Ausgabe 
20.2.1896
 
Einzelbild herunterladen

SS

und seine Augen suchten sie dort, wo er sie gelassen. Dann entdeckte er sie und eilte aus einem kleinen Umwege ihr ent­gegen.

Sr lebte! Sie konnte nicht weiter; sie lag Lus den Knieen und jubelte, die Hände emporstreckend, in glühendem Dank: Sr lebt! Er lebt!

Aber Paula, 'liebe Paula, was ist Ihnen?

Nun hatte er sie erreicht.

Paula, was ist? rief er geängstigt und zog fie hastig empor.

O, Heinrich! Ich glaubte Sie in eine Eisspalte ge­sunken !

Sie konnte es kaum stammeln; ihre Bläffe war er­schreckend, sie bebte an allen Gliedern. Und das um ihn? Wie ein Blitz traf es Heinrich Tornegg.

Seine Blicke senkten sich bang fragend in die ihrigen.

Und Du sagst, Dein Herz sei gestorben? rief er plötz­lich mit halbem Jubel.

Er hielt sie in seinen Armen, er küßte sie und stammelte allerlei glückselig verworrenes Zeug und sie lag an seiner Brust und Beide dachten gar nicht, daß sie auf gefährlicher Stelle standen.

Endlich mochte ihm das aber doch einfallen, er zog sie hinweg und als sie wieder festen Boden unter den Füßen hatten, da erfuhr er es mit allerlei Unterbrechungen, daß sie mit ihm habe sterben wollen, wenn sie ihn nicht rette» konnte-

Und dieses Mädchen sagt, sein Herz sei tobt! rief er wie außer sich vor Glück.

Es war nicht tobt nur leer; aber nun bist Du ein­gezogen, mein Geliebter!

Der Hund als Feind des Menschen und der Hausthiere.

Bon Dr. I. G. Schneider in Gießen.

Wohl kein Hausthier erfreut sich so sehr der Gunst der Menschen al« der Hund und dies nicht mit Unrecht- Seine Treue, Wachsamkeit, Stärke, Gelehrigkeit und Gutmüthigkett machen ihn zum Beschützer und Begleiter des Menschen, ferner zu Dienstleistungen und zur Unterhaltung seines Herrn ge­eignet. Die treue Anhänglichkeit des Hundes ist oft geradezu rührend und so ist es erklärlich, daß das Thier fast zum Busenfreund des Menschen wird. Dann beurtheilt der Hunde- befitzer sein Lieblingsthier fast ebenso, wie eine Mutter ihren Jüngstgeborenen schätzt. Er hat unzweifelhaft den schönsten Hund und wenn auch nicht den schönsten, so doch den geistig hervorragendsten. Man kann sich eines Lächelns nicht er­wehren, wenn man solche in ihren Hund förmlich verliebte Menschen hört und steht- Namentlich hundebesitzende Jung­frauen leisten in Vernarrtheit oft ganz Erstaunliches. Ich erinnere mich sehr lebhaft an einen Hund, einen ruppigen, struppigen, vielleicht in frühester Jugend als unbrauchbar auf die Straße gesetzten Köters, dessen Raffe trotz Aufbietung aller fachmännischen Kenntnisse nicht zu eruiren war und der fast wie ein Kind gekleidet auf der Straße spazieren geführt wurde- Die Herrin dieses Rassehundes, welcher schon von weitem durch sein parvenüartiges, anmaßendes und imper­tinente« Exterieur auffiel, bekam Ohnmachtsanfälle, als ein Junge mit einem Kieselsteinchen an dem Köter vorbeiwarf. Aehnliche Fälle könnte ich viele aufführen, besonders solche, in welchen das intime Verhältniß so weit gediehen war, daß der Herr Hund breitspurig am Mittagstisch Platz nahm und sich nicht entblödete, seinem Herrn oder seiner Herrin un­glaublich, aber wahr, -r- den Mund abzulecken. Und gerade an die Menschen, welche in ihrer Affenliebe so weit gehen, möchte ich einige ernste Worte richten.

Es ist gewiß schon unzählige Mal auf die Gefahren hin­gewiesen worden, welche der intime Umgang mit Hunden dem Menschen bringt. In populär-wissenschaftlichen Werken, in

jedem Handlexieou und öfters auch in Zeitschriften findet man darüber mehr oder weniger eingehende Abhandlungen. Dem­gegenüber muß man stch wundern, welche Unwiffenheit manch­mal in dieser Beziehung im Publikum herrscht. Auch der Landwirth hat oft gar keine Ahnung, mit welchen Gefahren der Hund seine übrigen Hausthiere bedroht und schädigt stch deshalb selbst durch unvernünftige Haltung seiner Hunde. Au» diesen Gründen ist es nicht überflüssig, immer und immer wieder die Sprache auf unser Thema zu bringen.

Leider muß ich meine liebenswürdigen hundebesitzenden Leserinnen auf ein etwa« unappetitliches Gebiet führen, näm­lich auf das Gebiet der Eingeweidewürmer, fpeciell bet Band­würmer. Der Hund beherbergt nicht weniger al« fünf Arten dieser anmuthigen Parasitensorte und zwar in allen beliebigen Größen. Wie es schon für die Bandwürmer de« Menschen längst nachgewiesen ist, besitzen auch diejenigen de« Hunde« mehrere Entwicklungsstadien, die nicht in demselben Thier ent­stehen können. Der Entwickelungsgang ist im Allgemeinen solgender: Mit den Bandwurmgliedern gelangen die Eier nach außen. Durch irgend einen Zufall werden diese mikroskopisch kleinen Gebilde von einem anderen Individuum (von anderen Hausthieren ober bent Menschen) aufgenommen und im Körper desselben kommt nun die Vorstufe de» Bandwurmes, die Finne, zur Entwickelung. Damit sich diese Frnne in einen Bandwurm verwandelt, ist es nöthig, daß sie vom Hunde verspeist wird und dazu ist reichlich Gelegenheit gegeben.

Also auch der Mensch kann unter Umständen al« Finnen­träger, als Z wisch enwirth fangiren und in dieser Hinsicht wird er von dem kleinsten Bandwurm be« Hunde«, dem drei­gliedrig en Bandwurm (Taenia Echinococcus), bedroht. Diese« niedliche Thierchen, welche« kaum 5 Millimeter lang wird, bewohnt in oft ganz kolossaler Anzahl den Dünndarm. Werden die Eier derselben vom Menschen oder den Hau«- thieren ausgenommen, so entwickelt stch in diesen, und zwar meist in Leber ober Lunge, die zugehörige Finne, der viel­gestaltige Hülsenwurm (Echinococcus polymorphus), welcher eine bi» kopfgroße, eine gelbliche Flüssigkeit enthal­tende, oft vielkammerige und mit buckelartigen Hervorwölbungen versehene Blase darstellt. Durch Den Druck, den diese Finnen, die in großer Anzahl vorhanden sein können, aurüben, wird das Organgewebe zum Schwund gebracht und meist der Tod herbeigeführt. Manch' zarte Jungfrau hat für ihren Mops ihr Leben lassen müssen, weil ste sich in unvorsichtiger Weise von diesem lecken ließ ober ihre Hände, die sie vorher mit ihrem Thiere in Berührung gebracht hatte, unbewußt zum Munde führte. Doch kommt Gottlob der Hülfenwurm im mittleren Europa viel seltener vor, al« beispielsweise auf Island, wo 2 bis 3 pCt. aller Menschen daran zu Grunde gehen sollen. Viel öfter aber wird er bei unseren nutzbaren Hausthieren getroffen und hier verursacht er recht beträcht­liche pekuniäre Verluste. Besonder« häufig werden unsere Wiederkäuer, namentlich das Schaf, heimgesucht.

Die übrigen Bandwürmer haben nur lanowirthschastliches Interesse. Erne wirkliche Plage der Landwirthschast ist der Quesenbandwurm (Taenia coenurus), dessen Finne im Gehirn der Schafe, seltener des Rindvieh« vockommt und die berüchtigte, die Schafherden oft geradezu bectmirenbeDreh­krankheit hervorruft.

Am größten ist der geränderte Hund ebandwurm (Taenia marginata), der unter allerdings seltenen Umständen die respektable Größe von 5 Metern erreichen kann. Seine Finne, die faustgroß wird, findet fich oft in großer Anzahl bei Wiederkäuern und Schweinen. Früher nahm man an, daß ste auch beim Menschen verkäme, doch scheint die« Fabel zu fein- Die Bedeutung dieser Finne ist geringer anzuschlagen, da dieselbe in lebenswichtigen Organen seltener verkommt. Immerhin sollte das Verfüttern der Finnen an die Hunde von Setten der Mchger, welche die Blasen alsWasserblasen be­zeichnen, unter allen Umständen unterbleiben.

Die Finne des vierten, des gesägten Bandwurmes (Taenia «errata) wird von Hasen und Kaninchen beherbergt, bei welchen sie in der Leber, den Lungen und in den serösen