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XVII.
Der Werbe-Agent hatte die elfte Abenstunde zu der Zu« sammenkunft mit Janek bestimmt. Es war kaum neun Uhr; der junge Mann pfiff seinen Hund herbei, nahm die Flinte und ging in den Wald.
Das Herz war ihm wohl etwas schwer, aber er beeilte
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„Mein Gott," schrie die Mutter wie närrisch, „sie wird sich in's Wasser gestürzt haben."
Der Pope kam herbei. „Ach, Frau, was sprichst Du da? Ruhig, um Himmelswillen, ruhig I"
„Du weißt doch, daß sie Deinen Harasim nicht leiden konnte. Ach, Thymoftäu», was hast Du aus Deinen beiden Töchtern gemacht!«
Unter Schluchzen, Jammern und gegenseitigen Vorwürfen entschloß sich die Familie endlich, sich so gut es ging, in ihre eiligst hergerichteten Betten zu legen, um, wenn möglich, einige Ruhe zu finden.
XVI.
Als Binta am Fuße des Hügels angekommen war, hielt sie einen Augenblick inne, um zu horchen, ob sie nicht verfolgt würde. Da sie niemand hinter sich sah, hob ein Seufzer der Erleichterung ihre Brust, und ihr gewöhnlich so resigniertes Gesicht leuchtete auf.
Ein schwacher Geruch von blühender Minze stieg von den Böschungen empor. Einige Schritte von ihr floß der Stry leise mit kaum bewegtem Wasser in der Rächt dahin.
Durch den unwiderstehlichen Zauber der spiegelglatten Fläche gefesselt, neigte sich Btnia darüber. Ihr Schatten bildete auf den silberglänzenden Wogen einen unbestimmten schwarzen Fleck. Auf dem Grunde dieser gähnenden Tiefe vor ihr lag das Ende jeglichen Kummers, Vergessenheit für alle Sorgen und Enttäuschungen, sür lange Marterqualen und fruchtlose Kämpfe.
Und als sie so dastand, wie gebannt durch die geheimniß- volle Fluth, schien es ihr, als sähe sie auf den Wellen das Bild der tapferen Königin Wanda flüchtig vorüberztehen; diese Erscheinung flößte ihr Furcht ein. Nein, sie suchte den Tod nicht, die arme, kleine Popadia. Sie wollte nur fliehen, dem drohenden Schicksal entgehen, irgendwo Zuflucht und Rettung suchen. Aber wo und wie, das wußte sie nicht.
Sie ging jetzt mit fieberhafter Hast weiter am Ufer des Flusses entlang; ein künstlicher, ans der Furcht geborener Muth hielt sie aufrecht.
Plötzlich erzitterte sie und stieß einen Schrei au». Vor ihr erhob sich eine lange, schattenhafte Gestalt, welche der Figur des Seminaristen im schwarzen Amtskleide ähnlich war, und ein starker, eiserner Arm versperrte ihr den Weg.
„Lassen Sie mich, lassen Sie mich," schrie sie wie wahnsinnig. „Ich liebe Sie nicht, ich will Sie nicht heirathen, lieber sterben!«
Unwillkürlich suchten ihre Blicke das dunkle Wasser, die letzte Zufluchtsstätte für ein verzweifeltes Herz. In ihrer Aufregung hatte sie sich losgemacht und da sich nicht» rührte, wagte sie es, ängstlich die Augen zu erheben; aber sie sah nur einen schwarzen, blattlosen Strauch, dessen gewundene Zweige sich wie lange, knöcherne Hände Über den schmalen Fußweg ausstreckten. Sie bekreuzigte sich mehrere Male und setzte, ganz beschämt Über die Täuschung, ihren tollen Lauf durch die Nacht fort.
Alles um sie her flößte ihr Entsetzen ein. Jetzt nahm die moosbedeckte Rückwand einer Strohhütte in ihren Augen das phantastische Aussehen eines Ungeheuers än; dann erschreckte sie wieder ein riesenhaftes Kreuz, das sich starr von dem sternenbesäten Himmel abhob und den Ort anzeigte, wo ein Unglücklicher den Tod gefunden hatte. Endlich erblickte sie den Wald; ihr Herz zitterte vor Freude; da nur würde sie Frieden, Ruhe, Rettung finden. Noch einige Secunden und sie würde den weichen Moosteppich unter ihren Füßen fühlen, würde in vollen Zügen die balsamischen Düste ein* athmen und unter dem Schatten der alten Bäume Schutz
seine Schritte, fest entschlossen, so bald al» möglich ein Ende iu machen.
Heute Morgen hatte er zum ersten Male mit seiner Großmutter und Mutter von seinen Plänen gesprochen und ihnen zugleich verstchert, daß e» ihnen während seiner Abwesenheit an nichts fehlen falle.
Gott, die namenlose Angst in den traurigen, auf ihn gerichteten Blicken der beiden Frauen! Dann hatte die zusammen- gefchrumpfte Greisin, die mit ihrer alten rothen Katze auf dem Arm im Winkel saß, angefangen, ihm zu widersprechen.
„Drei Jahre, mein Sohn, drei Jahre! So lange kann ich nicht auf Dich warten; nein, auf dem Kirchhof wirst Du mich wiederfinden, hörst Du? Bist Du toll, war fehlt Dir denn hier? O, die Jugend!"
Die Mutter hatte nichts gesagt, aber alles Blut war aus ihren sonnengebräunten Wangen zurückgetreten; lange fand sie keine Worte und betrachtete ihn nur mit herzzerreißenden Blicken.
„Drei Jahre, das ist eine lange Zeit, lieber Sohn," murmelte sie endlich. Das war Alle«. Dann fragte sie ihn sanft und ergeben Über das Leben aus, da» er drüben führen würde, über feine Thätigkeit dort, über die Reife, die so maßlos weit war, daß ihre schwachen geographischen Begriffe darüber ganz in Verwirrung geriethen.
Aber an der Art, wie sie sprach, errieth Hans, daß Thaddäus die Hand im Spiele gehabt hatte, daß er die arme Frau vorbereitet, sie an den Gedanken gewöhnt und von der grausamen Enttäuschung ihres Sohnes unterrichtet haben mußte.
Er, der von fetten seiner Mutter eine heftige Scene, Vorwürfe und Einwendungen erwartet hatte, war ganz äußer Fassung dieser stummen Resignation gegenüber.
In der ersten Verzweiflung hatte er sich mit der ganzen Heftigkeit seines Wesens auf die Idee, nach Amerika auszuwandern, geworfen, die ihm von der Vorsehung eingegeben sein mußte. Die abenteuerliche Seite des Unternehmens verlockte seine urwüchsig gebliebene Natur. Der Schmerz macht egoistisch. Da er Binia nicht heirathen konnte, da seine bürgerliche Stellung nicht unanfechtbar schien, war e» besser, fortzugehen, wo anders Vergessenheit zu suchen. Seine Liebe, die ihn blind machte für alle» Uebrige, sowie sein immer wieder von Neuem verletzter Stolz drängten ihn zu dem Entschluß. Die Nothwendigkeit der Trennung von den Seinigen hatte ihn nicht zurückgehalten.
Aber jetzt, wo er sich zu der entscheidenden Zusammenkunft begab, wo jeder seiner Schritte ihn der unabänderlichen Lösung näher brachte, verweilten seine Gedanken mit sonderbarer Hartnäckigkeit bei den armen Frauen, die er einsam zurückließ und bet seinem väterlichen Freunde.
Wenn er sie nicht wiederfand bei seiner Rückkehr! Eine qualvolle Angst schnürte ihm die Kehle zusammen. Mit welchem Zartgefühl hatten seine Mutter und der gute Oberförster versucht, ihn von seinen Plänen abzubringen und ihn fast wie ein kranke» Kind behandelt, dem man nicht widersprechen darf! Und er war wohl im Stande, diese zarte Rücksicht zu verstehen, denn er war mit reiner, unberührter Seele in der Wildniß de» Walde» aufgewachsen und langsam von seinem Meister geschult worden.
Dann dachte er daran, wie der Stolz seiner Mutter wohl gelitten hätte, al» sie von der verächtlichen Geringschätzung hörte, mit der der Pope von ihr und ihrem Sohne gesprochen. Mit tiefem Erröthen mußte sie e» errathen haben, daß er den Antrag hauptsächlich wegen der Ungiftigkeit ihrer Ehe ablehnte; da» war auch sicher die Ursache zu der demüthigen Haltung, die Janek so aufgefallen war. Da» Blut stieg ihm siedendheiß in'» Gesicht und hämmerte ihm in den Schläfen-
„Ja, ja, besser in der Verbannung," sagte er, „hier würde ich umkommen; dort werde ich mir einen Namen machen und zu vergessen suchen."
Al» er in der zu der Zusammenkunft bestimmten Herberge ankam, Überzeugte er sich voller Ungeduld, daß die Gaststube noch leer war. Im Hintergründe saß ein etwa zwölfjähriger


