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Die Töchter des Popen.
Roman von Marguerite Poradoivska. Deutsch von M. Pillet.
-------- (Nachdruck verboten.)
I.
Die beiden Bergleute hatten Jakubek auf die Bahre gelegt und diese auf ihre Schultern genommen; dann schritten sie mit feierlichem Ernst den Hügel hinab. Ihre hohen Gestalten hoben sich starr von dem drohenden Himmel ab, an dem sich dunkle, silbergeränderte Wolken zu Haufen ballten.
Am Ufer des Flusses machten sie Halt, legten den Verwundeten vorsichtig nieder und riefen den Fährmann an.
„Heda, PrzewosI Przewor!"
Auf dem bleifarbenen Wasser glitten breite Holzstöße in der Richtung nach Bessarabien langsam dahin.
„Holla, Przewos! Bist Du betrunken oder schläfst Du?"
Ein magerer Jude mit dünnen Lippen und triefenden Augen, eine Sammetkappe, unter der zwei lange Locken hervorhingen, auf dem Kopfe, trat endlich in gebückter Haltung aus der kleinen Bretterhütte heraus, ohne sich sonderlich zu beeilen.
„Was ist denn los?" fragte er mit näselnder Stimme. „Schon wieder ein Unglücksfall?"
Die Männer hoben die Bahre auf.
„Ja, beeile Dich . . . ein Brunnenmacher ist erstickt . . . es sollte die letzte Bohrung an dem Brunnen sein; da hat sich das Gas entzündet . . . seine Brandwunden sind sehr schlimm."
„Er war schon zweimal wieder heraufgekommen, weil es ihm an Luft fehlte," brummte der andere Bergmann. „Beim dritten Male erklärte er, er wolle nicht mehr hinuntersteigen, aber der Schurke, der Wolf, gab ihm Branntwein zu trinken; da ließ er sich wieder festbinden, ohne ein Wort zu sagen. Eine Minute später explodirte das Gas."
„Er ist doch nicht etwa tobt?" fragte der Jude ängstlich.
„Nein, Du Dummkopf, Du hörst ja, daß er nur verwundet ist."
„Ich möchte aber nicht, daß er auf meiner Fähre stürbe."
„Stirb liek^- selbst darauf, Du Hund! Vorwärts, Platz gemacht I"
Die beiden Bergleute maßen mit verächtlichen Blicken
die schmächtige Person des Fährmanns, der mit gesenktem Haupte gehorchte.
Der Kranke wurde jetzt auf das feuchte Holz der Fähre niedergelegt, das Gesicht gen Himmel gewandt, und der Alte ließ langsam das Tau los, das in der wurmzerfreffenen Fuge knarrte.
Hier und da tauchten zwischen den sammetweichen Blüthen« kolben der Schilfstengel die Gestalten von nackten Juden auf, die ihre religiösen Reinigungen verrichteten. Sie kamen und gingen in dem sinkenden Rebel wie lange, weiße Gespenster, verschwanden unter der Fluth und erschienen bald darauf wieder an der Oberfläche mit ihren eckigen Körpern, ihren hageren, blaugefrorenen Gliedern, die in dem scharfen Winde vor Frost schlotterten.
Die Fähre landete endlich. Am Ufer kam eine barfüßige Frau im rothen Kopftuch, von einem Knaben gefolgt, in voller Aufregung herbei.
„O Jesus, sagt, sagt, ist es mein Mann? Ist e« Jaku- bek? Ach, er ist doch nicht tobt, mein Gott, mein Gott!"
Weiterhin unter bem vorspringenben Schutzdachs eines Häuschen», das aus einer Gruppe von Birken hervorschaute, stand eine Greisin mit gefürchteten Zügen, die durch die Arbeit im heißen Strahle der Sonne tief gebräunt, fast schwarz ge« worden waren; sie wiegte sich hin und her und schaukelte eine Katze in ihren Armen.
Beim Anblick de» Verwundeten, der herangebracht wurde, richtete sie sich gerade in die Höhe und stürzte mit lautem Aufschrei wie ein Raubthier, dem man seine Jungen entreißen will, auf den unbeweglich daliegenden Körper los, die Katze entglitt ihren Armen und lief heulend davon-
„Mein Sohn, mein Junge," kreischte die Alte; „sie haben ihn gelödtet!"
„Schweigt, Mutter, Ihr werdet ihm schaden," sagte einer der Bergleute, „helft ihn lieber verbinden; Ihr müßt Euch ja erinnern, was man gegen Brandwunden anwendet." §1 Die Greisin, welche ihr ganzes Leben lang Kurpfuscherin gewesen war und allerlei Krankheiten geheilt hatte, öffnete ihre erloschenen Augen unnatürlich weit.
„Brandwunden," wiederholte sie, „wartet einmal. . . Schwarzwurzblüthen . . . weiße für die Frauen, blaue für die Männer. . . . Nein, nein, da» ist nicht richtig. ... Ich ver«


