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dann persönlich auf die Stube der Alten. Sie war leer, die Kassette verschwunden!
Schreckensbleich eilte er zum Portier. — Jawohl, der alte Diener wäre abgereist, — gleich mit dem ersten Frühzug Der Portier glaube, nach Frankreich.
Vollrath eilte auf sein Zimmer zurück und sank aus einen Stuhl.
War es möglich! Diese treue, alte Seele hatte der Versuchung nicht widerstehen können und war durchgebrannt! Fort, das ganze schöne Geld fort! Und der Glaube an die Menschheit natürlich auch heidi! — O, e« war schrecklich! Vollrath brauchte mehrere Stunden, um sich von diesem Schlage zu erholen.
Endlich sagte er sich, daß Jammern nichts nütze, und daß er am besten thäte, nach Hause zu reisen.
Er setzte sich also hin und schrieb seinem Vater einen aufgeregten ausführlichen Brief. Darauf ging er noch einmal in's Casino, setzte noch einige Goldstücke, verlor sie, und reiste Abends tief bedrückt ab.
Selbstverständlich war die Polizei gleich am frühen Morgen davon in Kenntniß gefetzt worden, aber Vollrath machte sich wenig Hoffnung auf die Ergreifung des alten Sünders.
Als er nach zweitägiger, ununterbrochener Reife aus dem heimathlichen Gute anlangte, wartete seiner eine neue Ueberraschung.
Mit wehenden Tüchern und Blumensträußen standen seine Angehörigen auf der Freitreppe. In ihrer Mitte aber, stolz erhobenen Haupte« — der alte Andreas mit der Kaffette unter dem Arm.
„Hurrah l Hurrah!" schrie die Versammlung, als Vollrath vor fuhr.
Der alte Andreas trat vor.
„Entschuldigen der junge Herr," sagte er bescheiden, - „ich bin vorausgefahren, weil ich Angst wegen dem vielen Gelbe hatte. Hier in Pommern ist es ja wohl sicher — und da ist es nun, junger Herr."
Vollrath platzte halb lachend mit einem fürchterlichen D onnerwetter heraus. Seine Kinderfrau hatte natürlich nur Angst davor gehabt, daß er das ganze Vermögen wieder verspielen würde!
Und hatte Andreas etwa nicht recht gehabt?
Kurze Zeit darauf wurde ein herrliches Pfingstfest mit Verlobung gefeiert. Denn Vollrath hatte dem jungen Trends! Schloß Trauta vor der Rase weggekauft und auf diesem Hintergrund bei dem alten Commerzienrath formell um Karolai Hand geworben.
Und jetzt erhielt er sie, obgleich er so recht eigentlich noch nicht bewiesen hatte, daß er „Geld halten könne."
Das konnte nur der alte Andreas.
Rebaction: S. Schcyda. — Druck und Verlag der Brühl'schen UmversttRS-Bnch- und Steindruckerei (Pietsch & ®($et)ba) in ©kfitn.
Kopfschüttelnd betrachtete Andreas das Gold, dann streckte er die Hand danach aus.
„Halt!" rief Vollrath. „Hände weg! Dies Geld geht Dich durchaus nichts an. Ich werde Nachmittags weiter spielen."
Der Alte sagte nicht» mehr. Innerlich beschloß er, eine dringliche Depesche vom pommerschen Heimathsherd zu veran- laffen, sobald der Spielteufel etwa seinen lieben jungen Herrn zu arg packen würde. , ,,
Vollrath verbrachte einige Stunden in genußrerchem Umherfchlendern auf jenem paradiesischen Fleckchen Erde, welches der Teufel ganz wie zu Evas Zeiten, nur in anderer Gestalt, vergiftet. t „
Schon wollte er tugendhaft an dem Casino vorbeigehen, äls ihm die Mahnung des abgereisten Spieler» einfiel, — heute hatte er Glück — gut, probiren wollte er die Sache noch einmal.
Er ging hinein und setzte sich an den Kartentisch. Gleich der erste Einsatz brachte ihm einen Gewinn. Vollrath lachte hellauf, was ihm das verwunderte Kopsschütteln mehrerer Mitspieler einbrachte, welche mit eiserner Gleichgiltigkeit Gewinn und Verlust trugen.
Er setzte und setzte und wurde immer kühner, während vor ihm kleine Berge von Gold sich anhäuften.
Schon längst hatten sich Zuschauer um ihn gesammelt, und der Croupier sah mit gleichgültigem Lächeln dem ver- gnügten Spiele zu.
Jetzt beschloß Vollrath zehnmal hintereinander Roth zu setzen. Schlag auf Schlag gewann.
„Eine Serie, eine Serie!" flüsterten erregt die Spieler ringsum, während einige sich an Vollrath's Sätzen festklammerten und ihm mechanisch folgten.
Plötzlich ein allgemeiner Aufruhr — die Bank war gesprengt. Das heißt, es mußten neue Geldladungen vom Hauptdepot geholt werden, weil Vollrath alle vorhandenen Mittel gewonnen hatte- , , .
Taumelnd wie ein Betrunkener erhob sich der junge Avisiert.
„Einhundertachtzigtausend Mark hatte er eingestrichen! Welch unerhörtes Glück! — Ah, Karola!" dachte er, „jetzt können wir Hochzeit machen. Mein Gott, welch' unerwarteter Zufall! Morgen spiele ich natürlich weiter! Man muß sein Glück festhalten." ,, , , ..
Der alte Andreas wurde ganz blaß, als sein junger Herr ihm die Haufen Banknoten und Gold zeigte. Eilig holte er die kleine Kassette herbei und schloß mit zitternden Fingern das Geld ein. , , ,
„Für die Nacht nehme ich es mit in mein Zimmer, junger Herr! Das Heidengeld sucht bet mir Keiner, und dem jungen Herrn könne es gar am Ende gestohlen werden."
„Ja ja, nimm's nur," sagte Vollrath. „Morgen bringe ich Dir vielleicht noch solch einen Haufen. Jetzt gieb mir aber wenigstens tausend Mark her, ich will noch soupiren gehen."
„Dazu brauchen doch der junge Herr keine tausend Mark I" rief entrüstet der Alte.
„Kann man nicht wiffen. Donnerwetter, Andreas, mach' mich nicht wüthend, oder ich nehme Dir die ganze Kaffette."
Schweigend, aber mit einem merkwürdigen Ausdruck um die schmalen Lippen, gab Andreas die verlangte Summe hin, und Vollrath begab sich zu einem luxuriösen Seet-Abend- effen, zu welchem er einen dort entdeckten deutschen Bekannten einlud.
Mit schwerem Kopf ging er endlich schlafen und erwachte erst spät am anderen Vormittag.
„Andreas!" rief er, gewohnt, seinen alten Diener vor der Thür zu finden.
Niemand antwortete.
Verwundert kleidete sich Vollrath allein an und ging
Vermischtes.
Alte Bekannte. Ein auffallend elegant gekleideter Herr trifft in einem Badeort eine ebenso auffallend gekleidete junge Dame, die ihm bekannt vorkommt. Er tritt auf sie zu, nimmt nachlässig den Hut ab und näselt: „Aeh — mein Fräulein — mir ist, als hätten wir uns schon einmal gesehen!' — „Stimmt!" ist die resolute Antwort. „Im Hotel Mansch in Wien; — ich war dort Stubenmädchen und Sie — brannten mit der Hotelzeche durch 1"
Cordial. Richter: „Ah, Sie find ja schon ein alter Bekannter! Wir kennen uns schon lange!" — Angeklagter: „Ganz recht, Herr Präsident, was macht denn Ihre liebe Frau?"
Humane Behandlung. Profeffor (zum Studenten): „Wenn Sie zu einem Patienten kommen und er klagt über Kopfschmerzen, was werden Sie zunächst thun?" — Student: „Ihn erst ausklagen taffen!"


