Ausgabe 
19.5.1896
 
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bett freien Verkehr im Lande behindern, Handel und Wandel im In- und Auslands durch Quarantänen u. s. w. beein­trächtigen können.

Das deutsche Kaiserliche Gesundheitsamt hat die durch Gesundheitsstörungen verursachten wirthschastlichen Verluste ziemlich genau berechnet und zwar aus den Ergebnissen einer Statistik der Arbeiterkrankenkaffen Deutschlands. Im Jahre 1891 kamen unter den damals vorhandenen 6V» Millionen Kaffenmitgliedern mehr als 2 Millionen Erkrankungen vor, jede Krankheit dauerte durchschnittlich 17 Tage. Für diese 34 Millionen Krankheitstage zahlten die Kaffen etwa 891/» Millionen Mark. Nehmen wir nun an, was ganz gerecht­fertigt ist, daß unter den übrigen 44 Millionen Einwohnern Deutschlands die Erkrankungen nicht seltener und nicht von kürzerer Dauer als unter den Kaffenmttgliedern waren, so beträgt die Ausgabe für Krankheiten, welche im Jahre 1891 im deutschen Reiche herrschten, mindestens 500 Millionen Mark. Hierbei ist der Verlust durch Ausfall an Arbeitsleistung noch gar nicht mit in Rechnung gezogen.

Daher ist eben eine rationelle Gesundheitspflege nicht nur für jeden Einzelnen, der ein möglichst glückliches Leben führen will, durchaus «othwendig, sondern auch Gemeinde und Staat müffen in ihrem eigenen Jntereffe alles anwenden zur Erhaltung und Verlängerung der Arbeitsfähigkeit und des Lebens ihrer Angehörigen. Welche Vortheile bei einer guten Durchführung dieser Bestrebungen erreicht werden können, ersteht man besonders aus der deutschen militärärztlichen Statistik. Darnach erkrankten 1868 noch jährlich 1496 unter je 1000 Mannschaften, jedoch besserten sich die Verhältniffe allmählich so sehr, daß 1888 nur noch 750 (also ungefähr die Hälfte) unter je 1000 erkrankten und 2 V» Millionen Krankenverpflegungstage weniger nothwendig waren als 1868. Das ist doch wahrlich ein großer nationalöeonomischer Vortheil, der allen Steuerzahlenden zu gute kommt.

Fast noch deutlicher zeigt sich bei den einzelnen bürger- lichen Gemeinwesen der wirtschaftliche Gewinn, den diese bei geordneter Gesundheitspflege .durch Verminderung der Krank- heits- und Sterbefälle erzielen. Dies ist namentlich der Fall in denjenigen großen Städten, welche durch Einführung der Canalisation und Beseitigung der Abfallstoffe aus der Um­gebung der Häuser, ferner durch beffere Wasserversorgung, weitläufigere Bauart, überhaupt durch sanitäre Maßregeln verschiedener Art ihren Gesundheitszustand auf eine vorher nicht gekannte Stufe gehoben haben. Rach Professor von Pettenkofer starben in München im Jahre 1877 von je 1000 Einwohnern 33, im Jahre 1892 nur «och 26, also 7 weniger. Demnach hat München 1892 bei seiner Einwohnerzahl von 373 000 Personen 2611 Todesfälle weniger gehabt, als dem früheren Sterblichkeiisverhältniffe entsprochen haben würde. Da nun 1877 auf einen Sterbefall mindestens 34 Erkrank­ungen mit rund 20 Krankheitstagen kamen, so find 1892 den Einwohnern 2611x34x20 gleich rund l3/4 Millionen Krankheitstage erspart worden. Nimmt man nun an, daß jeder Krankheitstag für Verpflegung, Arznei u. s. w. eine Ausgabe von l1/» Mark bedingt, so hat München durch seine hygienischen Einrichtungen allein im Jahre 1892 eine Ersparntß von mehr als 21/» Millionen Mark gemacht, wo­von bei der Durchschnittsberechnung auf jeden Einwohner 7 Mark 80 Pfennig, auf eine Familie von 5 Köpfen 39 Mark entfallen.

Auf dieselbe Art und Weise kann man die großen wirth- schaftlichen Vortheile bei anderen Städten berechnen, wo die Verminderung der Erkrankungs« und SterblichkeitsMe oft genau Hand in Hand mit der Verbefferung der sanitären Verhältniffe geht. Als in Berlin in den siebziger Jahren die Canalisation durchgesührt wurde, sank die Sterblichkeit von 29 unter 1000 Einwohnern im Jahre 1876 allmählich auf 24 im Jahre 1885. Namentlich verminderte sich die Sterb­lichkeit an Typhus von 4 Procent aller Gestorbenen bis auf

0,8 Proeent. In Hamburg sanken 1872 bi» 1874 die Typhus- erkrankungen in den neu eanalistrten Theileu der Stadt sofort auf beinahe die Hälfte der Erkrankungen in den nicht eanali- sirten Theilen. Neustadt-Magdeburg wies eine der höchsten Sterblichkeitsziffern der deutschen Städte auf, so lange dar Trinkwasser aus der unreinen Elbe entnommen wurde, diese Ziffer sank plötzlich um mehr als ein Drittel, als mit dem 1. Januar 1886 eine durchgreifende Verbesserung der Wasser- Versorgung eingeführt wurde.

Diese Beispiele mögen genügen. Wir sehen daraus, daß besonders viele Großstädte zur Verbesserung der sanitären Verhältniffe und zur Hebung der allgemeinen Gesundheitspflege in den letzten Decennien sehr viel gethan haben. Sie haben eben erkannt, daß die dafür verausgabten Kosten sich stets durch wirthschastliche Vortheile überreichlich bezahlt werden. Möge man dies immer mehr, namentlich auch in den mitt­leren und kleineren Gemeinwesen einsehen, durch welche noch Jahr aus Jahr ein Epidemieen, Typhus, Diphtherie, Schar­lach u. s. w. ihren durch Leichensteine bezeichneten Siegeszug halten.

Gemeinnütziges.

Ei« neues Verfahren zum Couferviren der Eier. Die Spaltpilze, welche das Verderben der Eier ver­ursachen, brauchen alle zu ihrer Entwickelung sauerstoffhaltige Luft; hält man diese fern, so kann im Ei selbst keine Zer­setzung stattfinden, da die betreffenden Bacterien sich nicht ent­wickeln können. Dr. Zörkendörfer hat darauf hingewiesen, daß zum Conserviren von Eiern Ueberziehen derselben mit Lack oder Firniß genüge; allein es mußte gleichzeitig festgestellt werden, daß der Geschmack der Eier bei einem derartigen Ueberzuge leide. Auch konnte es keinem Zweifel unterliegen, daß erst ein völliges Abtödten der Bazillen Sicherheit für die Haltbarkeit der Eier böte. Auf diesen Erfahrungen baut sich ein neues, zum Patent angemeldetes Verfahren auf, das von Otto Leupold in Stuttgart erfunden ist. Leupold wendet eine Conservirungsflüssigkeit an, der ein fäulnißwidriger, antiseptisches Mittel zugesetzt ist, mittels deffen die in der Schale vorhandenen Bacterien abgetödtet werden sollen, wo­durch, wie gesagt, die Sicherung der Eier vor Berderbniß bedeutend erhöht wird. Mit diesem Apparat consrrvirte Eier können nach Monaten roh oder gekocht verwendet werden; sie zeigen dabei ein ähnliches Verhalten wie srische. In einem Gutachten des Chemischen Laboratoriums für gewerbliche Untersuchungen an der königlichen Cmtralstelle für Gewerbe und Handel in Stuttgart heißt es u- A.:Ein an das Con- servirungsmittel erinnernder Geruch oder Geschmack konnte beim Genuß derselben nicht wahrgenommen werden; ebenso­wenig ließ sich durch die chemische Untersuchung der Eier ein Durchdringen des Conservirungsmittels in das Innere der­selben constatiren." Diese neue Methode der Eierconservirung ist im practischen Leben in der That al« volkswirthschaftlicher Gewinn zweifellos sehr groß, abgesehen von der Annehmlich­keit, auch im Winter srische und wohlschmeckende Eier zur Verfügung zu haben- (S- Inserat im Hauptblatt.)

Hoffnung.

Die Hoffnung ist ein rosig Kind, Das mitten unter Blumen lebt. Dann eine Mutter, thränenblind, Die ihre Tobten still begräbt;

Als Ahne sorget sie und bebt Für ihrer Enkel Wohl und Glück, Und stürbe sie als Schatten schtbebt' Die Gute in ihr Haus zurück. Satyr.

MebacHon: A. Scheyda. Druck und Verlag der Brühl'schen UniverMtS-Buch- und Steindrnckerei (Pietsch & Scheyda) in Gießen.

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