeutenden Mitteln," fügte die Pastorin hinzu;denn bei einem schlichten Hausstand, wie wir ihn zum Beispiel führen, dürfte sich doch schwerlich Muße zum Neben einer Kunst finden." (Fortsetzung folgt.)

Warm der Major von Wisch nicht heirchrte.

Humoreske von Hermann Birkenfeld.

(Fortsetzung.)

Pitsch brummte etwas vonMaulhalten" und schoß mit einem wüthenden Blick zugleich die Pfeffermühle über den Tisch hin, gerade vor Heller'» Embonpoint.

Wäre alles noch nicht so schlimm gewesen, wenn nicht Jedenfalls war mir zunächst ganz weichmüthig, sehn­suchtsduselig, und ich träumte--der Himmel weiß, wo­

von! da frag sich da» Mädel an zu schnarchen! Ein Wunder, daß die Gäule nicht scheu wurden! Na, denke ich, vielleicht liegt das süße Kind nicht richtig mit dem Kopfe. Recke also ganz, ganz leise meinen rechten Arm, weiter--

immer weiter. So! nun hatte ich das Köpfchen in einer günstigeren Position. 's war auch erst, als hätt's geholfen. Sie seufzt, macht ein paar Bewegungen mit den Lippen, als wenn sie 'was sagen wollte, und dann--rraps rrap»

geht das Gesäge wieder los. Habe noch allerlei dagegen versucht in jener Nacht. Half nix. Bis die Pferde hielten. Da hörte 's auf. Natürlich weil sie erwachte. Verlegen, wie sich'» gehört, aber nicht lange. Dann reicht sie mir die Hand:

Ich war so furchtbar müde, Vetter. Verzeihen Sie mir das Einnicken? Oder hat mein Schnarchen Sie zu sehr gestört?"

Hätte dem Mädel um den Hals fallen können, wie's aus den verschlafenen Augen mich so süß anblinzelt und dabei so frank und ehrlich von dem vermaledeiten Fehler redet! Aber heirathen da» war ja nun außer Frage. Stammelte des­halb nur ein paar einfältige Worte, von Vergnügen gewesen und so--ich weiß selbst nicht mehr, wovon noch. Sie

mochte mir's am Ende ansehen, ob's ehrlich gemeint war; denn sie schüttelte den Kopf.

Ich kenne mich recht gut, Vetter. Ich schnarche im Schlafe entsetzlich."

Na, das war offen genug.

Das süße Kind!"

Pitsch hatte mit einem sehr elegischen Strich über den Bart geschloffen und rührte nun schweigsam den Punschrest in seinem Glase um.

Aus?" fragte Bürgermeister Greif.

Der Major nickte.

Hm! Aber was wurde denn nun aus Ihnen?"

Pitsch warf dem Fragsteller einen merkwürdigen Blick zu. Halb grimmig, halb restgnirt.

Was wurde? Hagestolz und Mitglied der Gesellschaft Pfeffersack. Am Morgen nach dem Ballabend ich nuf und davon. Sechs Monate später kriegte ich die übliche Anzeige: Als Verlobte empfehlen sich und so weiter. Machte drei Kreuze drüber, pfiff meinem Hund und ging in die Kaserne."

Hm!" machte der Bürgermeister noch einmal.Und haben'» hernach nie wieder versucht?"

Was?"

Großer Gott, das Heirathen, oder das Verlieben zunächst."

Pitsch wiegte langsam das Haupt.

Nie. Da» heißt na ja, einmal wohl aber das war viel später und 'ne Capitaldummheit."

Nachdenklich paffte er vor sich hin und seufzte dabei.

Aha!" sagte Heller;er wird elegisch. Sagen Sie 'mal, Pitsch, ist die Geschichte lang?"