3S5 -
ihr Gebrauch allgemeiner. Spanische Mönche beschenkten die französischen mit Chocolade in Schachteln, viereckigen Tafeln und runden Küchlein. Dadurch lernten die Franzosen das fremde Genußmittel näher kennen und schätzen, so daß sie bereits Anfangs des 18. Jahrhunderts Fabriken anlegten, in denen die Cacaobohnen der französischen Colonien zu Choco» lade verarbeitet wurden.
Die französischen Chocoladefabriken verstanden die Zubereitung bald so zu verfeinern, daß sie bis in die neueste Zeit durch die vorzügliche Qualität ihres Products den Weltmarkt beherrschten, auf dem ihnen aber jetzt durch die großen deutschen Weltfirmen eine erhebliche Concurrenz er» wachsen ist. Schon am End« de» 18. Jahrhundert« galt die Pariser Chocolade als die beste des ganzen Erdkreises. Nach Pierre Pomet, histoire gönörale des drogues traitant des plantes, des animaux et des mineraux, Paris, 1694, folio, mit 600 Kupfern, da« 1717 als «Aufrichtiger Materialist und Specereihändler" in -Leipzig deutsch erschien, bereitete man damals in Paris die Chocolade so: «Wenn man Choco» late machen will, muß man von den besten und dicksten Cacao-Maubeln, grosse Caraque genannt, haben, selbige in einem Becken oder Tiegel über dem Feuer rösten, und beständig umrühren, biß daß sie die Schale oder Hülse gern gehen lassen, welche alsdann abzunehmen und wegzuschmeissen ist. Die geschälten Mandeln werden wiederum in dar Becken geschüttet und noch einmal geröstet; doch muß das Feuer ganz gelinde seyn, bis daß sie äusserlich gantz trocken worden und gar nicht brandicht riechen. Darauf werden sie in einem Mörser gestossen, der wohl ausgewärmet ist; oder sie werden, nach der Indianer ihrer Art, mit einer eisernen Waltze, auff einem platten und sehr harte« Steine, der wohl durchwärmet seyn muß, zerquetschet und zerrieben; es muß auch unter dem Steine ein Feuer gehalten werden, damit er stets warm bleibe. Solcher Gestalt wird der Cacao gestossen, oder gerieben, so lange, bis ein harter Teig daraus wird, und nichts hartes oder grumplichtes darunter übrig bleibet. Von diesem Teige werden vier Pfund abgewogen, und wieder auf den warmen Stein gebracht, und drey Pfund schönes Zuckers, welche gäntz klar gestossen worden, mit der eisernen Waltze daruntergetrieben: Dieses wird unter einander gerieben, bis daß der Zucker zerschmolzen ist, und sich recht wohl mit dem Cacao vermischet hat; worauf anoch ein Pulver hinzu ge» than wird, so au« acht Gran Vanllien, anderthalb Qventlein Zimmet, acht Stücken Würz-Näglein, zwey Gran Ambergries und einem Gran Mosch bestehet. Wann alles auffs genauste unter einander gemischet worden ist, so nimmt man den Teig vom Steine, machet viereckige Stücken oder Tafeln daraus, in selbst beliebiger Form und Grösse, und lässet sie alsdann auf weissem Papier harte und trocken werden. Darnach wird die Chocolate in Büchsen oder Schachteln aufgehoben. Hierbey ist zu mercken, daß das aromatische Pulver nicht eher, als zu Ende, und nachdem der Teig auf da» allerbeste durchgewürckct worden ist, darunter müsse gemischet werde«, man dürste auch» nachdem solches geschehen, den Teig nicht gar zu lange mehr auf dem warmen Steine lassen, sonst möchten die flüchtigen und geistigen Teilgen der Ge- wültze, welche die meiste Kraft und grvste Anmut geben, durch die Wärme zerstreuet werden."
Franzisk. Marian Cardin. Bankratii bezweifelte in einer Diatribe de Usu Chocolatae, die 1666 int Januar im Journal des Scavans erschien, daß die Chocolade ihrer großen Nährkrast wegen an Festtagen dürfte getrunken werden. Die bedeutende Nahrhaftigkeit der Chocolade, die in dem Teobromin beruht, dem stickstoffreichsten aller Pflanzenstoffe, von dem sie über 25 Procent enthält, hatte man schnell erkannt. In England, in dem 1657 das erste Chocoladehaus eröffnet wurde, schrieb damals ein Gelehrter, Stubbe, daß in einer Unze Cacao mehr Nahrungsstoff stecke, als in einem ganzen Pfund Ochsenfletsch. Und Shine nannte die Chocolade in der Botanik Theobrama, Götterspeise.
Von den medicinischen Wirkungen der Chocolade hegte man deshalb außerordentlich große Meinungen. Man be
trachtete sie vor allem als die beste Hilfe gegen die Schwindsucht, wenn sie allein ober mit Maismehl in Wasser gekocht ober mit Milch unb Eiern darin genossen wird. Bontekos, der Leibarzt de« Großen Kurfürsten, rühmt unzählige medi- cinische Wirkungen der Chocolade in seinen Schriften und erzählt darin u. a., daß ein Schwindsüchtiger heftiges Verlangen nach Chocolade trug. Er trank deswegen täglich viel davon, und seine Frau trank zur Gesellschaft mit. Die Folge war, daß der Todeskandidat kerngesund wurde und seine Familie einen unverhofften Zuwachs durch Drillingssöhne erhielt.
Für schwache und erkältete Magen verschrieb man auch Chocolade, ebenso für Brustkranke, gegen schleimigen Husten, zur „Stärkung de« Haupte« und Vertreibung de« Schwindels." Ihrer erhitzenden Eigenschaften wegen nannte man sie Wenn«» brod. Der getreue Eckart im „Medicinischen Maulaffen", ein um 1720 erschienener ärztlicher Rathgeber, hält ein Schälchen warmer Chocolade, wenn auch nur im Wasser gekocht, höher „als 50 Schälchen Thee oder Kaffee."
Seitdem man in Paris, London, in Holland und auch in Deutschland die Chocolade ebenso gut zu machen verstand, wie in Amerika unb Spanien, ließ ber Bezug von dorther mehr und mehr nach. In hohem Ruf stand namentlich außer ber Pariser bie Chocolade von Lissabon, Turin, Genua, Mailand, Bayonne und die holländische von Seeland.
In Deutschland gewann vorzüglich Bontekoe der Choco» lade viele Freunde durch seinen Tractat van de Kragten en’t G-ebrjuyk van de Chocolate und den Tractat van hat excellenst Kruyd Thee vermeerdert en vergroot met byvoeginge van noch twe körte Verhandelingen, I. van de Coffi, II. van de Chocolade. Gravenhage 1685, in 8°. In dem ersten Buche beklagt er, daß er „weder unter denen Lebendigen, noch unter denen Scribenten jemanden finden könne, der ihn entweder durch den Geruch, Geschmack ober anbere Zeichen bie rechte Chocolade von bet falschen unterscheiben lernete." Denn so viel Köpfe, so viel Sinne, hieß es auch bei ber Chocolade. Unb schon damals fälschte man bie Cacaomaffe mit gebranntem Mehl, Erbsenmehl, Kartoffel- unb Reisstärke, wie es heute noch schlechte Fabriken thun. Im allgemeinen hielt man bamals bie Chocolade für bie beste, die nicht allzusüß, nicht bitter, nicht zu sehr nach Pfeffer unb Gewürznelken schmeckte, einen angenehmen Geruch hatte, hart unb trocken war unb, wenn sie in Stücke zerbrochen wurde, die braune Färbung von weißen Flecken und Striemen durchlaufen zeigte.
Spanien, Italien unb Frankreich beziehen jetzt den meisten Cacao. Er wirb in Fäffern unb Ballen in den Handel gebracht, unb bie Ausfuhr nach Europa schätzt man auf 150 Millionen Pfunb jährlich. Von ben Antillen unb aus Mexiko kommt der meiste. Aber auch in Guatemala, Guayana, Venezuela, Caracas und in Afrika und Asten hat man ben Cacaobaum angeflanzt. Die beste Sorte, ber sehr angenehm schmeckende, fast goldgelbe kleine Socomusko-Cacao, kommt beinahe gar nicht nach Europa, wie auch der sehr kleine Cacao von Esmeraldes. Die theuerste Sorte, die es auf dem europäischen Markte giebt, ist der Caraskacacao, der schon beim ersten Auftauchen der Chocolade als der beste galt und damals Caraque genannt wurde, wie auch schon aus dem oben angeführten Chocoladenrecept Pomets hervorgeht. Am häufigsten wird jetzt in Europa der billige Guayaquil-Cacao verwendet.
Zu der feinsten Chocolade benutzt man an» dem Cacao von Caracas den von Puerto Caballo und Maracaibo. Diese Sorten stehen deshalb am höchsten im Preise. Denn die Auswahl des Rohstoffes ist maßgebend für die Güte ber Chocolabe. Und sämmtliche Sorten Cacao unterscheiden stch sehr von einander durch Aroma unb Feinheit der Geschmackes. Statt mit der an Aromagehalt wechselnden Vanille regelt man neuerdings ben Geschmack ber Chocolade besser mit künstlichem Vanilin.
Die sogenannten Gesunbheitrchocoladen enthalten natürlich kein Gewürz. Die schon früher beobachtete Wirkung ber


