Ausgabe 
21.1.1896
 
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Hts nach links : offenbar ver- tte. Der Post­um war schon

den Brief zu i hier in aller t lesen und zu

den zahlreich meinte Offerte sehr ver­kürz genug," Sie uns des« nnäherung an­geben soll, dar luf der lieber* )et sein muß. und mein 93er« heirathen, der 3eben sein soll, , mir imponirt >e zu heucheln, : luch nicht schön , mein Freund richtig, ob Ihr en Briefwechsel

velcher mit der ; desselben nahm i Seele in das ! sollte sich mit L Ehrenhaftigkeit einer Null zur > rann war nicht sissensfrage ab« die volle Liebe sofort, der ehr- : chtige Antwort

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er.Ich will . lfrichtiger Hoch-

Vielleicht wäre für uns Beide ath meinerseits verloren haben mein Herz nicht sig davon Besitz atz dafür bieten stmathlosen ein nicht, da seine durch eine Lüge rief rasch in ein

Couvert und wollte ihn mit der Chiffre 777 adkesstren, als er stutzend einhielt.

Postlagernd Wien? Was zum Kuckuck bedeutet das? Ist sie hier in der Stadt oder das Ganze nur Spiegel­fechterei? Vielleicht gar"

Seine Augen blickten starr und drohend vor sich hin, er dachte an feinen Feind, den perfiden Klingsberg. Sollte dieser vielleicht seine Hand dabei im Spiel haben, um ihm schließlich noch den letzten Stoß zu versetzen, ihn der Lächerlichkeit preis« zugeben?

Otto Waldmann athmete schwer. Er studirte die Schrift­züge der unbekannten Schreiberin, welche offenbar von »er« stellt» Hand herrührten. Weshalb denn das? Immer sicherer schien er seiner Sache zu werden, denn schien es nicht so, als ob ste ihn kenne? Es war kein Zweifel, man hatte ihm mit dem verlockenden Inserat eine Falle gestellt und dieser ehrliche Brief war die zweite, in welche er um ein Haar wieder hineingegangen war. Er wollte die Briefe in wildem Zorn zerreißen, besann stch aber noch und schob beide in seine Brusttasche.

Daß seine Stimmung nach diesem fürchterlichen Verdachte noch viel düsterer und menschenfeindlicher wurde, ist natürlich. Er ließ stch sein Mittagessen aus's Zimmer bringen, berührte es aber kaum und verließ nach einer Stunde, die er im ein­samen Grübeln verbracht, aus's neue den Gasthof, um sich wieder nach dem Postgebäude, wo ihm vorhin der Brief aus­gehändigt worben war, zu begeben. Zufällig traf er bett freundlichen Secretär ganz allein hinter feinem Schalter.

Möchten Sie die Güte haben, mir eins Frage zu be­antworten, Herr Secretär?" begann er höflich.

Fragen'» nur immer zu, kann mich halt grab' ein biffel verschnaufen," meinte ber Secretär schmunzelnd.

Hat vielleicht Jemand in diesen letzten vierzehn Tagen nach einem post-restante-S8rief unter der Chiffre 777 gefragt?"

Der Secretär strich sich nachdenklich da» Kinn und schüttelte den Kopf.

Wsi's wirkli nit, schaun's, was tüt Alles post restante hier liegt, da kann man sich nicht aus's Einzelne besinnen. Am End' woi's mein College von der Chiffre, wie war's, 777?"

Waldmann bejahte.

Der freundliche Beamte winkte einem College», welcher im Begriff stand, das Zimmer zu verlassen, und legte ihm die Frage vor.

Na, gewiß, und noch dazu ein bildsauberes Madel war's, ist, wie ich mein', schon mehrmals hier geweßt, um nach 777 zu fragen, war aber allemal nix da und 's schien sich auch nicht darüber zu grämen."

Waldmann dankte und ging. Draußen überlegte er, ob sein Argwohn doch vielleicht ungerecht sei, zumal sein Feind mit seiner Entlaffung im Grunde ja seinen Zweck erreicht hatte. Er war ja doch nun einmal auf das Inserat hineingefallen, so mochte das Verderben denn mit diesem Schreiben, das ihn in einem gewissen Sinne rehabilitirte, seinen Abschluß erhalten, da ihm im Grunde augenblicklich Alles gleichgiltig erschien. Kurz entschlossen warf er seinen Brief in den Kasten und eilte mit raschen Schritten davon, als ob er ein Verbrechen be­gangen und die Häscher auf der Ferse habe.

Ruhelos schweifte der arme Heimathlose, denn da» war er jetzt noch in der That, in der großen, fremden Stadt umher, bis er beim Lampenlicht vor jenem Institute sich be­fand, in welchem sie lebte und wirkte und sich als Lehrerin ihr Brod verdiente. Hatte sie ihm nicht ein Gleiches gerathen, wenn seine Hoffnung auf die militärische Carriere fehlschlagen sollte? Und konnte er stch alsdann nicht einen eigenen Herd gründen und das Glück mit fester Hand ergreifen, das ihm als armer Offizier für immer unerreichbar blieb? Wie ein Fieber ergriff ihn dieser Gedanke, der Wunsch, daß man ihm den Eintritt in die österreichische Armee versagen möge, wurde in ihm lebendig und eine schier unbezwingliche Gewalt trieb ihn hinüber in jene» Haus, hin zu ihr, um

einen Entschluß ihr mitzutheilen und mit einem Schlage die »rücke hinter stch abzubrechen.

Scho« stand er im Begriff, zu klingeln, al» ihm ihr Verbot wieder einfiel und ihre Stimme ihm in'» Ohr zu raunen schien:Arm zu arm giebt al« Fazit: Null, der Reichthum ihr erst die rechte Bedeutung."

Er blickte verstört zur Seite und eilte dann, als dis Thür von innen geöffnet wurde, im Geschwindschritt davon.

Wenn mich Han» Rosenau hier sehen könnte," dachte er, ingrimmig vor sich hinlachend,würde sich wundern über den Ausreißer, der sich durch ein paar Mädchenaugen, durch sie Weisheit einer Schulmeisterin"

Er sprang erschreckt zur Seite, weil er im Hand­umdrehen von einem um die Ecke biegenden Fiaker angerannt worden wäre. Zwei Damen saßen darin, von welchen die eine sich jetzt vorneigte, weil der Kutscher die Pferde anhielt. Im Hellen Gaslicht glaubte er Cäciliens Antlitz zu erkennen, war ste es wirklich oder sah er überall nur ihr Bild? Den Hut in die Stirn ziehend, entfernte er sich rasch und durcheilte planlos mehrere Straßen, bis er endlich anhielt, um sich nach seinem Gasthof zurechtzufragen.

Hier angelangt, sagte ihm der Kellner, daß ein Schreiben ür ihn abgegeben sei und oben auf seinem Zimmer liege. Ein plötzlicher Schreck durchfuhr ihn, gewiß war's die Ent­scheidung der Militärbehörde er stieg langsam die Treppe hinauf und wunderte stch, wie das Unglück den Menschen so verzagt und schreckhaft machen könne.

Der Kellner folgte ihm mit der brennenden Lampe, die er au? den Tisch stellte. Waldmann sah mit einem Blick, daß seine Ahnung richtig gewesen, die Entscheidung über seine Zu­kunft angekommen sei.

Als der dienstbare Geist sich entfernt hatte, öffnete er das große Couvert, zog den zusammengefalteten Bogen heraus und schlug ihn mit zitternden Händen auseinander. Er ent« hielt nur wenige Zeilen und doch gebrauchte er lange Zeit, bis er sie gelesen hatte. Sein Gesuch war abgeschlagen worden und zwar ohne jegliche Begründung. Das Couvert enthielt außerdem noch seinen Abschied, da» ehrenvolle Zeugniß seiner militärischen Tüchtigkeit, welches er natürlich dem Ge­such hatte beifügen müssen. Laut aufächzend, wie von einem tödtliche» Schlage getroffen, sank der Unglückliche auf einen Stuhl, beide Hände vor'» Antlitz pressend, um die Thränen zu verbergen, die sich gewaltsam hervordrängten.

Lange, lange saß er so, von der Verzweiflung übermannt, bis er sich endlich mit einem Ruck aufrichtete, den unmänn­lichen Schmerz abschüttelte und mit der Vernunft zu Rathe ging. E» war für ihn keine Kleinigkeit, einem Berufe zu entsagen, der mit ihm von Kindesbeine» an verwachsen war. Mit der Uniform auch zugleich sein eigenes Ich auszuzieh-n, mit neuen, unbekannten Factoren des Lebens zu rechnen und wie ein Lehrling von vorn anzufange» mit dem A-B-C einer anderen Berussthätigkeit, das war sein Loos von nun an. Wenn er nur die Mittel zur Auswanderung besäße, dort unten in Südamerika lagen die verschiedenen Republtken sich ja fortwährend in den Haaren und mußten sicherlich froh sein, tüchtige Anführer zu bekommen. Gewiß hatte man sich von hier an die Militärbehörde seiner früheren Garnisonstadt ge­wandt, um sich genauer über ihn zu informiren und man hatte dort nicht unterlassen, ihm feine fernere Sintere ab­zuschneiden.

Er unterdrückte jede nutzlose Erbitterung und sann, da er nun einmal das Geld zur Auswanderung nicht besaß, darüber nach, was nun zu machen sei. Hier in Wien bleiben, wo sie weilte, unter ihren Augen vielleicht von Stufe zu Stufe sinken ihn fröstelte bei dem Gedanke». Nein, dann lieber sein Glück an einem anderen Ort versuchen. Schreiben mußte er ihr aber doch, das hatte er versprochen, so mochte e» denn sogleich geschehen, da er schon morgen Wien im Rücken haben wollte, vielleicht reichte fein Geld bis nach Konstantinopel, der Türks würde am Ende seinen Abschied ohne jede Nachforschung respectiren.

Unverweilt setzte er sich hi», um zwei Briefe zu schreiben,