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Dienstag dm 21. April
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Dennoch.
Erzählung von Franz Eugen.
(Schluß.)
„Vater," sagte Lisbeth leise, „der Frieder ist frei gekommen."
Widmer sah sie mit einem finsteren Blick an; er hatte gestern gehört, daß der Landesherr eine Amnestie erlassen, ihre Nachricht kam ihm also nicht unerwartet, aber sehr unerwünscht.
„Er ist hier," fuhr Lisbeth fort.
Der Bauer zog die Stirn in zornige Falten.
„So soll er machen, daß er wieder fort kommt; äuf dem Birkenhof ist kein Platz für einen entlassenen Zuchthäusler."
Bei den harten Worten zuckle Lisbeth zusammen-
„Er begehrt auch keinen Platz in Eurem Haus, Vater, er geht nach Amerika."
„Das ist verständig," nickte Widmer.
„Ich und das Kind gehen mit ihm," sagte Lisbeth mit fester Entschlossenheit.
Der Bauer starrte sie wie betäubt an, als sei ein Blitz vor ihm niedergefahren.
„So hart es mir wird, von Euch zu scheiden, Vater, ich verlasse den Frieder nicht . . ."
„Bist Du toll geworden?" donnerte jetzt der Bauer. „Du bleibst hier, ich will dem Frieder ein Stück Geld geben, daß er drüben was anfangen kann."
„Gr nimmt kein Geld von Euch," fiel Lisbeth -ein, „er will nur, was ihm gehört, sein Weib und Kind.' Und ich weiß, was meine Pflicht ist, ich habe vor Gott gelobt, ihm treu zu sein in guten und bösen Tagen, und das will ich halten."
„Du gehst in's Elend mit dem Frieder, Du undankbare, ungehorsame Tochter I"
„Und ging ich in den sicheren Tod, ich verlasse ihn nicht!"
Des Bauern Brust arbeitete heftig; Röthe und Bläffe wechselten auf seinem Gesicht.
t »So geh'," stieß er keuchend hervor, „aber laß mir das Kind!"
„Ich kann nicht, es ist Frieders Kind! ... Um Gott, Vater, flucht mir nicht zum zweiten Mal!" schrie sie nützlich auf und sank auf ihre Kniee, als sie sah, wie die Adern auf Widmers Stirn schwollen und seine Augen funkelten. „Euer Fluch hat sich an uns so schrecklich erfüllt."
Der Bauer blickte sie einen Moment schweigend an, seine Lippen zuckten, aber ohne ein Wort zu sprechen, stand er auf und ging in seine Kammer, deren Thür er dröhnend hinter sich zuschlug. —
Zehn Minuten später stand Lisbeth, ein Bündel tragend und ihren Knaben an der Hand führend, vor Frieder.
„Du kommst wirklich?" sagte er und zog, Thränen im Auge, das Kind an seine Brust und drückte es heftig, , a »Das ist ja der Vater, für den Du jeden Abend gebetet hast, sagte Lisbeth, als der Knabe, vor dem fremden Mann sich fürchtend, zu weinen begann.
„Ich will nach Haus, ich will zum Großvater," schluchzt« der kleine Peter, ließ es sich aber doch gefallen, daß Frieder ihn auf den Arm nahm.
„Wo gehen wir jetzt hin?" wandte dieser sich an Lisbeth. „Steht unser kleines Häuschen noch?"
„Gewiß, aber es wohnen Andere darin, der Vater hat es gleich verkaufen laffen und das Geld für den Jungen in einem Staatspapier gut angelegt, die Zinsen habe ich jedes Jahr aufgehoben, die Obligation und das Geld steckt in dem Bündel hier, es wird zur Ueberfahrt für mich und das Kind reichen und drüben noch ein Nothpfennig uns bleiben. Komm' jetzt, der Weg zur Stadt ist nicht zu weit für den Buben, er kann ihn laufen, wir bleiben dann dort über Nacht und morgen fahren wir weiter."
„Lisbeth, wird es Dich auch nicht gereuen, daß Du die Heimath und den Vater um mich verläßt und vielleicht mit mir in Noth und Elend gehst?" fragte er zagend.
„Nein," sagte sie, die Lippen fest aufeinanderpressend, „ich gehöre zu Dir. Aber sprich jetzt nicht von meinem Vater es war eine böse Stunde, die ich eben durchlebt!"
Wieder waren viele Jahre vergangen. Der Birkenhofbauer hatte nach Lisbeths Weggang dem Sohn den Hof über-


