Ausgabe 
22.10.1896
 
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Ihr seid in meiner Gewalt," unterbrach sie ihn,ein Fluchtversuch und Ihr seid ein tobtet Mann. - Doch sollt Ihr gerettet werden, wenn Ihr mir folgt, ich bringe Euch in ein Versteck. Nehmt Eure Leuchte und geht voran zur Hausthür."

Catton gehorchte. Ebbs Regina nahm einen Schlüssel, der im Schlafzimmer an einem Haken hing. Es war des Onkels Haupifchlüssel. Sie ließ den Verbrecher mit der Laterne vorangehen.

.Nach der Grotte!" befahl sie leise.

Der wilde Joe Catton gehorchte willenlos, sie hätte, wie es schien, auch ohne Waffe ihn bezwungen.

Als sie die Grotte betraten, mußte er auf ihr Geheiß die Blende der Laterne schließen. In diesem Augenblick öffnete sich geräuschloß die Wand der Eremitage.

Licht!" befahl sie gebieterisch. Er gehorchte.

Tretet dort ein, das Versteck ist sicher," fuhr sie fort. Memme! es ist nur eine Puppe!"

Catton hatte bei dem Anblick des Eremiten einen ent« setzten Schrei ausgestoßen. Ebba Regina lachte verächtlich.

Ich komme gleich noch einmal wieder, um Euch eine Flasche Wein zu bringen. Vor Tagesanbruch sollt Ihr Geld haben, verfolgt werdet Ihr nicht, dafür sorge ich."

Joe Catton murmelte etwas, das .rote Dank klang, es konnte aber auch ein Fluch gewesen sein. Er grollte und bewunderte die Lady in einem Athemzug, welch' ein Esel war John Alting doch gewesen, sein Pferd zu mißhandeln und mit einem Schlage Alles zu verlieren.

Ein solches Weib!" murmelte er vor sich hin.

Ebba Regina kehrte erst nach einer geraumen Weile zurück. Sie schob ein Körbchen mit Wein, Fleisch und Brod durch die nur spaltweise geöffnete Wand, die sich ^geräuschlos wieder schloß und war lautlos verschwunden.

Der Arzt, der soeben mit dem Verbinden des verletzten Onkels fertig geworden war, erklärte die Wunde für unge« fährlich. Er war ganz entsetzt von diesem nächtlichen lieber» soll und fand es unverzeihlich von Melwig, daß er den Räuber hatte entkommen lassen-

So ein Erzbandit," zeterte er,die Todtenwache bei seinem armen Herrn zu benutzen, um eine solche schändliche That auszuführen, Himmel!" fetzte er erschreckt hinzu,wer kann wissen, ob er nicht auch bei diesem Unglück seine ver­ruchte Hand im Spiel gehabt hat"

Nein," et klärte Ebba Regina bestimmt,das ist nicht der Fall, und zwar schon deshalb nicht, weil er keinen Nutzen davon hatte. Im Gegentheil I",

Gleichviel, ich traue einem solchen Menschen Alles zu," beharrte der Arzt.Nehmen Sie sich in Acht, Herr Melwig, der ist im Stande, Ihnen den rothen Hahn aufs Dach zu setzen."

Letzterer warf einen besorgten Blick zu der Nichte hinüber, die unmerklich den Kopf schüttelte.

Beruhigen Sie sich, Herr Doctor" sagte er dann,der Bursche ist zu klug, um sich hier wieder in die Nähe zu wagen. Legen Sie sich noch einige Stunden nieder- Mem Diener wird Sie rechtzeitig wecken-"

Er entfernte sich mit der Nichte, die ihm auf sein Zimmer folgte, wo beide noch eine lange, geheime Unterredung mit einander hatten.

Harald Römhild war mit einem Secundanten und einem jungen Mediciner, worauf jener fest bestanden hatte, bereits am Grenzteich, als der Arzt, der nach der Station fuhr, dort eintraf.

Mit feierlichem Ernste überbrachte' er die Trauerbotschaft, die besonders auf den jungen Römhild einen fast lähmenden Eindruck machte.

Gott hat unsere Sache im Voraus entschieden," sprach er endlich mit einem tiefen Athernzuge, den Hut wie zum Gebete abnehmend und still vor sich hlnbllckend.

Wenn Sie die Güte haben möchten, die Familie zu be­nachrichtigen," begann der Arzt nach einer Weile aufs Neue, Herr Melwig läßt sehr darum bitten, da ich mich beeilen,

um früh genug nach der Station zu kommen. Die Leiche wird von Altlnghof aus wohl abgeholt werden."

Ich werde selber dorthin fahren und das Nöthige veranlassen," erwiderte Römhild,"Sie wissen doch, daß der alte Herr Baron krank im Forsthause liegt?"

Jawohl, wenn Sie es der Baronesse und dem Arzte mittheilen, das wird genügend sein- Sehen Sie nur, meine Herren, dies wird hier die Stells fein, wo das Unglück ge­schehen ist. Das Pferd muß durch den Teich geschwommen sein und ihn dann abgeworfen haben, einen solchen Reiter! Sehen Sie, das wird hier der Stein gewesen fein, der seinen Tod veranlaßt hat- Richtig, er ist ganz blutig und auch der grüne Rasen ist mit Blut getränkt."

Schwelgend betrachteten Römhild und sein Freund diesen Schlußstein eines abenteuerlichen Lebens, das auch Ihnen verhängnißvoll geworden, während der Mediciner, ein Student im achten Semester, der bei dem Secundanten zum Besuch war und mit denDuell-Kisten", wie er zu dem Herrn Collegen sagte, hinreichend bekannt war, sich halblaut mit diesem über die Todeswunde des Herrn von Alting unterhielt.

Was ich noch sagen wollte, meine Herren," bemerkte der Arzt, als er schon Abschied genommen hatte,ein Unglück kommt selten allein, hören Sie zu."

Er erzählte nun in Kürze von dem Uebecfall in Linden« Hagen abselten des amerikanischen Dieners, der glücklich ent­kommen fei.

Bedenken Sie wohl, meine Herren," setzte er, den rechten Fuß bereits auf dem Wagentritt, noch eiligst hinzu,dieser amerikanische Räuber war im Grunde der einzige Zeuge von der ersten Auffindung des Verunglückten und den hat Herr Melwig ohne jegliche Verfolgung ruhig entkommen lassen. Ich wünfche Ihnen einen guten Morgen, meine Herren!"

Die Herren lüfteten die Hüte und sahen dem davon- rollenden Wagen nach.

Alle Wetter," meinte der Mediciner,das ist nicht an­genehm, einen solchen Räuberhauptmann in dieser Gegend zu wissen. Da heißt es, aus der Wacht sein!"

Harald Römhild nickte gedankenvoll und blickte seinen Freund an. Der L bende mochte ihnen noch immer ungefähr­licher erscheinen, als fein tobtet Herr es gewesen roari

Nach AltinAofl" rief er dem Kutscher zu, als sie ihren Wagen bestiegen. Jedenfalls fuhren Harald und sein Freund leichteren Herzens von bannen, als sie gekommen waren.

(Schluß folgt.)

Wodurch wird die Zimmerluft beim Heizen verdorben?

Von Dr. Hans Fröhlich.

------- (Nachdruck verboten.)

Wenn das Fsuerungsmaterial im Ofen ordentlich brennt, wenn der Ofen genügendzieht", so findet fortwährend eine so starke Luftaufnahme von der Stube her durch die Ofen« thüre statt, daß z. B. die Flamme eines vor die Oeffnungen der Ofenthüre gehaltenen brennenden Streichholzes weit hinein- gezogen wird. Dieser stundenlange mächtige Luftverbrauch muß natürlich durch die Stubenluft ersetzt werden, und diese be­zieht ihren Bedarf von außen durch Fußboden, Thüren und Fenster. In dem Zwifchendeckmaterlal unserer bekanntlich sehr undichten Fußböden häuft sich nun aber allmählich eine große Menge Schmutz an, welcher sich von Jahr zu Jahr vermehrt: Es enlroicksln sich darin verschiedene Gährungs- und Fäulniß- prozeffe, reichlich unterhalten durch das eindringende Schmutz« wasser vom Scheuern und durch dis Exkremente von Mäusen und anderem Ungeziefer. Strömt nun die Luft durch solch einen verpesteten Fußboden, so wird sie natürlich bedeutend verunreinigt. Auch durch die Thüren bringt nur sehr selten wirklich reine Luft ein, ba sie aus den Hausflur münden, welcher meist den Sammelpunkt aller Gerüche aus Küche, Kammer und Klofet bildet. Die einzig rationelle Lüftung kann also nur durch geöffnete Fenster geschehen. Daher lasse