Ausgabe 
24.12.1896
 
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Und Han« man will ihn fassen, ihn in'» Gebet nehmen doch er entwindet sich mit Macht der väterlichen Hand. 'Nau» will er 'naus! Den Schlitten sehen und den Kutscher.

.Junge, erst sagst Du, wa» Du"

.Aber Käthe muß doch wissen

7 , Käthe? Ja wo steckt denn die?

Jaa! Wenn Ihr da» wüßtet! Gelt Keiner hat'» gemerkt, wie sie auf einmal blaß ward und verschwand.

Käthe 1" Der Vater reißt die Thür auf; so eine dunkle Ahnung läßt ihn fürchten--

Herrgott wer ist da»?Aaah! Herr

Verzeihung," spricht die Gestalt im braunen Havelock bin augenblicklich nur Kutscher."

A-ah-Aha! Der Kutscher! Aber bitte

Sich verneigend alle Achtung übrigens vor solch einer Kutscherverbeugung tritt er über die Schwelle.

Onk - Onkel Rudolf!"

Mit einem Schrei ist Hans schon auf ihn lorgesprungen.

Gleich, gleich mein Junge." Einen Augenblick preßt er den Jungen an sich dann tritt er zur Mama.

Er achtet nicht auf die ihm dargebotene Hand, verneigt sich nur-

Gnädige Frau. Da» Christkind sendet mich, ich bin sein Bote." Er überreicht ihr einen Brief.Ich bitte."

Sie öffnet, liest; mit ihr der Vater. Und unterdessen wendet er kein Auge von ihnen.

Sie lächeln. Ah es ist der Brief vom Han»; da» Christkind hat ihn beigefügt. Sie lesen weiter, die Nachschrift. -

Die Bitte «ar so schwer nicht zu erfüllen," schreibt « Christkind.Aber hier, zwei andere Briefe füge ich noch bei."

Fest wie gebannt mit solch unsäglicher angstvoll« stummer Spannung haften seine Augen auf den Zügen jener Beiden.

Jetzt nehmen sie die Briefe lesen.

Gieb, Christkind, mir da» Eine nur,

Weißt ja, an wa» ich denk:

Die Liebste! Gieb oh! Gieb sie mir

Al» süßer Christgeschenk."

Und der andere:

Nur eine Bitte ist es, die ich ans Christkind habe: Oh! Wollt' es mir ein Töchterlein bescheeren! Für meine alten Tage einen Sonnenstrahl. Ein Töchterlein so lieb, so herzig und so gut wie Doctorr Käthe."

Die Spannung in de» jungen Mannes Zügen ist bis zum Aeußerften gestiegen.

Hab doch Erbarmen, o, Du Elternpaar. Lies eilig auch den Schluß.

Seht" schreibt das Christkind,diese Beiden, sie haben an mich nur die eine, große Bitte. O! Wie gern ich sie erfüllen möchte; aber ich kann's ja nicht. So thut denn Jhr's Laßt mich für Euch bitten heut, am Christfest. Ein Wörtchen nur, ein winziges kleines und schön wie nie wird diese Weihnacht fürsie Alle" sein; sorgsam wird dieser Bote da» anvertraute, theure Kleinod hüten, und schnell wie nie noch wird er heimwärts fahren und das so heiß ersehnte Christgeschenk in offne Arme legen. Ein einzig Wörtchen: Darf er?"

Darf ich?" fragt angstvoll ein schwarzes Augenpaar. Darf ich?" fragt eine Stimme leise bebend Ein Blick vier Elternaugen tauschen ihn: er ist so gut wie ein stummer, unsichtbarer Händedruck. Und dann ein Lächeln unter Thränen, und--

Ja! So ist's recht! Nun Glocken läutet Oh! das ist schön! G'rad in dem Augenblick, als ob Ihr'» ahntet. Er darf! Habt Jhr's gehört? Er darf

O Weihnachtsglockenton! O sanft melodisch Durcheinander« klingen von tausend süßen Weihnachtsmelodie'n. Jetzt laut jetzt leis, jetzt nah jetzt fern find's Engel wohl, die an den Silbersträngen zieh«? O horcht doch dieses Läuten!

um

Nun? Und wie ist's denn weiter noch gegangen?" hör ich fragen. Ja Vieles ist da eigentlich nicht mehr zu sagen. Ein halbes Stündchen später war das Zimmer leer. Nur der Christbaum stand noch, ganz einsam, ganz verlassen; durch seine flitterbehangenen Zweige zog der Duft der ausgeblasenen Kerzen.

Draußen am Thor stand die Liese; sie schaute dem Schlttten nach. , ~ ,,,,

So geht es," hörte ich sie murmeln. Dann schloß sich das Hofthor.

Ich aber lief dem Schlitten nach; ein ganzer Stück noch. Dachte, ich könnte noch etwas erhaschen von dem Gespräche, euch'» dann zu berichten.

Aber vergebens!

Nur zwei sprachen; aber so leise so ganz im Flüster« ton, daß man auch nicht ein einzig Wort verstand.

Und der Sturm dazu und der Schnee nein!

Weihnachten!" jubelt Käthe-Jetzt ist'» Weihnacht!"

Und vorher nicht?"

Nein" will sie sagen unzählige Küsse schließen hr den Mund.

O jubelnd Glück! Glückseligkeit, berauschend endlos!

Dann der Junge. ____

Süßer, kleiner Bengel! Dir dank ich Alles!" Und Onkels Arme heben ihn empor hoch hoch--

Aber - Onkel -"

Nun?"

'',Der Schlitten ja den findest Du zu Haus. Wart nur gleich fahren wir! Schön ist er! Roth mit Schellen!"

Und das Pferd?"

Da« Pferdchen will die Käthe selber spielen. Sie wird hn ziehen wann so oft er will. Alle Tage!

Sie verspricht es ihm lachend weinend

Und fast ersticken will sie ihn mit ihren Küssen.

Ich blieb stehen.....

Schellenglöckchen, ein Weilchen noch kling - ling--

schwächer immer schwächer; dann bei des Sturme» Brausen ein Arm, ein Mantelkragen, der schützend sich ein Paar Schuliern schlug--

Und da sauste der Schlitten um die Biegung ....

Die Winterquartiere unserer Thierwelt.

Von Hermann Greiling.

(Nachdruck verboten.)

Wie ein Traum sind Frühling und Sommer entschwunden, wie ein Traum ist die Blüthezeit des Jahres an uns vorüber« gerauscht. Schon Ende Juli fangen viele der lieblichen Sänger des Waldes an zu verstummen, nur die Lerchen erfreuen uns bis spät in den Herbst hinein mit ihrem jauchzenden Concerte. Die Hauptzeit des Vogelfanges fällt aber in die Monate April und Mai, die uns infolge unseres Klimas vielfach ver« loren geht, nur der wahre Naturfreund wagt sich auch bei rauhem Wetter hinaus in Flur und Wald, um feine Ohren an schallendem Sang, seine Augen an dem lustigen Treiben der Thierwelt zu weiden. Nun kommt der Herbst und schon wird es stiller in der Natur, unsere Freunde, die Vögel, ver« lassen uns größtentheils, nur das Knallen der Jagdbüchsen hMdt uns noch einmal ein Scheinleben vor, da» aber ebenfalls bald verrauscht und verhallt. Der November macht seine Herr­schaft geltend, der Sturm fchüttelt die Reste de» Laube» von den Bäumen, die Tage werden kürzer und trüber, die ersten Fröste durchschauern die Natur, vielleicht bedeckt wie er in diesem Jahre der Fall gewesen schon eine weiße Schnee« decke, wie probeweise, die Fluren und Wälder-

So ist es plötzlich Winter geworden, die Natur hält ihren Schlummer, alles Leben scheint erstorben. Nur hungernde Vögel, die zurückgeblieben sind in der kalten Heimath, rascheln durch das Laub, in den Tiefen des Walder fliehen einige