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Ihrem Schutze reisen kann. Sie hätte sonst keinen anderen Beistand gehabt, als ihre schwarze Zofe. Haben Sie sie von Ihrer Absicht bereit» in Kenntniß gesetzt?"

Fred Houston bejahte und lächelnd fügte er hinzu:Es hatte allerdings nicht gerade den Anscheh, als ob Miß May von der Aussicht auf meine Gesellschaft übermäßig entzückt sei; aber ich hoffe trotzdem, wir werden unterwegs noch ganz gute Kameraden werden."

Capitän Rollins neigte sich näher zu dem jungen Manne und sagte, bedeutsam mit den Augen zwinkernd:Will's Ihnen wünschen, lieber Fred will's Ihnen von Herzen wünschen I Sind eine angesehene Familie, die Burnets geben der Ihrigen nicht» nach. Und hat, wie ich denke, schon manches runde Tausend bei Seite gelegt, mein alter Freund Bill. Sollten da» Eisen schmieden, so lange e« heiß ist."

Fred Houston erwiderte nichts und kehrte, da es in* zwischen schon spät geworden war, auf sein Zimmer zurück.

Am nächsten Morgen erst traf er am Frühstückstische wieder mit den Damen des Hauses, der liebenswürdigen Gattin des Capitän», seinen beiden jungen Töchtern und Miß May Burnet zusammen.

Während die drei Ersteren sich auf eine sehr gewinnende Art den Anschein zu geben wußten, als hätten sie von den ärgerlichen Vorfällen des gestrigen Tages nicht die geringste Kenntniß, verhielt sich die Letztere auffallend schweigsam und kühl. Einige unbefangene Annäherungsversuche Freds erfuhren sogar ziemlich unzweideutige Zurückweisung und er hätte blind sein müffen, um nicht zu erkennen, daß May als eine echte Tochter des Südens in Bezug auf fein Verhalten am ver­flossenen Tage die wenig schmeichelhaften Ansichten Derjenigen theilts, die ihn gestern durch ihren vorzeitigen gemeinsamen Rufbruch förmlich in Acht und Bann erklärt hatten.

Anfänglich bemühte sich der junge Mann wohl, ihr Be­trägen von der scherzhaften Seite zu nehmen, zuletzt aber fühlte er sich doch in seiner Selbstachtung empfindlich verletzt und widmete stch nun bi» zu dem Augenblick der Abreise aus­schließlich den anderen Damen.

Al« der große, nach New-Orleans und weiter nach der Galeeston-Bay bestimmte Dampfer um dis Mittagszeit an dem Landungssteg der Pflanzung anlegte, gab es natürlich große Aufregung, zahlreiche Umarmungen, Küsse und Thränen.

Endlich aber war doch auch diese Abschiedsscene über­standen; das Gepäck des jungen Houston war ebenso wie die zahllosen Koffer, Kästchen und Schachteln, die Miß Mays Ausrüstung für die Besuchsreise gebildet hatten, glücklich an Bord geschafft; die mächtigen Schaufelräder hatten sich ge­räuschvoll in Bewegung gesetzt und die am Lande zurück­gebliebenen Personen mit ihren wehenden weißen Tüchern waren allgemach den Blicken der stromabwärts Fahrenden entschwunden.

May zog sich jetzt mit ihrer Dienerin sogleich in den Damensalon zurück und Fred, dessen Dienste al» Reisegesell- schaster also offenbar verschmäht wurden, hatte Zeit, die übrigen Passagiere des Dampfers etwa» näher zu betrachten. E» war, wie immer auf diesen Schiffen, eine ziemlich bunt zusammengewürfelte Schaar von Pflanzern, Handelsleuten und anderem Volk, darunter es auch nicht an einem halben Dutzend recht unheimlich aussehender Hinterwäldlergestalten fehlte.

Mit jener heiteren Offenheit, die ihm bisher an allen anderen Orten als an Capitän Rollins Tische die Herzen ge­wonnen hatte, knüpfte Fred Houston schon während der ersten halben Stunde auf's Gerathewohl eine Anzahl von Bekannt­schaften an, immer bemüht, durch die Wahl der Gesprächs- gegenstände seine Kenntniß von Land und Leuten zu bereichern. Er erfuhr, daß die meisten Mitreisenden den Dampfer in New-Orleans verlassen würden; zuletzt aber gerieth er doch zufällig an einen Mann, der das nämliche Ziel hatte wie er selbst. Und gerade dieser gefiel ihm so gut, daß sich binnen kürzester Zeit ein ganz freundschaftliches Verhältniß zwischen ihnen herausgebildet hatte.

Er brachte heraus, baß sein Reisegefährte George Neal

heiße, bis vor Kurzem Aufseher auf verschiedenen großen Pflanzungen in Kentucky gewesen sei und nun nach Texas wolle, um sich von seinen Ersparnissen dort ein eigenes Stück Landes zu erwerben.

Der Mann mochte etwa fünfundvierzig Jahre zählen. Er war gut gekleidet, von stattlicher Gestalt und hatte ein kluges, zugleich gutmüthiges und energisches Gesicht. Seine Ausdrucksweise verrieth, daß er eine gute Erziehung genossen hatte und seine Anschauungen waren die eines gereiften, ein­sichtigen Mannes.

Als ihn Fred Houston fragte, ob er feine neue Heimath bereits kenne, verneinte er, um in einem Tone ruhigen Selbst­vertrauens hinzuzufüzen:Ich werde mich schon darin zurecht- finden, auch ohne fie zu kennen. Wenn man in seinem Leben so vieler widriger Umstände Herr geworden ist wie ich, sürchtet man sich am Ende nicht davor, den Kampf noch einmal zu beginnen, zumal wenn es gilt, sich auf eigener Scholle ein Dasein aufzubauen. Schlimmer als im alten Kentucky ist er da unten ja auf keinen Fall."

In diesem Augenblick wurde ihr Gespräch durch Polly, die schwarze Zofe der Miß Burnet, unterbrochen, die Fred Houston gesucht hatte, um ihm eine Botschaft ihrer Herrin auszurichten. Er war fteudig überrascht, zu hören, daß May nun doch Verlangen nach seiner Gesellschaft trug, denn anders war die freundliche Einladung, im Damensalon eine kleine Erfrischung zu nehmen, doch wohl nicht zu verstehen. All' seine Empfindlichkeit war mit einem Male vergessen. Er war glücklich in der Vorstellung, daß sie so schnell zu der Er- kenntniß ihres Jrrthums gekommen war oder wie ihm eine schmeichelnde Stimme zuflüstern wollte daß ihre Zuneigung über ihre Vorurtheile den Sieg davongetragen hatte. So verabschiedete er stch denn hastig von seinem neuen Bekannten und folgte der jungen Negerin in das Allerheiligste der Schiffes, dessen Betreten männlichen Personen nur mit der ausdrücklichen Genehmigung der an Bord befindlichen Damen gestattet war.

Zu seiner Ueberraschung fand er May nicht allein, son­dern in lebhafter Unterhaltung mit einem anderen jungen Mädchen, das neben ihr auf dem Sopha saß und dessen zier­lichen Leib Miß Burnet mit dem linken Arm zärtlich um­schlungen hielt.

Obwohl ihm alle anderen weiblichen Wesen in diesem Augenblick völlig gleichgiltig waren, konnte Fred doch nicht umhin, zu bemerken, daß diese junge Dame recht hübsch sei. Sie hatte auffallend reiches, aschblondes Haar, ein schmale», feines Gesichtchen mit großen, kinderhaft unschuldigen, blauen Augen und eine kaum mittelgroße, aber sehr wohlproportio- nirte, anmuthige Gestalt.

Entschuldigen Sie die Freiheit, die ich mir mit Ihnen genommen habe, Mister Houston," sagte May in einem noch immer mehr frostigen als ermuthigenden Ton.Aber Miß Ellinor Neal behauptet, ein von Ihnen geschriebenes Buch über die Sclavenfrage gelesen zu haben und ich wollte ihr da» Vergnügen machen, den bewunderten Verfasser persönlich kennen zu lernen."

Da« war nach Fred« Ueberzeugung natürlich nur ein Vorwand; aber er gab sich nichtsdestoweniger den Anschein, es ganz ernst zu nehmen und verbeugte sich höflich vor der lebhaft erröthenden jungen Dame.

Das Buch ist nicht von mir, sondern von einem Vetter gleichen Namens, dessen Ansichten in allen Stücken die meinigen sind, wenn ich auch leider seine schriftstellerische Begabung nicht besitze. Aber wenn ich Ihren Namen richtig verstanden habe, mein Fräulein, so finde ich hier vielleicht die angeneh­mere Ergänzung einer angenehmen Bekanntschaft, die ich eben auf Deck gemacht. Mister George Neal aus Kentucky" .Es ist mein Vater," ergänzte die Kleine mit einer sehr wohlklingenden, aber etwas schüchternen Stimme.

Und in feiner lebhaften Art versicherte Fred, daß ihm die Familienähnlichkeit auf den ersten Blick in die Augen gefallen fei.

Wir Vier werden also bis zum Ende Reisegefährten

sein.

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