Ausgabe 
18.7.1896
 
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Roman vor

sind die Tuareg beinahe durchgängig schlechte Schützen mit dem Feuergewehr, um so größer ist ihre Gewandtheit im Gebrauch der Lanze in Stoß und Wurf- Als Schußwaffe finden sich bei den Tuareg nicht selten noch Pfeil und Bogen vor und muß man anerkennen, daß sie ausgezeichnete Bogen» schützen sind. Hiebwaffe ist bei den Tuareg das breite Schwert, Dagog genannt, und die kurze Streitaxt, der Heme«, gebräuch. lich, die vornehmen Tuareg führen außerdem noch die Dsraya, einen haarscharfen Dolch mit gekrümmter Klinge, mit sich.

Im Charakter des Targi treten tollkühne Tapferkeit in Verbindung mit wilder Raub« und Mordlust, Grausamkeit gegen den Feind und unversöhnliche Rachsucht am meisten hervor, ehrlich und edelmüthig ist er nur gegen den Freund, der Fremde aber mag sich vor der Treulosigkeit, Tücke und Hinterlist des Targi nur in Acht nehmen. Die körperlichen Sinne dieses Raubritters der Wüste sind ungemein entwickelt, namentlich sind die Schärfe der Augen und das Gehör be ihm ausgezeichnet. Auf seinen Ritten entwickelt er große Ausdauer, mit welcher seine Bebürfnißlostgkeit wetteifert, im Sattel seines Mahari oder Rsnnkameels vermag er, ohne ein­mal abzusteigen, ganz unglaubliche Strecken zurückzulegen, und er« trägt er hierbei, wenn es fein muß, Hunger und Durst mit erstaunlichem Stoicismus. , ,

Der Targi übt als Beschäftigung nur den Raub und die Jagd aus, alle häuslichen Geschäfte, sowie das Bestellen der Gärten und Felder bleiben den Weibern und den Sklaven überlasten. Bei der Jagd bedient er sich des Pferdes, aber bei seinen räuberischen Unternehmungen bevorzugt er da» Rennkameel, weil sich dasselbe durch wunderbare Schnelligk und Ausdauer auszeichnet, welche E genschaften die es Reit thieres den Tuareg bei ihren Beutezügen natürlich Mgemein zu Statten kommen. Beim Ausspähen nach einer Beute durch traben die Tuareg in Abtheilungen zu zwei oder drei Mann die Wüste nach allen Richtungen, rst dann eine Karawane aufgespürt, so geht sofort Kunde hiervon in dar Lager oder Duar und es bricht dann ein größerer Reitertrupp in der Ricktuna auf, von welcher her da» Herannahen de» Handes- zuges signalisirt worden ist. Mit großer Schlauheit und Ge­wandtheit hält sich die Räuberschaar vor der herankommend n und vorbeipasfirenden Karawane hinter Sandhügeln oder in Einsenkungen verborgen, um ihr ebenso unbemerkt bi» rum Platze des Nachtlagers zu folgen. Hier wird nachher die Karawane im ersten Morgengrauen von den Tuareg überfallen und so plötzlich vollziehen die Wüstenpiraten ihren Angriff, daß jeder Widerstand nutzlos und oft schon in wenigen Minuten vielleicht die Hälfte aller Karawanenmitglieder hin-

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Sahara bewohnen, so streisen sie doch weit über dieses Gebiet hinaus, fie tauchen ebenso gut im äußersten Westen ir. den I Ländern der Maurenstämme auf, als tief im Süden, wo der mächtige Niger fließt, den die Tuareg häufig über i schreiten, aber man kann ihnen auch hoch oben im Norden, an den Ausläufern des Atlasgebirges und wohl auch weit im Osten der Sahara begegnen. Auf ihren flinken Streit, oder^Renn Kameelen legen die Tuareg unglaubliche Strecken in emer Tour zurück, ihre wilde Tapferkeit, wie ihre ungebändigte Raublust machen fie bei den anderen Völkern der Sahara sowohl als auch bei den Karawanen-Reisenden ungemein ge- sürchtet und stellen diese kühnen Wüstenräuber darum mit Recht die wahren Beherrscher der Sahara dar.

Etnographisch zu der großen Völkerfamilie gehörig, zer- fallen die Tuareg unter sich wieder in mindestens ein Dutzend Stämme, in die Asgar, Sogar, Kelowi, Jtista, Sakomaren u s w. Alle diese Stämme liegen mit einander meist immer in Streit, der Versuch, sie alle unter einen einzigen Ober- Häuptling zu vereinen, scheint überhaupt noch niemals unter« nommen worden zu sein. Doch lasten sich die Tuareg auch nach der Hautfarbe claffificiren. Die Tuareg, mit beinahe weißer Färbung, sitzen in der Sahara am weitesten nach Norden zu, doch find sie es auch, welche am meisten umherschwärmen, die auf einem einzigen Raubzuge leicht bi» zu dreihundert Stunden von ihrem zeitweiligen Wohnsitze zurückregen. Weiter südlich schließen sich die Tuareg mit brauner Hautfarbe an, sie lieben es wohl auch, weit in der Wüste umherzustreifen, indeß halten sie für gewöhnlich die schmalen Gebirgspässe im Süden der Sahara besetzt. Diese müssen die von Marokko und Tripolis nach den reichen Gegenden am Niger ziehenden oder aus letzteren kommenden Karawanen passiren, und keiner von diesen Handelszügen der Sahara kommt hi» durch, ohne den Tuareg hohen Zoll entrichtet zu haben. Dieser Tribut wird auch jenen Karawanen abgenommen, welche sich mit den Tuareg vorher auf freundschaftlichen Fuß gesetzt haben. Wehe aber solchen Karawanen, die, vielleicht ihrer Stärks vertrauend, vor dem Durchzug durch das Gebiet der braunen Tuareg nicht mit den Stammeshäuptlingen unterhandelt haben, fämmt- Hege Maaren sind dann den Wüstenräubern vsrsallen, die Mst- «lieber der betreffenden Karawane jedoch erwartet ein schreck- liche» Sklavenleben, sofern es ihnen gelingt, bei dem Ueber falle ihres Handelszuge» durch die Tuareg mit dem Leben davonzukommen. Ganz im Süden der Sahara endlich finden sich schwarze Tuareg, sie dienen theilweise den Sultanen der Niger- und Hauffaländer al» todtesmuthige Leibgarde.

In der Sprache sind sich die Tuaregstämme zwar nicht alle gleich, dagegen stimmen sie im Allgemeinen in Sitten und Gewohnheiten, in ihren Characterzügen u. s. w. überein- Seiner äußeren Erscheinung nach dars der Targi wie der Singular de» Wortes Tuareg lautet - als der schönste Menschenschlag der Wüste Sahara gelten, die Männer von hohem muskulösem Wuchs, die Frauen von schlanker, äußerst regel­mäßiger Gestalt, mit oft klassisch ßeformte« Gesichtszügen. In der Kleidung der Tuareg ist das Mundtuch charakteristisch, der schwarze Schleier, welcher von der Kopfbedeckung herab­wallt und vom Gesicht des Targi nur die Augen und ein Stück Wange sehen läßt. E» hängt diese Sitte wohl mit dem Stolze zusammen, der diesen Wüstensohn auszeichnet und es ihm nicht erlaubt, anderen Sterblichen, selbst die eigenen Stammesgenossen nicht ausgenommen, sein Antlitz sehen zu lassen. Vielleicht liegen aber dem Mundtuche der Tuareg auch praktische Erwägungen zu Grunde, jedenfalls scheint es recht geeignet, Mund und Nase vor der direkten Einathmung des Wüstenstaubes zu schützen.

Die Hauptwaffe bei den Tuareg bildet noch immer die aut sieben Fuß lange Lanze aus elastischem Holz, die an der eisernen Spitze mit breiten, nach rückwärts gekrümmten Eisen­zähnen versehen ist. Die Flinte fand man früher nur bei

0e|$Ue6er die ungefähre Stärks der Tuareg weichen die An­gaben der Sahara-Reisenden, soweit sie über diesen Punkt Studien gemacht haben, mehr oder weniger von einander ab- Freilich ist eine auch nur annähernd richtige Schätzung der Kopfzahl der Tuareg sehr schwierig, ia, vielleicht unmöglich, erwägt man, daß die Krieger der Tuareg meistentheils unter, weg» sind und dabei gewaltige Flächen durchstreifen. Indessen bleibt die wahrscheinlichste Schätzung jene- der zufolge alle Tuaregstämme zusammen höchstens an 400000 Köpfe zählen sollen, Alle», Krieger, Weiber und Kinder eingerechnet; a r der volkreichste Stamm gilt derjenige der Asgar im Westen der Sahara.

Humoristisches.

Beim Examen. Ein junger Mann wurde von seinem Examinator gefragt, ob er auch recht bibelfest sei. Er am. wortete, daß er sich eben nur auf zwei Verse erinnern könne, der erstere wäre:Er ging hinaus und erhing flch. Nun, und wie heißt der zweite?" fragte der Examinator- Gehe hin und thue desgleichen!" war die Antwort.

Redaction: A. Scheyda. Druck und Verlag der Brühl'schen UniverstkStS-Buch- und Steindruckerei (Pietsch & in ® ®