Ausgabe 
20.8.1896
 
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verziert. In stolzer Haltung, mich gemessen, aber durchaus nicht unfreundlich, grüßend, galoppirten die Lesghier an mir und meinem Begleiter vorbei, allen voraus ein kühnblickender Jüngling in besonders reicher Tracht und auffallend vor» «ehmer Haltung.

Ich schloß mich den letzten der fremden Reiter an', und da mir der kürinische Dtaleet der lesghischen Sprache einiger­maßen geläufig war, so gelang mir rasch eine leidliche Ver­ständigung mit denselben. Zu meinem nicht geringen Er­staunen erfuhr ich jetzt von den neben mir hintrabenden

Lesghiern, daß der stolze Jüngling an der Sitze der stattlichen

Cavalkade Niemand anders al« der älteste Sohn Turak Beys, Jasstsch Suleiman war, der sich nach langem Fernsein vom väterlichen Aul auf der Heimkehr zu letzterem befand. Die Reiter, die ihn ^begleiteten, waren Usden Edelleute, aus Balachulgho und aus den benachbarten Auls und holten nun nach alter tscherkessischer Sitte den Sohn ihres Fürsten oder Häuptlings bei der Heimkehr nach dem Vaterhaus ein. Kaum hatte ich mich als feinen Freundj Turak Beys zu er­kennen gegeben, so sprengte einer der Reiter mit verhängten Zügeln nach der Spitze desjZuges, um Jasstsch Suleiman die soeben erhaltene Nachricht zu übermitteln. Der junge Fürstensohn, der ein gutes Stück Weg uns Anderen voraus­geeilt war, erwartete mich an einer Biegung der einfachen Straße und begrüßte mich, meinen Namen nennend, mit ungezwungener Herzlichkeit, versichernd, er kenne mich bereits aus den Mitthellungen seines Vaters. In seiner Gesellschaft legte ich den noch übrigen Thetl de» Weges nach Balachulgho in angeregtem Gespräch zurück:

Hierbei will ich eiuschalten, daß bei den vornehmen Tscherkeffen - Familien theilweise noch heute der Brauch be­steht, daß die Söhne gewöhnlich schon im zarten Kindesalter aus dem Hause gegeben und einem Erzieher, dem Atalik, der ost in einem ganz entfernten Theil des Kaukasus wohnt, anvertraut werden. Der Atalik braucht keineswegs aus an­gesehenem Hause zu stammen, aber er muß körperliche und geistige Vorzüge aufwetsen und namentlich in den ritterlichen Uebungen der tscherkessischen Stämme ein Meister sein. Wenn der Atalik das Werk der Erziehung bei dem ihm übergebenen Jüngling für vollendet hält, so bringt !er den­selben dann nach dem väterlichen Aul zurück, während die Verwandten und Bekannten der Familie den Heimkehrenden unterwegs jubelndeinholeu."

So war es auch mit Jesstsch Soliman geschehen, und getreulich hielt sich sein Atalik, eine krastvolle Männergestalt mit ungemein ausdrucksvollen Zügen, immer dicht hinter seinem bisherigen Pflegebefohlenen, erlischt doch auch die Verantwortlichkeit des Atalik« für seinen Zögling erst in dem Moment, in welchem derselbe wiederum die Schwelle des väterlichen Heims überschreitet. Der wettere Weg nach Balachulgho wurde ohne irgend welchen Zwischenfall zurück­gelegt Schier wie im Triumph ritt unsere Gesellschaft in den Aul ein, von dem Freudengeschrei der zusammenströmenden Bewohnerschaft, von lärmender Musik und den obligaten Freudenschüffen empfangen. Vor dem Hause Turak Beys stand bereits der Fürst, seinen Sohn erwartend und ihn nun mit fichtltchem Stolz begrüßend; der Empfang des Atalik durch den Herrn des Hauses trug einen sehr ausgezeichneten Character. Ich hatte mich zuletzt etwas im Hintergrund gehalten, aber jetzt entdeckte mich der Adlerblick Turak Beys, in seinen kühngeschnittenen Zügen spiegelte stch freudiges Erstaunen wieder, und rasch winkte er mich zu sich heran, mir kräftig die Hand schüttelnd und ungekünstelt seine Genug- thuunz über mein unvermuthetes Erscheinen in dem Aul Ausdruck verleihend.

Nachdem ich in dem Hause Turak Beys zunächst ein Bad genommen, begann das Festmahl anläßlich der glücklichen Heimkehr Jesstsch Solimans, welches für die vornehmeren Gäste und die Verwandten der Familie des Hausherrn in einem großen Saale zu ebener Erde vor stch ging, während die geringen Gäste, zu denen auch Freund Iwan zählte, an laugen einfachen Tischen vor dem Hause gespeist wurden.

Unser Mahl bestand aus zahlreichen, sehr schmackhaft zube­reiteten Fleischgerichten, welche m>t süßen Speisen abwechselten, dazu wurden Scherbet und andere kühle Getränke getrunken, gegen Schluß der Tafel reichten die Diener den starken Thee in vergoldeten Miniaturtaffen herum.

Nach dem Essen wurde bi» zum Abend geruht, dann holte mich Jesstsch Soliman aus dem Gemach, das mir an­gewiesen worden war, zu einem mir ganz neuen Schauspiele ab, das im Vorhause alsbald in Scene ging. Hier war eine nach europäischen Begriffen allerdings sehr anspruchslose Musikcapelle aufgestellt, bestehend aus zwei Flötenspielern Dudukys und zwei Männern, welche mit dünnen Stöckchen auf einem von einem anderen Manne gehaltene kleine Pauke, den Dimeplipito, schlugen. Auf dem Teppich aber, der die Mitte de» Estrich» bedeckte, producirten sich drei persische Bajaderen, ein dichtgedrängter Zuschauerkceis umgab dieselben; die ganze Scene wurde durch auf Stöcken getragene Lampen erleuchtet. Die drei Bajaderen waren in kostbare Gewändter gekleidete, die langen golddurchwirkten Schleier und die langen Gewänder aus weißer Seide gaben ihnen fast das Aussehen von Vestalinnen. Alle drei tanzten mit außerordentlicher Anmuth und Grazie nach dem Rythmus eines eigenthümlichen halblauten Gesanges der drei Tanzenden und beschrieben hierbei die elegantesten Drehungen und Wendungen, dabei in allen ihren Bewegungen eine bemerkenswerthe Decenz be­obachtend. Als der Tanz beendet war, warf Turak Bey den Perserinnen einige Geldstücke zu, auch die anderen Zu­schauer kargten nicht mit klingenden Zeichen der Anerkennung.

Am folgenden Tage verließ ich mit Iwan wieder die gastliche Stätte, obwohl Burak Bey meine Wiederabretse durchaus noch nicht zugeben wollte. Indessen Soliman ließ es sich jedoch nicht nehmen, mir bis zu der Eisenbahnstation, von welcher ich meine Reise fortzusetzen gedachte, dar Geleits zu geben. _____________

Gemeinnütziger.

Ernts und Aufbewahrung des Sommer­obstes. Wir haben hier vor allem die gegenwärtig in vielen Gärten in großer Menge zur Reife kommenden Sommer­und frühen Herbstbirnen vor Augen, welche einmal reif ge­worden, rasch dem Verderben unterliegen und zu keiner Ver- werthung gelangen: es empfiehlt sich daher, dieselben, wenn sie für den Markt oder anderweitige Verwendung bestimmt find, vor ihrer vollen Baumreife, also beim Beginne ihrer Färbung, zu pflücken, sie in kühlen Räumen aufzubewahren und nachreifen zu lassen, wodurch insbesondere da« häufige Mehligwerden, infolgedessen der Wohlgeschmack bedeutend leidet, verhindert wird. Die meisten Sommerbirnen erhalten' sogar bei der Nachreife in der Obstkammer erst die volle Aus­bildung ihres Wohlgeschmackes; eine Ausnahme hiervon macht nur die bekannte Salzburger Birne, die am jBaume fast vollkommen gelb geworden, an Wohlgeschmack bedeutend ge­winnt-

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Woran lassen sich giftige Pilze erkennen? Von Kennzeichen, welche den Verdacht der Giftigkeit erwecken, können nur zwei berücksichtigt werden: Pilze, deren Fleisch nach dem Brechen unter Zutritt der Luft alsbald blau wird, sind zu meiden, ebenso solche, deren Fleisch blasig und schwammig ist. Ein zweites Kennzeichen ist folgendes. Wenn die nach Entfernung der Schale mit einem goldenen Ring geriebene Stelle gelb oder bräunlich erscheint, so ist der Pilz verdächtig. Eßbare Pilze haben derbes Fleisch und die Äruchfläche behält ihre natürlichere Farbe.

Einfluß der Todesart auf die Haltbarkeit der Fische. Es ist für die Conservirung der Speisefische nicht gleichgiltig, ob man dieselben, wie so vielfach geschieht, außer Wasser einfach ersticken läßt, oder ob man ihnen durch einen Schlag auf den Kopf da» Gehirn zertrümmert. Er-