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heiratheis, es war unmöglich — unser Stand erfordert Opfer, zumal auch von dem Herzen!"
„Er erfordert aber auch edle, adelige Gesinnungen und Handlungen, noblesse oblige! Das bedenke, mein Kind. Wer fo wie Du handelt, der erntet Verachtung," sagte der Graf ärgerlich.
Isolde zuckte zusammen. Verachtung hatte sie erweckt- Das war ein hartes Wort. Herbert sollte sie verachten I Der Gedanke war ihr unerträglich. Verzweifelt, trostlos, krank, in seinen Fieberphantasien ihren Namen rufend, so sich ihn vorzustellen, das wurde ihr nicht schwer, aber sie verachtend, nein, das war nicht denkbar, so schnell kann sich die Liebe nicht wandeln und etwas war doch wohl wahr an dieser so ost verspotteten Dichterliebe, sie empfand es jetzt an der Leere in ihrem Innern. Was waren all' die klugen, philosophischen Reden ihres Bräutigams gegen solch' ein warmes, tiefes Empfinden, das aus dem Herzen kam!
Manchmal war es Isolden, als müsse sie wandern, so weit sie ihre Füße trügen, nur ein Ziel vor Augen, und dann niedersinken an Brands Krankenbett, seine Verzeihung erflehend.
Und wenn er Dir verzeiht, was dann? War das nicht Wetterns Stimme, die die kalt und höhnisch an ihre Ohren klang. — Ja, was dann?
Sollte sie die Seine werden, aus den Kreisen, in denen sie bis jetzt gelebt, herabsteigen, das zweifelhafte Loos eines Künstlers theilen, damit es ihr vielleicht ebenso erginge wie ihrer ehemaligen Freundin, der jungen Baronesse Walden, die einem jungen Schriftsteller die aristokratische Hand zum Bund für'« Leben gereicht, Frau Doctor Böhm geworden war und nun schon seit Jahren mit dem geliebten Gatten auf die Stunde harrte, wo dessen Werke endlich Anerkennung finden und er zu den Berühmtheiten des Tages gezählt werden würde. Diese Stunde aber schien nicht zu kommen!
Die einstige Baronesse lebte nun in ziemlich dürftigen Verhältnissen, sie behauptete aber, trotzdem glücklich zu sein, weil sie ihren Gatten über Alles liebe.
Sollte man der Liebe wirklich Alles opfern können, sich zur Magd erniedrigen, selbst am Feuerherd stehen, kochen, plätten? Nein, nein, ihr wäre das unmöglich. Von solcher Alltäglichkeit und Sorge würde ihre Liebe, da würde sie selbst zu Grunde gehen, sie gehörte eben nicht zu den opferfreudigen Frauennaturen. Welt und Menschen sich dienstbar machen, das hatte Isolde immer verstanden, aber selber dienen, sich selbst demüthigen, das lag ihr ferne, das konnte sie nicht.
Als Comteß Isolde glücklich zu dieser Schlußfolgerung gekommen, da war es ihr wieder, als vernähme sie des Barons Wettern Stimme, als riefe er ihr triumphirend zu: „Wie freue ich mich über Dich, meine gelehrige Schülerin, es wird mir nicht schwer werden, Dich ganz zu meinen Ansichten zu bekehren, und dann wandere ich doch wenigstens nicht mehr allein in dieser trostlosen Lebenswüste, dann habe ich doch eine kühle, verständige Lebensgefährtin!"
Ein leise« Frösteln ging durch ihre Gestalt und dann lachte sie in ihrer leichten, losen Weise und flüsterte: „Närrin, die ich bin, es ist das Beste, wir treten die Hochzeitsreise so bald wie möglich an, es ist der einzige Weg, mich selber wieder zu finden und all der dummen Gedanken Herr zu werden. Die große Welt und ihre Zerstreuungen, das war doch schließlich Isoldens Lebenselement, und Baron Wettern würde ihr doch sicher alle Freiheiten gestatten, sich zu amüsiren, zu kokettiren und zu intriguiren. Hier die ländliche Stille allein, die war an Allem schuld gewesen, schwamm sie erst wieder mit allen Segeln im vollen Lebensstrom, dann war sie wieder sie selbst, die schöne Gräfin Isolde, die doch allein dazu auf der Welt war, zu glänzen, gefeiert zu werden, zu leben und zu genießen.
Siebentes Capitel.
Es ^fügte sich, daß Herbert Brand» Genesung so weit fortschritt, daß er an Isolden« Hochzeitstage in Begleitung
seines Freundes Hagen den ersten weiteren Spaziergang machte.
Im eifrigen Gespräch hatten sie Beide nicht auf den Weg geachtet, bis Herbert plötzlich betroffen stehen blieb.
„Hier war es, hier saßen wir," rief er, „die Gräfin und ich; sie sang: Wie heißt König Ringels Töchterlein? Rothtraut, schön Rothtraut! Und dann —"
»Ja, ja, ich kenne das Alles, das ganze bethörende Liebesspiel dieser schönen Dame," unterbrach ihn Hagen plötzlich. „Wenn das Schicksal uns Künstler stählen und für höhere Aufgaben reif machen will, dann führt es uns eben eine solche Frauenerscheinung in den Weg, die mit uns spielt, uns betrügt, uns an den Abgründen der Verzweiflung vorüber führt und schließlich auf's Krankenlager wirft. Sind wir dann erstanden, dann ist diese Welt allerdings eines großen Theiles ihres poetisches Zaubers entkleidet, aber unser Blick ist geschärft, wir dringen ein in die Tiefen des Daseins, sehen Welt und Menschen, wie sie sind und nicht, wie wir sie in unfern Bildern verkörpern, idealifirt, oft in ganz unmöglicher Schönheit."
„Und werden so allmältg wohl gar zum Realisten in unserer Kunst!" rief Herbert. .Wer aber löst die Frage, ob da« das Rechte, das Wahre ist," setzte er sinnend hinzu und begeistert rief er: „Sollte es nicht die wahre Aufgabe der Kunst fein, die ideale Schönheit zu erfassen und darzustellen?"
Die Künstler schwiegen beide und ihr stilles Nachdenken schien die Frage zu bejahen.
Der weiche Septemberwind trug von dem nahen Schloß die Klänge des Hochzeitsmarsches aus der Oper Lohengrin zu ihnen herauf.
„Man feiert wohl Hochzeit dort drüben im Schloß," sagte Hagen und wies auf ein rothes Fähnchen, das von der Spitze des Thurmes wehte, in welchem Herbert vor noch nicht allzu langer Zeit die seligsten Träume geträumt.
Prüfend fixirte ihn der Freund. Würde er nicht weich werden, der kaum überwundene Schmerz von neuem losbrechen bei diesen wunderbar süßen Klängen und in dieser eigenartigen Situation?
Nein, Brand blieb fest, nur um seine Lippen, da zuckte es hohnvoll und verächtlich.
„Die Schlange," murmelte er und wandte dann mit dem Freunde dem Schlosse den Rücken.
Langsam gingen sie den Hügel hinunter und kehrten zurück nach dem einsamen Forsthause. Nach wenigen Tagen reisten sie von dort aus nach der Residenz; das hübsche Aennchen, de» Försters Tochter, gab ihnen noch eine Strecke Weges dar Geleit und schied dann von ihnen mit herzlichem Händedruck.
Sie hatte des alten Doctors Warnungen beherzigt und ihr junges Herz gewahrt; recht stolz und glücklich aber war sie doch, als nach einiger Zeit ihr wohlgetroffenes Bild, von Brand und Hagen gemeinsam sehr schön gemalt, im Fv'st- hause anlangte, auf welchem Aennchens braune Schelmenaugen so recht lustig in die Welt schauten-
Ein launiger Brief begleitete das Bild, die Maler gelobten darin, das trauliche Forst haus bald einmal wieder zur Sommerfrische aufzusuchen, dann aber sollte es lustiger darin hergehen wie in jenen angstvollen Septembertagen.
Auf diese lustige Zeit, da freute sich schön Aennchen nun doch unbeschreiblich.
Achtes Capitel.
Zwei Jahre find vergangen. Graue Herbstnebel umwallen das Schloß in den Bergen, es liegt dort so einsam, so weltverlassen, als hätte nie frisches, frohes Leben in seinen Mauern gewohnt, als wären nie die Musen hier aus- und eingegangen und hätte nie einer ihrer Jünger hier ein hoher Kunstwerk erstehen lassen und dabei seinen ersten Liebestraum geträumt, dem ein schreckliches Erwachen folgte.
Die Vorhänge im Mustkfaale sind heruntergelassen und aus dem grauen Dämmerlichte, da hebt sich das Wandgemälde Herbert« mit seiner Farbenpracht, seinen lebensfrohen Gestatten
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