Ausgabe 
23.6.1896
 
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sich nur etwas mit den modernen Fortschritten der Physik vertraut gemacht hat, bekannt sein, daß Wärme und Kraft gleichbedeutend sind; aus die Außenseite des Körpers Wärme herbeiführen, heißt ihn schwächen. Jedes getrunkene Glas Wasser repräsentirt ein Capital von Kraft, das wir durch e'gene Schuld vernichten wir bemerken, daß die Trinker sehr bald müde werden, während die Enthalsamen, obwohl sie unter dem Durste leiden, sich aber hüten zu trinken, ihre Kräfte conserviren und ans Ziel gelangen.

Nicht oft genug kann man wiederholen, daß zu vieles Trinken den Körper schwächt, derselbe wird hierdurch für Krankheiten empfänglicher gemacht und man steht sich durch übermäßiges Trinken von den im Sommer so zahlreichen epidemischen Leiden bedroht.

Uebrigens stillt vieles Trinken auch nicht den Durst. Wer hat nicht schon bemerkt, daß man einen um so größeren Durst verspürt, je mehr man trinkt; die Erklärung dasür liegt sehr nahe. Der Durst kommt vor allen Dingen von einer bedeutenden Verminderung des wasserhaltigen Theiles des Blutes. Nun verliert man aber bei der großen Hitze durch Schweiß mehr, als man durch die genoffene Flüssigkeit dem Körper wieder zuzuführen in der Lage ist, da man in einer Stunde zwei bis drei Pfund Schweiß verlieren kann. Der Magen ist nicht im Stande, eine gleiche Menge Flüssigkeit zu vertragen, es ist also der Verlust an Flüssigkeit größer, als der Gewinn, und zwar um so mehr, als das genoffene Waffer kälter ist und dadurch einen reichlicheren Schweiß hervorbringt. Es liegt also klar auf der Hand, daß der Durst im Verhältniß größer wird, weil die im Blut absor- birte Quantität Flüssigkeit sich immer mehr verringert. So erklärt man sich auch, warum man einen immer stärkeren Durst empfindet, sobald man getrunken hat, und warum das Eis und die angeblich durststillenden Getränke, nachdem sie den Durst für den Augenblick zwar gelöscht, denselben un­mittelbar darauf um so stärker reizen.

Die vorangegangenen Betrachtungen zeigen uns, in welcher Weise man trinken muß, das ist gewiß, aber man muß ver- meiden, dabei in Schweiß zu gerathen. Man muß warten, bis der Körper sich nicht mehr in Transpiration befindet, damit der Schweiß nicht bei der geringsten Erregung ent- weicht und das dem Blute nothwendige Waffer nicht ent» fliehen läßt; man darf nicht zu kalt trinken, damit die Reaction des Blutes an der Oberfläche die waffsrhaltigen Absonderungskanäle nicht in Thätigkeit fetzt; man muß schließlich etwas feste Nahrung zu sich nehmen, um die Er- regung der Kälte im Magen zu mildern und die Tran- fpiration zu vermindern. In heißen Ländern trinkt man fast nur vermittelst eines Strohhalms; die Flüssigkeit fließt be­quemer und ruhiger, ohne das Blut zur Haut zmückzudrängen, und man stillt auf diese Weise seinen Durst. Es kann nicht, warm genug empfohlen werden, nur in kleinen Schlucken zu trinken, anstatt sich große Masten kalten Masters in den Magen zu jagen.

Daß die Behauptung, die meisten Menschen verstehen nicht zu trinken, sehr wahr ist, zeigt uns, daß man im All- gemeinen während des Sommers magerer wird; der durch den Schweiß herbeigesührte Verlust vermag bei weitem nicht den durch die genostenen Getränke erzielten Gewinn zu com- penstren.

Man hat Personen, welche viel tranken, gewogen und dabei die Wahrnehmung gemacht, daß dieselben bet starker Hitze täglich bis 1500 Gramm verloren hatten; ja, man kann sogar noch weiter gehen und behaupten, daß eine jede Person, die im Sommer magerer wird, nicht zu trinken versteht und infolgedessen noch weniger ihren Durst zu stillen vermag.

Wir wollen das vorstehend Gefügte hier nochmals mi wenigen Worten wiederholen.

Man vermeide allzu kalte Getränke und trinke nur lang­sam und so wenig wie möglich, ohne zu essen. Man fliehe die Zugluft und bleibe, wenn man in erhitztem Zustande ge­

trunken, nicht unbeweglich stehen oder sitzen. Wenn da» Ver­langen, zu trinken, unerträglich wird, so vermindere man da« Leiden, indem man den Speichelfluß vermehrt; zu diesem Zwecke genieße man einen säuerlichen Bonbon oder nehme einen festen Gegenstand, z. B. einen kleinen Kieselstein, in den Mund.

Auf Märschen und Landpartien warte man, ehe man trinkt, eine gute Viertelstunde, damit die von der Ermüdung erzeugte Transpiration erheblich vermindert wird; dann trinke man und warte wieder eine Viertelstunde, bevor man weiter geht. So wird man ohne Gefahr seinen Durst stillen, so werden die Kräfte des Organismus sich nicht vermindern und der erfrischte Körper wird bis zum nächsten Aufenthalt wieder etwas zu leisten im Stande fein.

Diese anscheinend ganz einfachen Vorschriften sind äußerst wichtig. Eine Krankheit befällt vor Allem die geschwächten Organismen und ohne Sinn und Verstand trinken, heißt mit Gewalt seinen Körper schwächen.

Gemeinnütziges.

Muffiges (angegangenes) Fleisch kann durch Behandlung mit übermangansaurem Kali wieder wohlschmeckend gemacht werden. Man löst zu diesem Zweck in einem Liter recht reinen Wassers etwa 15 Gramm mangansaure« Kali auf. Die Lösung hält sich bei gutem Verschluß der Flasche lange Zeit. Das Fleisch, dem man den üblen Geruch benehmen will, lege man in ein Gefäß, übergieße e« mit ganz reinem Waffer, so daß da« Fleisch gänzlich bedeckt ist, und bringe sodann von der Kalilösung mehrere Tropfen dazu, bis das Wasser eine röthliche Färbung angenommen hat- In diesem Wasser läßt man das Fleisch 10 bis 15 Minuten liegen, wobei dasselbe von außen eine weißliche Farbe annimmt, welche stch indessen beim späteren Kochen oder Braten verliert. Der üble Geruch ist aber vollkommen verschwunden. (Am bekömm­lichsten und der Gesundheit zuträglichsten ist es nach von u s angestellten Versuchen, wenn man das wie oben angegeben zubereitete Fleisch recht sorgfältig wegwirft. Red.)

Hähnchen a la Demidotf. Den Boden einer Kasse­role, in die man ein Stück Butter gelegt hat, bedeckt man mit Möhrchen, klein gehackten Zwiebeln und Petersilie und fügt etwas Thymian und Lorbeer hinzu. Hierauf legt man nun­mehr in Stücke geschnittene Hähnchen, würzt sie mit Pfeffer, Salz und Murcat, bedeckt sie mit Speckscheiben und bringt sie in den Backofen. Sobald die Stücke auf beiden Seiten hübsch braun und völlig gar sind, richtet man sie mit folgender Sauce an: Aus dem in der Kasserole enthaltenen Fette werden Lorbeer und Thymian, sowie der ausgebratene Speck entfernt, worauf man nach Bedarf Weißwein und aufgelösten Liebigs Fleifchextract in gleicher Quantität beifügt und diese Sauce einige Male aufwallen läßt, bis sich alles Jus in der Kasse­role gelöst hat. *

Arbeit im Blumengarten. Veredeln der Rosen aufs schlafende Auge und Pfropfen. Man beschneide, was für eine reichliche künftige Blüthezeit nicht genug empfohlen werden kann, die abgeblühten Rosenzweige recht scharf. Aus­saat von Calceolarten, Cinarien, Stiefmütterchen. Man sammle Sämereien, mache Stecklinge von Heliotrop, Verbenen, Fuchsien und arbeite die Erdmagazine fleißig um-

Rother Johannisbeerliqueur. Rothe Johannis­beeren werden abgebeert und ausgepreßt. Dem Saft setzt man die gleiche Maßmenge Cognac (oder in Ermangelung derselben Kornschnap») zu und versüßt mit gemahlenen Zucker. 5 Auf ein Liter Flüssigkeit rechnet man 175 bis 250 Gramm ! Zucker- Dann wird durch Fließpap^r.filtrirt.

Redaction: I. V.: Hermann Elle. - Druck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei (Pietsch & Scheyda) in Gießen.