Ausgabe 
19.9.1896
 
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und der Dichter Waller widmete dem kleinen Paar eine be­geisterte Hymne. Bräutigam und Braut waren nur 3'/, Fuß hoch, doch sollen die zahlreichen Kinder, mit denen ihre Ehe gesegnet war, normal gebaut gewesen sein. Das kleine Paar, dar unter fünf Königen gelebt, wurde steinalt; er starb im Alter von 93, ste von 89 Jahren.

Auch Peter I. interesfirte sich in hohem Maße für Zwerge, und alr einst ein am Hofe lebendes Pärchen sich zu vermählen beschloß, traf der Zar große Vorbereitungen, um das Ereigniß auf das glänzendste zu feiern. Alle Zwerge, die zwanzig Meilen im Umkreise von St. Petersburg lebten, er­hielten den Befehl, am Hofe zu erscheinen und man sandte Wagen aus, um sie zur Hauptstadt zu bringen. Am Hoch­zeitstage verursachte die große Anzahl von Wagen, in welchen sich bis zu 15 Persönchen befanden, eine lebhafte Aufregung unter den Einwohnern und der Zug wurde von einer zahl­reichen Menschenmenge begleitet. Im Ganzen zählte man 72 Zwerge.

Jeder Gegenstand, der zur Hochzeit gebraucht wurde, war in Miniaturformat eigens angefertigt worden und Peter be­fahl, daß die kleinen Gäste den Ehrenplatz bei Tische einnehmen sollten. Die Tischordnung brachte indeß einige Verwirrung hervor, denn Keiner wollte der letzte sein; und da Jeder auch den Ehrenplatz diesen sollte der Kleinste erhalten zurück­wies, 2fo wäre die Sache beinahe in eine vergnügte Prügelei ausgeartet, jedoch gelang es schließlich den Hofbeamten, die streitsüchtigen Liliputaner zu besänftigen. An das Mahl schloß sich ein Ball, den das glückliche Paar, das nur wenig mehr denn 3 Fuß maß, mit einem zierlichen Menuett eröffnete. Diese Hochzeit wirkte übrigens ansteckend, denn von den 72 ein­geladenen Gästen vermählten sich kurze Zeit darauf neun Paare.

Ein englischer Zwerg, Charles Stretton, der hauptsächlich in Amerika unter dem Namen General Tom Thumb austrat, verliebte sich in eine junge Dame, Lavonia Warden, welche allerdings noch einen zweiten Anbeter in der Person eines anderen Zwerges, den Commodore Natt, hatte. Der Letztere war eine äußerst leidenschaftliche Natur und seine Eifersucht veranlaßte ihn eines schönen Tages, seinen Rivalen fürchter­lich zu verhauen. Trotzdem trug der Letztere den Sieg davon, was er allerdings weniger seinen körperlichen Reizen, als seinem Wohlstand zu verdanken hatte. Als er nämlich seiner Angebeteten seine Liebe erklärte, überreichte er ihr gleichzeitig ein Document, aus dem hervorging, daß er sich in Massa- chusetts ein Gut gekauft hatte. Kurze Zeit darauf fand die Hochzeit statt. Ihrs Ehe währte zwölf Jahre, dann starb er. Seine untröstliche Wittwe vermählte sich ein Jahr später auf's Neue mit dem Grafen Magri, ebenfalls ein Zwerg, mit dem sie ganz Nordamerika bereiste.

Ein anderer Militär merkwürdigerweise gaben sich die Zwerge im Punkte der Titulaturen nie mit Kleinigkeiten ab war der General Mite, ein geborener Amerikaner, der vorzugsweise Frankreich und England bereiste, aber auch in Deutschland aufgetreten ist. Als er großjährig wurde, hatte er mehr Jahre als Zoll aufzuweisen. Ein günstiges Geschick führte ihm ein weibliches Nippfigürchen zu, das geradezu für ihn geschaffen zu sein schien, denn sie war nur zwei Zoll kleiner als er. Die Hochzeit fand in Manchester in der St. James-Kirche statt unter dem Zulauf einer zahlreichen Menge, die das glückliche Paar bis zu ihrem Heim escortirte.

Ein polnischer Zwerg Bornlawski wurde im Jahre 1739 der Schützling der Gräfin Humjeskt. Sonderbarerweise ver­liebte er fich in eine Dame, die ihre fünf Fuß maß und die ihn infolge seiner Stellung bei der Gräfin auch heirathete. Diese aber entzog ihm ihren Schutz und Bornlawski war ge- nöthigt, auf Märkte und Messen zu ziehen, um für sich und sein Weib den Lebensunterhalt zu verdienen. Obgleich er i seine Gattin sehr liebte und alles Erdenkliche für sie that, * scheint sie doch keine besondere Achtung vor ihm gehabt zu t

haben, denn wenn sie ärgerlich war, so pflegte ste ihn auf den Kaminsims zu stellen, wo sie ihn entsetzt um Hilfe schreien ließ.

Auch der Zwerg Lölkes, ein geborener Holländer, war mit einer normal gewachsenen Dame verheirathet. Es muß ein rührender Anblick gewesen sein, wenn Frau Lölkes mit ihrem Gatten durch die Straßen spazierte und ihn an der Hand hielt, gleichsam als ob sie ihn zur Schule sührte. Dieser Zwerg war übrigens ein muthizes Kerlchen, denn eine« Tages hielt er ein scheues Pferd auf der Westminster-Brücke in London auf und rettete dadurch dem König Georg III., der auf dem rasenden Thiers saß, das Leben.

Ein bedauernswerthes Geschöpf war der Engländer Matthes Buchanger, der ohne Arme und Beine geboren wurde und eine Höhe von 29 Zoll erreichte. Er ernährte fich durch sein musikalisches Talent, und fast unglaublich erscheint die Thatsache, daß dieser Unglückliche viermal verheirathet war und elf Kinder hatte.

Ein unglücklicher Liebhaber war ein Zwerg, der unter dem NamenSeb6" am Hofe des Königs Stanislaus von Polen lebte und von seinem königlichen Herrn unter den Schutz einer Prinzessin gestellt wurde. Böbö verliebte sich leiden- schaftlich in die Prinzessin, welche diese Liebe jedoch nicht er­widerte. Der kleineRomeo* gerieth darüber eines Tages, als er den Gegenstand seiner Liebe einen Hund streicheln sah, in solche Verzweiflung, daß er unter Thränen ausrief und das Thier mit den Worten aus dem Fenster warf:Warum lieben Sie diesen Köter mehr als mich?"

Auch der Zwerg Andrew Whiston, ein Engländer, liebte unglücklich. Er hatte fich durch die Ausübung seines Berufes er bettelte nämlich auf der Waterloo-Brücke in London - ein hübsches Vermögen erworben und gedachte fich von dm Geschäften zurückzuziehen. Seine Wahl fiel auf eine Wittwe, Mrs. Marshall, die den ehrsamen Beruf einer Fischhändlerin ausübte. Sie nahm den Antrag des kleinen Mannes an und ließ sich von ihm verschiedene Geschenke machen. Das Auf­gebot wurde bestellt, doch die Spötteleien ihrer Bekannten ver­anlaßten sie, die Heirath rückgängig zu machen und so blieb Andrew Junggeselle.

Zum Schluß unserer kleinen Skizze wollen wir noch eine Truppe von Zwergen erwähnen, die im Jahre 1888 zu Parts auftrat, wo sie durch ihre Liebeshändel das Publikum eine Zeit lang erheiterte. Ein Mitglied der Gesellschaft verehrte der Gattin eines anderen Mitgliedes der Truppe einen Ring, den die Dame an ihrer großen Zehe trug. Ihr Gatte, rem diese Schaustellung nicht besonders erfreulich sein mochte, schwor dem Miniaturliebhaber Rache und ging ihm mit einem Revolver zu Leibe. Die Sache nahm schließlich eine so ge­fährliche Ausdehnung an, daß die Truppe von der Pariser Polizei während ihres Aufenthalts in der Hauptstadt scharf überwacht werden mußte.

Von amerikanischer Gesundheitslehre wird wieder einmal eine hübsche Probe mitgetheilt. Den Freunden des Küssens empfiehlt nämlich der Gesundheitsrath von Chicago, die Lippen vor dem Küssen mit carbolisirtem Rosenwaffer ab­zureiben. Guten Appetit I

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Im Regen. Herr:Mein Fräulein, darf ich Ihnen meinen Regenschirm anbieten?" Fräulein:Sie sehen ja, ich hab' selber einen." Herr:Nun, den können wir ja zumachen."

Moderne Anschauung.Mein Schwiegersohn hatte, wie er um meine Tochter freite, keinen Pfennig Schulden!" Da hat er also wohl aus reinem Uebermuth geheirathet?"

Äebaction: A. Scheyda. Druck und Verlag der Brühl'schen UniverstMS-Buch- und Stemdruckerei (Pietsch L'Scheyda) in Gießen.