Ausgabe 
20.8.1896
 
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stickte Fische gehen früher und schneller in Fäulntß über als abgeschlachtete. Was das Abschlachten der Fische betrifft, so ist die holländische Sitte die beste, weil man dort die Thiere nie langsam zu Tode quält, sondern sie schlachtet und dadurch nicht allein die Fischspeise gesund und ihrem Werth ange­messen zu erhalten sucht, sondern auch zugleich einen Act der Humanität ausübt. In Holland trennt man mit einem scharfen Messer mittelst eines einzigen tiefen Schnittes das Gehirn vom Rückgrat, wodurch man den Fisch sofort tödtet. Die Vorzüglichkeit, welche den holländischen Fischspeisen nach­gerühmt wird, dürfte damit zusammenhängen.

Reinigung gebrauchter Rothweinflaschen. Eine der größten Unanehmlichkeiten für Weir Händler und Wein- consumenten besteht in der Schwierigkeit, den durch eine un­lösliche Verbindung gewisser Extractivstoffe des Weines mit dem Farbstoffe desselben bei längerem Lagern sich bildenden Belag der Flaschenwandungen zu entfernen, da in den meisten Fällen der zu einer mechanifchen Reinigung erforderliche Zeit­aufwand nicht durch den Werth der Flasche ausgewogen wird und die Anwendung auflösender chemischer Mittel nur von mangelhaftem Erfolge begleitet ist. Eine schnelle und gründ­liche Reinigung der beschlagenen Flaschen kann daher allein durch vollständige Zerstörung der fraglichen Substanz bewirkt werden. Am leichtesten und wohlfeilsten geschieht dies durch Verdunstung von Salpetersäure, doch muß hierbei mit Vor­sicht verfahren werden, da andernfalls Hände und Kleider empfindliche Beschädigungen erleiden können. Man füllt mit Hülfe eines Glastrichters die Flasche mit der genannten Säure, gießt hierauf den Inhalt derselben in eine zweite, dann aus dieser in eine dritte Flasche und so fort, so daß sämmtliche Flaschen auf ihrer gesammten Innenfläche mit Salpetersäure benetzt werden, worauf man ste mindestens vier­undzwanzig Stunden lang stehen läßt und schließlich mehr­mals mit Wasser gut ausspült. Bei Flaschen, in denen der Beschlag eine beträchtliche Stärke erreicht hat, muß das Aus- schwenken mit Salpetersäure wiederholt werden. Die Auf­bewahrung der Salpetersäure hat stets nur in mit Glas­stoppeln versehenen Flaschen zu geschehen.

Gegen die lästige Ausdünstung der Vogel­käfige und Volieren bestreut man die Böden der Käfige zuerst mit einer Schicht Feldgyps, hauptsächlich da, wo sich die Trink- und Badgefäße befinden. Ueber diese Gypsschtcht streut man den gewöhnlich verwendeten Sand. Dasselbe Mittel ist auch auf Taubenböden und in Hühnerställen mit bestem Erfolge anzuwenden und umsomehr, als der Gyps die Dungkraft des Vogelmistes erhöht und vermehrt.

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Vertilgung des Schimmels in Kellern. Ein sicheres Mittel zur Beseitigung des Schimmels in den Kellern ist ungelöschter Kalk. Derselbe wird in Form eines feinen Pulvers mittelst eine» Blasebalges an die Wandungen des Kellers und in die Fugen und Ritzen geblasen oder auch mit ? der Hand gestreut. Die Wände müssen feucht sein, trockene ' Keller werden vorher tüchtig durchnäßt. Der Kalk löscht sich mit dem den Wandungen anhaftenden Wasser ab und tödtet alle Organismen. Am folgenden Tage läßt man die Wände abwaschen.

Humoristisches.

Verrätherisch. Mutter (nach der Schlittenparthie): Das war das letzte Mal, daß Du mit dem Asseffor zu­sammen gefahren bist . . . Du hast Dich von ihm küssen laffen!" Tochter:Aber Mama ..." Mutter: Leugne nicht, alle anderen Herren hatten Eis im Schnurr­bart, nur er nicht!"

Schlechtes Renommee. Erster Gauner:Du Karl wat meenste zu dem Rechtsanwalt Müßer?" Zweiter Gauner:Mit dem is nifcht ... der hat mich schon mal zu drei Jahren Zuchthaus vertheidigt!" *

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Galanterie. Fräulein (in der Sommerfrische):Ach, wie köstlich das Heu duftet!" Bauer:Darf ich Ihnen vielleicht a Sträußerl z'sammenbinden, gnä' Fräul'n?"

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Unter Gymnasiasten. A.:Ich hätte sehr gern unter der Regierung von Chlodwig gelebt." B.:Warum?" A.:Weil man weniger französische Geschichte hätte lernen müssen."

Wink. Herr:Ihre Frau Mama stottert?" Fräulein: Allerdings aberja" kann sie fließend sagen."

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Devot. Bedienter (zu seinem Herrn, der stark zu schnupfen gewohnt ist):Gnä' Herr, die gnä' Ras' tropft!" * *

Praktisch. Frau:Du solltest Dir doch endlich einen Schirm kaufen, wo es jetzt alle Tag regnet!" Mann: Ach wo, ich bringe morgen den Professor Meier mit, der läßt den seinigen gewiß wieder 14 Tage bei uns stehen!"

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Feiner Unterschied. Diener:Da hat Jemand einen Brief an Herrn Lieutenant abgegeben." Lieutenant: Gewiß von einem meiner Gläubiger?"Dem Geruchs nach, Herr Lieutenant, ist er von einer Gläubigerin."

Aus der Kinderstube. Mutter:So, Kinder, jetzt spielt artig zusammen,: Emma ist das Kind und Linchen da« Kindermädchen. Was willst Du fein, Karlchen?" Karl:Ich bin der Soldat."

Größenwahn.Du, Sepp, Deine Kuh schaut aber stolz drein!"Wundert mich nöt! Wir haben jetzt eine Gräfin in der Sommerfrische bet uns und für die wird sie täglich gemolken!"

Er tappt. Köchin (zum Gefreiten nachdem Willkomm­kuß):Willem, Du betrügst mir! Dein Kuß schmeckt nach italienischen Salat und den haben sie heute drunten bei Geheimrathr." * ,

Unterschied.Sie fahren zweiter Klasse?"Wegen meines Ranges! . Und Sie?"Dritter Klaffe wegen meiner Rangen!" * *

Natürlicher Vorgang.Wer war denn der Herr, den Ste soeben grüßten; der sah ja so heruntergekommen aus?"Das war ein ehemaliger Luftschiffer."

Literarisches

Ein herrliches, stimmungsvolles Gemälde von Carl Zwey:Für die Mutter Gottes," schmückt in kunstvoller Reproduction <ie neueste Nummer des illustrirten Universalblattes für die Familie Mode «nd Haus,"' Verlag John Henry Schwerin, Berlin W. 35. In Modesachen am besten unterrichtet und tonangebend, ist dieses herrliche Journal auch literarisch eines der bedeutendsten und für ähnliche Er­scheinungen geradezu mustergiltig geworden. Sein Reichthum an Mode- Genrebildern, Figuren, Schnitten, Bildern, nutzbringenden ernsten und heiteren Beilagen, Novellen von nur ersten Autoren u. s. ro., lassen den Abonnementsbetrag fürMode und Haus" von nur 1 Mk. viertel­jährlich als verschwindend klein erscheinen. Ganz besonders zu empfehlen ist die Mk 1,25-Ausgabe mit Colorits, bunten Handarbeiten-Lithographien und achtseitiger Roman-Beilage Mus besten Federn". Abonnements bei allen Buchhandlungen und Postänstalten, Gratis-Probenummern bei ' ersteren und durch den Mrlag John Henry Schwerin, Berlin W. 35.

Redaction: I. V.: Hermann Elle. Druck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei (Pietsch & Scheyda) in Gießen.