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schmähte. Andere, Lucas Kranach, Leonardo de Vinci, haben die schöne Tänzerin gemalt, wie ste das Haupt Johannes des Täufers ihrem Stiefvater bringt, ich will die Verdammte malen, die Salome, die nächtliche, ewig verfluchte, die da tanzen, tanzen muß und nur in der Mitternachtsstunde ruhen darf auf Haselstauden und Eichen, wie es in einem alten Liede heißt."

Er hatte während dieser Reden schon nach Bleistift und Papier gegriffen und begann mit großem Eifer eine Skizze des angstvoll zitternden jungen Weibes zu entwerfen.

So, den Kopf etwas zur Seite geneigt!" befahl er und Isolde gehorchte. Sie befand stch wie in einem Zauberbann, nur verstohlen wagte sie dann und wann einen Blick auf Herbert zu werfen, sie sah, wie seine Wangen sich rötheten, wie feine Augen glänzten ganz wie damals, al« sie im väter­lichen Schlöffe ihm gegenüber saß und ihr loses Spiel mit ihm getrieben; seine Liebe hatte sie damals für ein Nichts geachtet und jetzt hätte sie vor ihm in die Kniee sinken, um seine Liebe betteln mögen und sie würde doch nur wieder seinem kalten, verwunderten Blick begegnen, er würde sie gehen heißen und

Ein Schrei des Entsetzens drängte sich da plötzlich von ihren Lippen; hatte sich denn heute Alles verschworen, ste zu demüthigen, war das nicht Hagen, der da wie angewurzelt in dem Thürrahmen stand, sie mit wilden Blicken fixirend.

Herbert wandte nur einen Moment den Kopf nach dem Freund, dann malte er ruhig weiter.

Isolde hatte sich erhoben, sie wollte fort, fliehen aus dem Bereich dieser Männer, die einst zu ihrer Unterhaltung, zum Spielball ihrer Laune gedient und die sie jetzt Beide haßten, verachteten.

Rur noch einen Moment I" gebot Herbert.Fürchten Sie nichts, Sie stehen hier unter meinem Schutz."

Die junge Frau umklammerte krampfhaft die Lehne eines Stuhls, mit angstvollen Augen von Einem zum Andern blickend. Eine Weile war es todtenstill im Zimmer, Hagen stand immer noch wie eine steinerne Bildsäule in der Thür, die Situation noch nicht recht begreifend. Wie kam diese Frau hierher? fragte er sich, und wie konnte Herbert ste in seiner Nähe dulden, ste malen!

So, Sie find entlasten," sagte dieser jetzt mit einer herablassenden Handbewegung, als wäre er ein Fürst und die Gräfin eine seiner Untergebenen.

Nein, bleiben Sie, schöne Isolde, auch ich habe mit Ihnen abzurechnen I" rief Hagen und trat näher zu ihr heran, sein erregtes Geficht beugte fich dicht über fie.O Du Du Vergifterin meines Lebens," stieß er wild hervor. Warum hast Du mir einst auch Liebe geheuchelt! Warum! Ich frage Dich, warum?"

Isolde war entsetzt zurückgewichen.

Herbert, o, mein Gott, schützen Sie mich vor ihm!" schrie fie auf.

Herbert öffnete die Thür.

Laß fie ziehen," wandte er stch an seinen Freund,fie ist glücklos und elend, ärmer wie Du und ich."

Wie ein gehetztes Wild flog Isolde hinaus, die Treppen hinunter, wohin, wohin, cs war ihr, al« müßte fie flüchten aus der Welt, irgendwo in einem stillen Erdenwinkel Buße thun für den Leichtstnn ihrer Mädchenjahrs.

Glücklos und elend l" tönte e« an ihr Ohr, Pharaildis, getragen von dem Hauch des Johanniskuffes, durch die Lüfte schwebend, hatte er sie nicht so malen wollen? Sie kannte die Sage wohl und alle solche Sagen haben ihre tiefe Bedeutung. Hat e» doch zu allen Zeiten Frauen gegeben, Frauen wie fie, die die Macht ihrer Schönheit Mißbräuchen, bis dann doch einmal die Liebe ste packt, aber zu gleicher Zeit auch die Strafe für ihren Leichtstnn fie ereilt. Sie finden keine Gegen- liebe mehr und nun irren ste glücklos und elend über den Erdboden, immer das Glück suchend, da» ste wohl ahnen, aber niemals finden gleich wie jene Pharaildis der Sage, vom Wirbelwind gefaßt durch die Lüfte schwebt, unselig, ruhelos.

Men auf der Straße hielt «och Isoldens Equipage, ste

warf stch in die weichen Polster derselben und fuhr durch die sonnigen Straßen nach dem Thiergarten, der in voller Früh­lingsschönheit prangte.

Sie sah nichts davon, sah nicht die vielen heiteren, ge­putzten Spaziergänger, die vielleicht mit Neid auf sie schauten, auf die vornehme Frau, deren Fuß den Staub der Straße nicht zu berühren brauchte.

Mit müdem Schritt stieg sie dann die teppichbelegten Treppen in ihrer Wohnung hinauf und trat in ihr blumen- durchdustete» Boudoir.

Glücklos und elend, war er denn wahr? Trotz allem Luxus, der sie umgab, arm und elend I Sie schloß die Augen und träumte von einem bescheidenen Heim, in welchem ein junger Künstler hoffnung-freudig dem Höchsten zustrebte und neben ihm, da schaffte und waltete ein junges, glückliche« Weib. So hätte e« sein können, wenn sie nicht Stand und Reich- thum höher gestellt hätte, al« Herberts Liebe.

Nun, schon zurück von Deiner Mission?" Mit diesen Worten trat Wettern herein in das trauliche Gemach.Wie mir scheint, ist die Enttäuschung auf dem Fuß gefolgt?"

Isolde nickte.Ja, das ist fie, und ich versuche nicht« dergleichen wieder."

Und darf man fragen, wo Du da« Glück gesucht hast?"

Ich war bei Herbert Brand, ich glaubte ihn und seine Kunst für die ideale Schönheit retten zu müssen."

Ah und Du bautest wohl auf seine Jugendschwärmerei für Dich?" unterbrach ihr Gemahl fie lachend.Ich fürchte, Kind, Du hast Dich etwa« lächerlich gemacht und ich begreife nicht, wie Du al« meine Frau auf solchen Unsinn kommen konntest."

Ja, Du, Du hast Dir freilich alle Mühe gegeben, mich zu Dem zu machen, wa« ich nun bin, ein glückloses, elendes Geschöpf!"

Mein Gott, welche Reden, Isolde, ich wehre er Dir ja nicht, wenn Du noch an Glück glaubst, e« überall zu suchen!"

Den Glauben muß man eben an Deiner Seite ver­lieren!"

Den verlieren wir Alle mit den Jahren!"

Und was bleibt uns dann, wenn wir den verloren! Wozu lebt man denn überhaupt, wenn die Jahre und da« Leben uns da« Alles rauben!" rief Isolde im verzweifelte» Ton.

Die Frage hat schon mancher Philosoph aufgeworfen und unbeantwortet gelassen. Die Gläubigen fügen, um uni zu einem besseren Leben vorzuberelten. Vielleicht, Du bist ja ein Weib, versuche es doch einmal mit der Religion, schon manche schöne Büßerin hat darin Trost gefunden."

Ich bitte Dich, spotte nicht über da» Heiligste, was die Menschheit besitzt. Ach, ich wollte, ich wäre fromm, dann würde ich in Gottes Wort Trost suchen. Wer aber an Deiner Seite gelebt, der weiß fich nicht mehr zurückzufinden in die Sphäre der Religion, der Liebe!"

Ein Thränenstrom brach aus ihren Augen.

Ihr Gemahl sah etwas verwundert aus. Isolde in Thränen! Hier war seine Weisheit zu Ende- Doch diese Thränen mußten ihren Grund haben. Was war geschehen? Hatte man fie gekränkt, beleidigt? Das durfte er al» ihr Gemahl nicht dulden.

Hat Brand Dich beleidigt?" fragte er.Dann werde ich ihn aufsuchen, dann soll er mir Rechenschaft geben!"

O nein, nein, er hat mir nur die Augen geöffnet, ich weiß jetzt, was Glück ist, ich habe es einst besessen und mcht geachtet, und nun bin ich eine Verdammte, eine Unselige, eine Pharaildis!" , m.

Du bist einfach exaltirt, ich werde gehen und Dir Deine Jungfer mit einem beruhigenden Getränk schicken. Hem Abend fingt Etelka Gerstner, ich hoffe, Du wirst Dich vir dahin erholt haben, um mich nach der Oper begleiten zu können."

Er ging und Isolde kam im Laufe de» Tage» z« der Einsicht, daß e» da» Beste war, wenn fie Zerstreuung suchte,