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... Roth vor Zorn erhob sich der Pope, schüttelte seine zitternde Ehehälfte mit rauher Hand und schrie: „Verlierst
Die corpulente Frau wackelte mit sonderbaren Lüft' Verrenkungen, die an den anmuthslosen Gang der Enten et» innerten, in der Stube umher. Neben ihr schlief auf dem Grunde einer Hängewiege ruhig ein Kind, das in ein Kopf, kiffen eingeschnürt war.
An jenem Gewitterabend machte das über und über mit Clematis und Geisblatt berankte Pfarrhaus, welches durch eine Reihe alter Kirschbäume gegen den Wind geschützt war, einen besonders traulichen Eindruck.
. Durch bie Fenster drang ein mildes Licht und bewies, daß die Bewohner noch wach und in ihrer Ruhe von dem Unwetter nicht gestört waren.
Aber Vögel sterben und im Frühling erstehen wieder andere, wie Blumen und Sträucher, — Menschen jedoch! — Sein Vater! Wie sein Herz aufwallte! Er verglich in Ge»
Bis jetzt hatte er unbekümmert dahingelebt und begieria Lust und Freiheit auf ungebundenen Streifzügen durch den Wald genoffen und nun erhob sich plötzlich auf seinem Weae das rätselhafte Gespenst der Todes und zwang ihn, nach! zudenken, diesem unergründlichen Problem in'ü Auge zu sehen, das zu lösen der Mensch ewig bemüht sein wird.
Sterben! Kalt und unbeweglich daliegen wie die Vögel, die er manchmal mit erstarrten Gliedern im Walde gefunden hatte! Wie neugierig hatte er dann das Häufchen grauer Federn betrachtet, unter dem kein Herz mehr schlug, den kleinen Körper, in dem Zwitschern und Gesang für immer verstummt war.
Diese finstere Drohung verfehlte, wie sie wußte, niemals ihre Wirkung. Die Aussicht, als Wittwer die Sorge für die Kinder und den großen Haushalt allein tragen zu müssen, dazu ohne das Recht, eine zweite Ehe zu schließen, erschien glättet sich roenid blockend. Seine zorngefurchte Stirn
von sich; nur die Herbstblumen, Chrysanthemen und Georginen, Ringelblüthen und Skabiosen, wurden vom Winde gepeitscht und vom Hagel mitleidslos zerschlagen, so daß sie die matten Köpfchen hängen ließen.
In dem Zimmer befand sich der Priester der unirten K rche, ein muskulöser Mann mit rothem Gesicht; er rauchte friedlich seine türkische Pfeife und schlürfte ein Glas Msth M Xe.nb feine Gattin ab und zu ging und in einen S^am Kinderwäsche einräumte, wobei sie jedes winzige Stück sorgfältig glättete. 3 b
Wetter! Eher steigt die der Kirche, steinerne Bildfäule vom Hügel herab, um Euch zu trauen. Der Wohlthäter, ha, ha, ha!" Ihr Hohngelächter klang noch lange fort.
„Janek, ich kann nicht mehr weiter; laß uns aurruhen nur einen kleinen Augenblick — hier unter dem Schuppen; meine Stiefel sind voll Wasser und der Boden ist durch, milcht- (Fortsetzung folgt.)
„Na, na, es ist gut, Diotyma," sagte er mit einigen freundschaftlichen Püffen in ihren Rücken, „Du nimmst Alles von der tragischen Seite; mit Dir ist nicht zu reden. Ich werde Piotr, den Tischler, kommen lassen; der wird es wieder ^machen, daß man nichts sieht. Da, setz' Dich, trink' ein Gläschen Meih, das hilft Dir wieder auf."
Jetzt lachten sie Beide, stießen mit den Gläsern an und der Pope tteß sich zum Zeichen der Versöhnung herab, die einzelnen Stücke der Kinderwäsche zu bewundern.
Indessen kamen Irena und ihr Gefährte, vom Winde gepeitscht, nur langsam auf der Landstraße vorwärts. Sie waren bis auf die Haut durchnäßt; aber sie beklagten sich nicht.
Du den Kopf, Diotyma, Du willst wohl unser ganzes Mobiliar zertrümmern? Neulich erst einen Schemel, für dessen Aus» befferung ich füWg Kreuzer bezahlt habe, diesmal werde ich nicht unter zwei Gulden fortkommen. Wenn man zweihundert Pfund wiegt, spielt man nicht die Zimperliche, den Teufel auch I Ein Lehnstuhl, den mein Großvater an dem Tage seiner silbernen Hochzeit gekauft hat . . . ein Familienstück!"
Diotyma machte ein weinerliches Gesicht.
„Du bist grausam, Thymoftäusl Du denkst mehr an Deine Möbel als an Deine Frau, die Mutter Deiner Kinde " und doch hätte ich mich dabei todtfallen können. Ach, ich »n» Mckliches Geschöpf, warum habe ich Dich geheirathet! Meine Mutter hat es mir damals wohl gesagt, daß Du ein grober Mensch wärest; aber dumm, wie ich war, hörte ich nicht auf sie. Gott wird Dich strafen, Thymoftäusl Bald, bald werde iA sterben und der liebe Gott wird mich in sein heiliges Paradies aufnehmen. Ich frage mich, was Du mit vier," - sie senkte die Augen, - „ja, mit fünf Kindern auf dem Halse machen willst und Du weißt, daß es Dir verboten ist, wieder zu heirathen, Thymoftäus, verboten durch die Gesetze
Er unterbrach sich mit einem unwillkürlichen Schmerzens» schrei. Thaddäus gab ihm noch einen Löffel von der Medicin.
„Es geschah nicht in der Absicht, Unrecht zu thun, ebenso» wenig aus Nichtachtung der vorgeschriebenen Bestimmungen; aber wir waren unwissend und arm. . . . Jetzt verstehe ich es besser und das Kind soll nicht unter unserem Leichtsinn leiden. Lassen Sie den Wohlthäter holen, Herr; et soll schnell kommen .... und Du, meine Favronka, zünde die Kerzen an und setze die Heiligenbilder auf den Tisch. .... Gott, wie ich leide! ... Ach, mein armes Weib, mein armes Weib!"
Die Anstrengung hatte ihn geschwächt und er fiel erschöpft auf das Kiffen zurück.
„Irena," sagte der Oberförster zu einer der Bäuerinnen, „lauf in die Pfarre und bitte den Wohlthäter, sofort zu kommen; sage ihm, daß es sich um eine Eheschließung in extremiS banbett." Und dann fügte er leiser hinzu: „Ich werde Alles bezahlen, was nöthig ist, verstehst Du?"
Lautes, schreckliches Lachen ertönte aus dem Munde der Alten.
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Papiere! Dieser Satz, deffen dunklen Sinn er nicht verstand, nahm in seiner Einbildungskraft eine unheildrohende Gestalt an, die bestimmt war, von nun an sein ganzes Leben zu be» herrschen.
Ein dumpfer Donnerschlag erschütterte die Thäler rings umher und zuweilen leuchtete die Stube auf im Flammenschein der Butze.
gehe mit ihr," rief plötzlich der Knabe und stürzte bleich, aber mit entschloffener Miene hinter der Bäuerin her. „Nimm wenigsten» eine Decke aus dem Stalle um die Schultern," r ef ihm seine Mutter nach. „Du wirst Dir den Tod holen bei dem Sturm."
Jedoch das Kind war schon weit fort.
II.
.Mtzlich schlug ein ungewöhnlich großes Hagelstück gegen die kleine Scheibe eines Fensters und brach sie in Stücke. Die Frau stieß einen Angstruf aus.
„Na, na, erschrick doch nicht, mein Seelchen," rief ihr der Priester in väterlichem Tone zu- 9
fflSKahl unvermutete Fürsorge ihres Herrn und von heute Morgen mit dem erdfahlen, aufaedunsenenE E«'S BäSSSs-ES-
Plötzlich gab es einen lauten Krach — 'die Armlehne - - war zerbrochen.


