Ausgabe 
25.4.1896
 
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rr Nr. 48. » Samstag den 25. April @,x 18»«. rq

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UntechaUungsbLatt zum Gießener Anzeiger (General-Anzeiger).

Unter dem Patriarchen.

Erzählung aus dem amerikanischen Westen. Frei nach Sealsfield. Von W. H. Geinborg.

(Fortsetzung.)

II.

Capitän Rolltns geräuschvolle Gäste hätten noch vor der Rückkehr de» durch eine wichtige Angelegenheit abgerufenen Hausherrn sammt und sonders die Pflanzung verlassen, nicht ohne ihrem Unwillen über das Verhalten desYankee" auf sehr unzweideutige Weise Ausdruck gegeben zu haben.

Offenbar verstieß es gegen ihre Selbstachtung, noch eine einzige Nacht unter demselben Dache mit einem Menschen zu verbringen, dessen Ehrbegriffe so wenig mit den ihrigen über­einstimmten.

Fred Houston aber blickte ihnen vom Fenster seines Zim­mers aus gleichmüthig nach und wenn er es auch tactvoll vermied, mit den Damen des Hauses an diesem Abend noch einmal zusammenzutreffen, so suchte er doch den Capitän gleich nach seiner Heimkehr auf, um ihm unumwunden über das Vorgefallene Bericht zu erstatten und sein Bedauern über die fatale Störung der geselligen Freuden auszudrücken.

Wie er es nicht anders erwartet hatte, fand der alte Freund seines Vaters nichts Tadelnswürdiges in seinem Be­nehmen.

Ich freue mich aufrichtig, lieber Fred, daß Sie ver­nünftig genug waren, diese abgeschmackte Herausforderung zurückzuweisen. Die Unsttte de» Duellirens hat in den letzten Jahren bei uns auf eine wahrhaft erschreckende Weise um sich gegriffen und mancher brave Mann hat wegen eines un­bedachten Wortes oder irgend einer anderen Lappalie vor­zeitig in's Gras beißen müssen. In der Werthschätzung dieser Herren freilich haben Sie nun ohne Zweifel arge Einbuße erlitten und so leid es mir thut, daß ich Sie schon so bald verlieren soll, möchte ich Sie doch in Ihrem Interesse zur Vermeidung neuer unliebsamer Zusammenstöße bitten, die Gegend zu verlassen. Namentlich dieser Oakley ist ein brutaler Geselle, der Ihnen die Zurechtweisung um so weniger ver­gessen wird, je vollständiger er sie verdient hatte."

Sie werden mir glauben, Capitän Rolltns, daß ich seinen Zorn nicht fürchte. Aber ich sehe ein, daß ich Ihnen nach dem Vorgefallenen hier nicht länger zur Last sein darf. Morgen Mittag werde ich die Pflanzung verlassen."

Ich hoffe Sie wiederzusehen, wenn erst ein wenig Gra» über die Geschichte gewachsen ist. Wohin «erden Sie fich jetzt begeben?"

Nach Texas, wie es von vornherein meine Absicht ge­wesen ist. Der Wunsch, dieses intereffante Land kennen zu lernen, bestimmte mich ja vornehmlich zu meiner Studienreise nach dem Süden."

Der Capitän nickte zustimmend.

Sie haben recht, Texas ein interessantes Land zu nennen und ich vermuthe sogar, daß es in der allernächsten Zeit noch um Vieles interessanter werden wird. Wenn nicht alle Anzeichen täuschen, bereiten sich da ganz in der Stille recht bedeutsame Dinge vor, und wer weiß, ob es Ihnen nicht bestimmt ist, bei Zeuge großer Ereignisse zu werden."

Schon in New-York hörte ich ähnliche Andeutungen. Die anglo-amerikanischen Ansiedler in Texas sollten mit der Absicht umgehen, sich gegen die mexikanische Regierung auf- zulehnen."

Gegen die mexikanischen Blutsauger und Bedrücker, die im Grunde nicht mehr Anrecht auf die gesegneten Gefilde von Texas haben, als Sie und ich. Die Katastrophe ist unaus­bleiblich, ob sie aber in einigen Wochen oder in einigen Jahren eintreten wird, weiß Gott allein. Ich meine, wir dürfen es getrost unseren wackeren Landsleuten da unten überlassen, den rechten Zeitpunkt zu wählen. Natürlich werden Sie zunächst auf Mister Burnets Pflanzung Ihre Aufwartung machen. Ich werde Ihnen sowohl an ihn als an meine andere» Freunde in Texas Empfehlungen geben."

Sie sind sehr gütig, Capitän Rollinsl Was aber Mister Burnet betrifft, so übernimmt es vielleicht Miß May, mich ihm zu empfehlen. Sie will morgen heimkehren und ich soll das Vergnügen haben, die Reise in ihrer Gesellschaft zu machen."

Ah, das ist eine überraschende Neuigkeit. Also auch diesen lieben Gast sollen wir verlieren! Nun, ihr Vater wird sie gerufen haben und da ziemt es uns nicht, sie zu halten. Aber es trifft sich gut, daß die junge Dame unter