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man, namentlich beim Beginne der Heizung, die Fenster einige Zeit offen stehen, damit noch ein genügender Vorrath an frischer Luft ins Zimmer eindringt. Es wird dies auch bedeutend innen zum ordentlichen „Ziehen" des Feuers beitragen.
Ist die Feuerung erst längere Zeit im Gange, dann kann auch nicht mehr so leicht ein Austritt der höchst giftigen Verbrennungsgase (Kohlenoxydgas) erfolgen. Dieser findet eben statt, wenn es im Ofen nicht ordentlich zieht, wenn die Gase vom Luftzuge nicht sofort in den Schornstein mit fort- geführt werden. Hat freilich der Ofen Risse und Sprünge, so können auch durch diese die giftigen Gase austreten. Daher sollte stets zu Anfang des Winters jeder Ofen daraufhin innen und außen genau untersucht werden.
Ein weiteres sehr wichtiges Vorbeugungsmittel gegen schlechte Zimmerluft ist das tägliche Reinigen der Röhre und Oberfläche des Ofen». Denn besonders bei eisernen Oefen ge< rathen die organischen Substanzen des aufgelagerten Staubes ins Glühen und verbreiten höchst schädliche brenzliche Gase. Ueberhaupt vermeide man in den Zimmern möglichst jede Verstaubung, welche stet» zu heftigem Husten reizt oder schon bestehenden Husten bis zur Unerträglichkeit steigert. In diesem Punkte sündigen namentlich die Dienstmädchen sehr, wenn ste beim Herausnehmrn der Asche mächtige Staubwolken zum Aufwirbeln bringen- Da muß die Hausfrau eine unermüdliche Eontrole ausüben.
Sehr unangenehm, ja geradezu schädlich für den menschlichen Organismus wird die Zimmerluft auch dann, wenn sie einen zu geringen Feuchtigkeitsgehalt besitzt, was bei der erwärmten Btnnenluft oft der Fall ist. Allerdings muß es zunächst merkwürdig erscheinen, daß dieselbe Luft, welche doch draußen feucht genug ist, nun auf einmal, wenn sie ins Zimmer gekommen, zu trocken sein soll. Der Grund liegt darin, daß warme Luft bedeutend mehr Feuchtigkeit aufnimmt al» kalte. Es vermag z. B. ein Tubtkmeter Luft bei —20° C. nur 1,06 Gramm Wasser aufzunehmen, während er bei +20° C. 17,23 Gramm, also fast 17 mal so viel Wasser enthalten kann. Daher trägt es zum Wohlbefinden der Stubeninsassen bei, stets durch Wasserschalen, Springbrunnen, Aquarien , oder durch Bespritzen von Blatt- und Schlingpflanzen der Zimmerlust den genügenden Feuchtigkeitsgehalt zu verschaffen.
Einen weiteren Fehler bei der Heizung begehen nicht Wenige durch ein „Zuviel". Unser Blut hat bekanntlich eine Temperatur von ungefähr 37° C. und verträgt ohne Schaden weder einen höheren noch einen niedrigeren Grad der Erwärmung. Man sollte nun glauben, daß man in einem Zimmer von 37° C sich so recht behaglich fühlen müßte: dem ist jedoch nicht so. Unser Körper ist einmal so eingerichtet, daß er fortwährend eine ziemlich bedeutende Menge Wärme abgeben muß, wenn wir uns behaglich fühlen sollen. In einem Zimmer von 37° C würden wir gewissermaßen in unserer eigenen Wärme umkommen. Man hat nun gefunden, daß ein gesunder Mensch sich am wohlsten befindet bei einer Luft- wärme von ungefähr 18° C. Wer in einem Zimmer von 18° C fröstelt, der ist entweder krank oder er versetzt sich augenblicklich durch Unthätigkeit und Trägheit in einen krankhaften Zustand; in letzterem Falle bedarf es nur einiger Leibesbewegung, einer leichten körperlichen Thättgkeit, um das richtige Gleichgewicht herzustellen. Die Eltern haben daher die Pflicht, darauf zu achten, daß die Zimmer, namentlich diejenigen der Kinder, nie wärmer find als 180 C. Wer den Kindern eine höhere Stubentemperatur verschafft, stimmt dadurch ihre natürliche innere Thätigkeit herab und macht sie träge und schläfrig. Geringere Wärme dagegen erhält sie rege und munter und fördert ihre geistige und körperliche Gesundheit. Ueberhaupt erzeugen Mädchen und Knaben durch regeren Stoffwechsel und schneller pulsire,rdes Blut schon an und für sich mehr Wärme, als sie bei 18° C im Zimmer verlieren. Man darf es ihnen daher nicht als Sonderbarkeit und Laune auslegen, wenn es ihnen zu heiß ist, wo ältere Personen ein Frösteln empfinden. Ste befinden sich wohler
bei einem weit mäßigeren Grad der äußeren Äärme, und man erzeugt ihnen mehr Wohlbehagen, wenn man ste zu Leibesübungen anregt, als wenn man ihnen ein zu «armer Zimmer bereitet. Ander» freilich ist es bei bejahrten Menschen. Im Alter producirt man naturgemäß nicht so viel Wärme, als man bei 18° 0 verliert. Alte Leute frösteln daher bei solcher Temperatur und fühlen sich nur in dickerer Kleidung behaglich, welche die Leibeswärme nicht fortströmen läßt. Aber auch diese sollten sich das Zimmer nie wärmer als 20° C machen, denn sine höhere Temperatur erzeugt zu große Trockenheit der Luft und entzieht der Lunge und dem Blute zu viel Feuchtigkeit, weshalb wir auch im heißen Zimmer größeren Durst haben als im kühlen. Ein Gleiches gilt von solchen Personen, welche ein Lungenleiden haben. Sie em- pfinden in mäßiger Wärme ein Frösteln, weil infolge des Leidens ihr Stoffwechsel behindert ist und sie daher nicht die nöthigs Eigenwärme erzeugen. Durch größere Erwärmung glauben sie sich Wohlbehagen zu bereiten; allein die dadurch hervorgerufene Trockenheit der Luft ist ihrer Lunge höchst schädlich, da sie derselben beim Athmen zu viel Feuchtigkeit entzieht. Ein wärmeres Kleidungsstück ist ihnen zuträglicher als ein wärmeres Zimmer.
Ungefähr ein halbes Jahr lang, den ganzen langen Winter hindurch, sind wir auf unsere geheizten Räume, aus unser Binnenklima, angewiesen. Daher lohnt es sich wohl der Mühe, der Zimmerheizung, diesem so wichtigen Factor sür unser Wohlbefinden, all unsere Aufmerksamkeit zu widmen. Wer in diesem Sinne häusliche Klimakunde treibt, der wird sich durch die kalte Jahreszeit nicht hüstelnd und stubenstech hinschleppen, sondern wird am Ende des Winters sich noch weit mehr gestählt und gekräftigt fühlen, als nach des Sommers erschlaffender Hitze!
Zehn Gesnndheitsregeln beim Lesen und Schreibe».
Von Dr. Otto Gotthilf.
------- (Nachdruck verboten.)
1. Setze dich möglichst in die Nähe de« Fensters (der Lampe) und zwar so, daß du das Licht stets von der linken Seite her bekommst.
2. Das Auge sei immer 35 cm von der Schrift entfernt; kann das Auge in dieser Entfernung nicht deutlich sehen, so muß der Arzt eine Brille verordnen.
3. Der Stuhl sei so hoch, daß du bei gebeugtem, aber am Körper anliegenden Arm mit dem Ellenbogen gerade die Tischplatte berührst.
4. Da die gewöhnlichen Stühle für Kinder meist zu niedrig sind, ist es nöthig, den Sitz des Stuhles zu erhöhen. Es geschieht dies am besten durch ein Lederkissen, welches auf dem Sitz befestigt wird.
5. Beim Sitzen müssen deine Füße mit der ganzen Sohle ren Fußboden berühren; ist dies nicht der Fall, so stelle eine breite Fußbank unter.
6. Setze Dich so auf den Stuhl, daß die Brust parallel mit der Tischkante ist, und lege den unteren Theil de» Rückens (vas Kreuz) während des Schreibens an die Lehne.
7. Da die gewöhnlichen Stühle für Kinder meist zu ief sind, so mußt du auch an der Rückenlehne ein Kissen befestigen.
8. Rücke den Stuhl so weit unter den Tisch, daß seine Kante noch 5 cm unter der Kante des Tisches steht. Der Arbeitstisch soll nie rund sein.
9. Die Ellenbogen müssen beim Schreiben dem Körper als Stütze dienen, lege sie daher am Körper an.
10. Das Buch lege immer mitten vor den Körper.
gledaction: A. Scheyda. — Druck und Verlag der Brühl'schm UniverfiKts-Buch- und Steindruckerei (Pietsch & Scheyda) in Gießen.


