Ausgabe 
24.3.1896
 
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ob sie beim nun den Ideen, die man sich von dem Phärken» lande mache, auch entspräche. u ,

Bruno suchte sich so gut wie möglich aus der Affaire

zu ziehen.

Genaueres vermag ich Ihnen wirklich nicht zu berichten, gnädigste Comteß, nur so viel, daß sie einen berühmten Pro« fessor zum Lehrer gehabt, der ihr und ihrem Manne die aus» gedehntrsten Vorträge gehalten hat. Hahal Das war so etwas für meine Schwester, das hat sie immer geliebt, während ich ganz im Gegensatz mich vor so gelehrten Herren stets gern

drückte."

Comteß Eva verzog ein wenig verächtlich den Mund.

Ja, ja, ich weiß, die Gelehrsamkeit ist gewöhnlich nicht die Passion der jungen Herren Offiziere. Hoffentlich hat Ihr Schwager eine Ausnahme davon gemacht und mit seiner Frau das Interesse für das Alterthum getheilt. Wie heißt denn der Professor, wissen Sie den Namen?"

Bedaure, gnädigste Comteß, hat mich wirklich nicht so

Gnädige Frau/ bat der Pastor, der bei den Worten der Mutter Ilse zusammenzucken sah,sprechen wir doch jetzt nicht davon; hier stehen augenblicklich ja noch viel höhere Fragen im Spiel als Geld und Gut."

Geld ist doch nun aber einmal nicht zu entbehren, das wissen Sie auch, Herr Pastor; und es wäre ganz unverant« wörtlich, wenn man darin übertrieben idealen Anschauungen, wie Ilse sie hat, nachgeben wollte. Sie kennen unsere Ver­mögenslage, Herr Pastor." irir

Freilich, freilich," unterbrach dieser den Wortschwall, während er heimlich Ilses Hand ergriff und sie ermuthigend drückte.Das wird sich ja auch Alles finden; jetzt ist doch die Hauptsache, die gebeugte Seele dieser armen Frau wieder aufzurichten und dazu ist es nöthig, daß wir ihr Ruhe gönnen, sich erst wiederzufinden und zu fassen. Und nun, liebe Ilse, den Kopf oben 1 Denke an den schönen, trostreichen Spruch : Dem Guten ergeht es am Ende doch gut l Und wenn es Dir möglich ist, komm' bald zu uns herüber. Meine Frau und .

Kinder sehnen sich schon nach Dir, und daß sie Dich nicht sehr interessirt. neuKen $««eti Wien, hafte werbe Ich I°rge»,- ! -***>

Er neigte sich über sie, küßte ihr die Stirn und gab Frau von Bellin zum Abschied die Hand. Diese geleitete ihn durch den Garten bis zur Außenpforte.

Ach, daß es so enden sollte, so enden, wer hätte das aeabnt!" klagte sie dort von Neuem.

.Ich bitte Sie ernstlich, gnädige Frau, schonen Sie Ilse. Sie ist sehr angegriffen und was die äußeren Interessen be> trifft, so seien Sie überzeugt, daß Sie in mir einen ent­schiedenen Vertreter finden werden/'

Wenn Sie mir das versprechen, Herr Pastor, meinte nun Frau von Bellin beruhigter,dann will ich'«>ja schon abwarten. Aber als Mutter muß ich doch solchen Thorheiten wehren, nicht wahr, Sie verstehen mich? Das ist doch meine Pflicht, Herr Pastor."

Dieser nickte nur; wußte er doch, daß alle weiteren Worte hier vergebens waren, wo die feinere Empfindung und das Verständniß für eine Natur wie diejenige Ilses gänzlich

Schade, daß Ihre Frau Schwester nicht hier ist. Warum ist sie eigentlich nicht gekommen? Es wäre doch sehr interessant gewesen, sich von ihr etwas erzählen zu lassen "

Ja, das bedaure ich auch, da ich Ihnen beim besten Willen nicht fo zu dienen vermag, wie Sie wünschen. Aber Sie wissen, bet dem leidenden Zustand meines Schwagers hat das junge Paar bisher noch gar keine Visiten machen können.'

Hoffentlich holen sie das nach, sobald der Baron zurück ist," meinte die Comteß;ich bin schon sehr begierig, Ihre Frau Schwester kennen zu lernen."

Bruno war froh, daß er jetzt Pastor Seiffard auf sich zukommen sah und sich von seiner Begleitung verabschieden konnte, um ihn zu begrüßen.

Wissen Sie, wo Fräulein Altwiel ist?" sragte der Pastor^ mit dem jungen Offizier einen Händedruck tauschend.Ich bin auf der Suche nach ihr." _ f

Ich glaube, sie mit dem Legationrrath von Menzelen und Comteß Helene nach ihrem Liebltngsplatz, der großen Linde am Abhange gehen gesehen zu haben. Sie kennen doch

fcbitß

Auf dem Heimwege überdachte er noch einmal alles Ge­hörte.Es ist jetzt wirklich nichts dabei zu thun," chloß er feinen Gedankengäng,als die Schritte des Barons in dieser Angelegenheit abzuwarten. Erst dann kann man bestimmt Stellung nehmen und für die arme Geprüfte Zukunstr- entschlüsse fassen."

XIX.

Graf Wolden gab auf seinem schönen, romantisch gelegenen Schlosse ein Frühlingsfest. Zahlreiche Gäste von Nah und Fern waren herzugeströmt, auch Pastor Seiffard zählte zu den Geladenen. _ , ., m

Es war der erste, wirklich warme Tag und die Gesell­schaft hatte sich daher in dem mit feiner Kunst angelegten Garten und dem weitgehenden Parke zerstreut, der die Anhohe bedeckte, auf der das stattliche, aus dem achtzehnten Jahr­hundert stammende Gebäude sich erhob.

Eine Anzahl junger Damen eilte in Begleitung mehrerer Offiziere aus der nahen Residenz, unter diesen auch Bruno von Bellin, nach dem Lawntennis-Platz, den zum Spiele her- zurichten man eben dabei war. Um die Pause des Wartens auszufüllen, promenirte man in der breiten anstoßenden Buchen- alles. Neben Bruno ging die junge Comteß Eva von Strach- witz, die er im Winter in Berlin während seines Commandos an die Central-Turnanstalt öfters bei Frau von Willrich ge- sehen, in deren Hause er mit seiner Mutter verkehrt hatte. Die junge Dame galt unter den Cavalieren als eine halbe Gelehrte und war deshalb nicht besonders beliebt. Bruno aber hatte sich ihrer Begleitung nicht entziehen können, da die Comteß, die vo» der Rückkehr Ilses von ihrer Reise bereits vernommen hatte, ihn förmlich mit Fragen überfchüttete. Be­sonders verlangte sie über Corfu etwas Genaueres zu hören, da die Baronin ihm gewiß viel darüber mitgetheilt habe. Von jeher habe sie gerade für die interessante Insel geschwärmt,

den Platz?"

Gewiß, gewiß. Doch noch Eins, lieber Bruno, unter vier Augen," sagte er und hielt den schon zum Fortgehen sich Anschickenden noch zurück.Seien Sie recht vorsichtig und lassen Sie sich nicht ausfragen über Ihre Schwester."

Bruno machte eine überlegene Bewegung mit der Hand, als wolle er sagen:Wie können Sie daran zweifeln? Das ist ja selbstverständlich."

Haben Sie Ilse gesehen?" fragte er dann.

Ja, ich war bei ihr"

Und was denken Sie, Herr Pastor?

Darüber ein andermal. Sie werden beim Lawntennts bereits erwartet. Auf Wiedersehen I"

Er zog den Hut und schlug die Richtung nach dem von Bruno ihm angegebenen Platze ein. Zwischen ihm und Käthe Altwiel hatte sich in den Monaten, die sie nun schon aus Schloß Radnitz zubrachte, wo sie nach der Tochter auch noch den Grafen und die Gräfin gemalt hatte, ein eigenartig ver­trauensvolles Freundfchaftsvsrhältniß entwickelt. Trotzdem man der jungen Malerin im Schlosse mit der ausgesuchtesten Zuvorkommenheit begegnete, sühlte diese sich dort doch mehr oder weniger als eine Fremde. Das auf eigene Füße sich stellende, von ihrer Kunst den Lebenserwerb suchende Mädchen stand in ihren Ansichten, in ihrer ganzen Lebensauffassung naturgemäß im Gegensatz zu der gräflichen Familie und selbst Comteß Helene, die sich ihr mit der Anschmiegungssähigkeit der Jugend angeschloffen hatte und sie sehr bewunderte, ver­mochte ihren Gedanken, ihrem Wollen und Streben doch nicht zu fo^en ^ren ^nn die Stunden im Pfarrhause zu Hert- heim ihr zu wahren Erholungsstunden geworden, in denen sie mit dem verständnißoollen, ernsten und doch milden Pastor alle die Gedanken austauschen durfte, die sie im Schlosse zu Radnitz strenge zurückhalten mußte. Er hatte ihr viel von