Ausgabe 
20.8.1896
 
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Unterhaltungsdlatt zum Gießener Anzeiger (Oeneral-AnMger)

Digitalis purpurea.

Eine Erzählung nach dem Leben von A. Oscar Klaußmann.

(Schluß.)

Der Postenführer musterte Brettschneider einen Augen» blick, kam dann auf ihn zu und reichte ihm die Hand.

Hab' die Ehr'," sagte er,Sie sind doch der Herr Professor aus Breslau, der in Ernstdorf wohnt. Habe schon einmal das Vergnügen gehabt, mit Ihnen dort zusammen zu sein. Es war vor ungefähr vierzehn Tagen. Mein Name ist Bundari."

Ah, Herr Postenführer, jetzt erkenne ich Sie. Ist mir außerordentlich angenehm. Wollen Sie nicht die Güte haben, bet mir Platz zu nehmen."

Küß' die Händ, außerordentliche Ehre für mich, Herr Professor."

In wenigen Minuten war Brettschneider mit dem eben so liebenswürdigen wie sür seine bescheidenen Beamtenverhält' nisse recht gebildeten Manne in einem interessanten Gespräch. Die Gendarmen waren auf einer Streife und hielten in der Schenke Mittagsrast.

Auch Brettschneider erzählte von seinem kleinen Ausfluge, und es war eigentlich ganz selbstverständlich, daß er auch seiner Begegnung mit Brinkmann»Kecskemet Erwähnung that und dem Postenführer erzählte, auf welch sonderbare Weise er mit dem Manne schon im Leben zusammengekommen sei. Der Postenführer hörte aufmerkiam zu, dann machte er sich einige Notizen in seine Brieftasche und sagte:

Den Mann müssen wir uns schon einmal näher an- schauen."

Ich will den Mann nicht weiter verdächtigen, Herr Postenführer!"

Bitte, das hat keinen Anstand, ich will mir nur diesen einsamen Kurgast in Ladna anschauen ganz von Weitem, ohne daß er etwas merkt. Wissen Sie, Herr Professor, der Mann hat Sie schon angelogen. Wer lügt, der macht auch schlimmere Sachen- In ein paar Täg' kann ich Ihnen vielleicht schon sagen, was das für ein Cadett ist. Ist er ein harmloser Kerl, nun, um so besser für ihn- Hab die

Ehr', küß' die Hand, Herr Professor, wir müssen schauen daß wir weiter kommen."

Die Gendarmen brachen auf und auch Brettschneider machte stch auf den Weg nach der Station, von der er noch eine mehrstündige Eisenbahnfahrt bis nach Ernstdorf zurückzu» legen hatte.

Es waren ungefähr vierzehn Tage vergangen. Brett­schneider hatte seine Sachen schon gepackt, um nach Breslau zurückzukehren, da die Univerfitätsferien zu Ende gingen. Da erhielt er unmittelbar vor der Abfahrt einen Brief des Be­zirksgerichtes in Tefchen, in welchem er aufgefordert wurde, in einer Criminalangelegenheit nach Tefchen zu kommen. Unkosten würden ihm selbstverständlich vergütet werden.

Erbeschloß, dieser Aufforderung Folge zu leisten, obgleich er sich nicht erklären konnte, um was es stch handle- Die Angelegenheit BrinkmanN'Kecskemet hatte er schon vollständig vergessen, zumal er den Mann gar nicht wieder gesehen hatte-

Er fuhr mit dem nächsten Morgenzuge nach Tefchen und meldete sich hier im Bezirksgericht- Er wurde vor den staatsanwaltlichen Functionär" geführt, einen Herrn, der trotz seiner Uniform ein sehr liebenswürdiger, jovialer Mann war-

Freut mich sehr, Sie kennen zu lernen, Herr Privat- doeent! Wirklich eine außerordentliche Ehre! Ihr Her­kommen ist im letzten Augenblicke gegenstandslos geworden, denn der Mann hat ein umfassendes Geständniß abgelegt, allerdings erst heut früh. Nun Sie einmal da sind, kann ich Ihnen doch gratuliren, von ganzem Herzen gratulirenl"

Ist danke bestens!" entgegnete Brettschneider, trotzdem er nicht wußte, wozu ihm der staatsanwaltliche Beamte gratulirte.

Es freut mich sehr, Herr Privatdocnt, daß Sie gerade unseren Bundari auf die Sache aufmerksam gemacht haben. Der Mann ist ein unbezahlbarer Executivbeamter- Ein Anderer wäre gar nicht zu solchem Resultat gekommen. Die Hauptsache aber war doch, daß Sie ihn aufmerksam machten, und bet der Verkeilung der Gelder wird auch genügend darauf Rücksicht genommen werden. Ich kann es Ihnen jetzt schon verrathen, daß auf Ihren Antheil über achttausend Gulden kommen. Sie können das Geld schon in einigen