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Er schüttelte sowohl Fred Houston al« Georg« Real kräftig
noch nicht merklich weiter gekommen al» in der ersten Stunde.
Vater in Empfang genommen.
Fred Houston, der sich zunächst natürlich discret zurück- hielt, konnte sich'« doch nicht versagen, die Begrüßung»seene aus einiger Entfernung zu beobachten, und die kühle, beinah« ungeduldige Art, wie die junge Dame alle Liebkosungen und Zärtlichkeiten über sich ergehen ließ, verursachte ihm ein Gefühl leichten Unbehagens. Zum ersten Mal kam ihm der Verdacht, daß dies schöne Geschöpf eines tieferen Empfinden« vielleicht überhaupt nicht fähig sei und er konnte des bedrückenden Argwohns nicht wieder ledig werden, wie er sich auch bemühte, allerlei entschuldigende Erklärungen für ihre scheinbare Gleichgiltigkeit zu finden.
William Burnet war ein früh ergräuter Fünfziger von
Wenn es in einem Moment den Anschein gewann, al« sei da» alte Verhältniß zwischen ihnen wieder hergestellt, so konnte ihn schon im nächsten ein spitziges Wort oder ein eiskalter Blick aus all' seinen Himmeln stürzen.
Diese Launenhaftigkeit machte ihn zwar nicht gerade unglücklich, denn er glaubte trotzdem noch immer an May» Zuneigung; aber sie verdroß ihn doch zuweilen so stark, daß er sie für ein päar Stunden unbeachtet ließ und feine Aufmerksamkeiten allein an die schüchterne Ellinor richtete, die er in» zwischen trotz ihre« stillen, schweigsamen Wesen» al» ein sehr liebenswürdiges und gescheidte» Geschöpschen kennen gelernt hatte. Wenn ihre Befangenheit erst einmal überwunden war, und das gelang ihm zu seiner Freude jetzt ziemlich leicht, konnte sie sogar heiter und gesprächig werden. Dann gab sie ost Antworten, deren Geist und Schlagfertigkeit ihn in Erstaunen setzten und er sagte sich mehr als einmal in solchen Fällen, daß auch May Burnet nichts Hübscheres und Klügere» hätte äußern können. „ „ , .
Auch ihre einfache Lebensgeschichte hatte sie ihm einmal
Ihr Vater war vor Jahren ein sehr wohlhabender Mann gewesen, aber er hatte durch die Treulosigkeit eine» nahen Verwandten sein ganzes Vermögen verloren und war seit jener Katastrophe genöthigt gewesen, sich in abhängigen Stellungen seinen Lebensunterhalt zu gewinnen. Die Mutter
8ebe"äta$ rascher und glücklicher Seereise fuhr der Dampfer an einem sonnigen Morgen in die Mündung des Rio Brazos ein, und die herrlichen landschaftlichen Scenerien, die sich jetzt in beständiger Abwechslung zwischen hügeligen Prairten und prächtigen Sykomorenwäldern an beiden Ufern de» Flusse« darboten, machten den letzten Theil der Fahrt zugleich zu dem
6 ungefähr dreißig englische Meilen oberhalb der Mündung war mit der Stadt Brazoria, damals einem armseligen, kleinen Rest, der Bestimmungsort des Dampfer« erreicht und hier wurde Miß May Burnet von ihrem sehnsüchtig harrenden
sein. Da« ist prächtig. Ihr Vater ist ein charmanter Herr und ich bin glücklich in der Gewißheit, daß Miß Burnet von " dem Gespenst der Langeweile fortan -nichts mehr zu fürchten
, Ich habe bis jetzt so wenig für meinen armen, geplagten Vater thun können," sagte sie mit leuchtenden Augen. „Wie glücklich werde ich sein, wenn ich jetzt mit ihm arbeiten und schaffen und ihm wenigstens zu einem kleinen The» all die Liebs vergelten kann, die ich von ihm erfahren!
„Ob May in solcher Situation wohl etwas Aehnliche» empfinden würde?" dachte Fred in der Stille seines Herzen» und trotz seiner Anbetung wagte er es nicht, sich auf diese Frage mit einem runden, zuversichtlichen Ja Antwort zu
wohl nicht auf die harmlose Frucht übertragen. ,
Der Spott ärgerte ihn zuerst, aber er überwand die schreckten sie nicht, kleine Aufwallung, die ihm selber sehr thöricht schien, schnell und erwiderte mit einer Verbeugung: „Aus Ihren Händen, Miß Burnet, würde ich unbedenklich Alles nehmen, Süßes und Bitteres — das Leben wie den Tod."
In Mays dunklen Augen blitzte es auf; aber es war ein eigenthümlich kaltes, fast grausames Leuchten.
„Hüten Sie sich, daß ich nicht einmal eine Probe auf die Aufrichtigkeit solcher Versicherungen mache! Sie konnten \ dabei in arge Verlegenheiten gerathen."
Noch ehe er abermals antworten konnte, hatte sie sich dann wieder zu Ellinor gewendet und wenn der Ton ihrer letzten Worte dar junge Mädchen etwas befremdet hatte, so mußte ihre herzgewinnende Liebenswürdigkeit diesen Eindruck sehr schnell wieder verscheuchen.
Später gesellte sich auch Mister Neal zu ihnen und dann begannen sie von Texas zu sprechen, von feiner Fruchtbarkeit und seinen landschaftlichen Schönheiten, die in May Burnet eine begeisterte, fast leidenschaftliche Lobrednerin fanden.
Die Stunden gingen ihnen wirklich wie im Fluge dahin, und al« Fred spät am Abend neben dem Vater Ellinor« an der Regeling lehnte, um seine Cigarre zu rauchen, bereitete es ihm eine nicht geringe Genugthuung, diesen ernsten Mann in Ausdrücken aufrichtiger Bewunderung von dem Gegenstand seiner Anbetung sprechen zu hören.
„Sie muß wirklich erst noch ein wenig erzogen werden, ehe sie eine paffende Frau für mich ist," dachte er dabei auf« Neue, «aber es müßte doch seltsam zugehen, wenn es mir nicht
„Sie selbst trauten sich vermuthlich nicht die Kraft zu, er zu verscheuchen," warf May spöttisch ein. „Und doch habe ich Sie Miß Ellinor eben erst al« einen sehr unterhaltenden jungen Mann geschildert."
«Ich bin Ihnen dafür unendlich dankbar, aber ich fürchte, daß ich Mühe haben werde, mich dieser Schilderung würdig zu zeigen. Miß Neal wird von vornherein etwas Nachsicht haben müssen."
Dar blonde kleine Fräulein erröthete jedesmal von neuem, so ost er sich an sie wandte; aber das Erröthen kleidete sie allerliebst und Fred betrachtete sie in solchen Augenblicken mit wirklichem Wohlgefallen. Wenn Miß Burnet das überhaupt bemerkte, so schien es ihr doch sehr gleichgiltig, denn in ihrem Benehmen war durchaus nichts, das sich auch nur entfernt al« eine Aeußerung der Eifersucht hätte deuten lassen. Sie bemühte sich vielmehr auf eine sehr liebenswürdige Weise, die Befangenheit der neuen Freundin, die sie trotz de« gesellschaftlichen Rangumerschiede« ganz wie ihresgleichen behandelte, zu verscheuchen und sie zur Betheiligung an dem leichten Ge« gsSSys =• ä-Tä I
gelänge."
Der Verlauf der folgenden Reisetage hielt durchaus, waber angenehme erste Nachmittag versprochen hatte. Die beiden Männer kamen sich trotz der Verschiedenheit ihre» Alters immer näher und zwischen den jungen Damen hatte sich eine wirkliche Freundschaft herausgebildet.
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