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vor sich hin und ging dann mit leisen Schritten hinauf auf sein Thurmzimmer im Schloß. Er hätte ja Isoldens Schlummer stören können; und sie war gewiß müde und sehnte sich nach Ruhe.
Drittes Capitel.
Als die Morgensonne in seine Fenster schien, da rieb sich Herbert verwundert die Augen; er hatte wirklich geschlafen, hatte geträumt von Isolde, von seinem Freunde Hagen, ja, was war es doch? Hatte nicht dieser ihm erzählt, daß auch er Isolde geliebt und ihm bittere Vorwürfe gemacht, daß er ihn dazu verdammt habe, ihr fortwährend in die Ohren zu geigen: „ ,.
Wie heißt König Ringals Töchterlein, Rothtraut, schön Rothtraut.
Das hätte doch jeder andere Geiger auch thun können, aber er — er — und dazu immerfort ihr süßes Gesicht vor Augen, da» wären Höllenqualen, wie sie ein Teufel nicht schlimmer hätte ersinnen können.
So hielten ihn eine Weile noch die Traumbilder gefangen und erst allmälig begann er sich auf die Ereignisie des vergangenen Tages zu besinnen.
Als er sich angekleidet hatte, ging er nach dem Musiksaal hinüber. In seiner Kunst allein hoffte er Trost zu finden, wenn ste ihm nur treu blieb, dann war diese Welt ihm noch nicht ganz zur Qual.
Aber als er vor seinem Bilde stand, da fühlte er, daß er keinen Pinselstrich mehr daran machen konnte!
Heiße Thränen traten ihm in die Augen, dergleichen würde er nie, nie wieder leisten, Jugend und Liebe hatten hier die Farben gemischt, den Pinsel geführt und das war nun Alle» vorbei, die selige, überquellende Jugend und die Liebe, Alles war vorbei- Er kam sich wie ein alter, welker Mann vor.
Sinnend nahm er einige Skizzen in die Hand, die er nach den Plänen des Grafen entworfen hatte. Ein Nocturno von Chopin hatte er malen sollen, eine Mondscheinnacht, blühende Rosen, Unsinn! Wie hatte er nur auf die Phantasien des überspannten Herrn eingehen können, ein Nocturno kann man ebensowenig malen wie eine Rhapsodie. — Was er da gemalt, das war seine Jugend, seine fröhliche, lachende Jugend, der Traum einer ersten Liebe! Das Alles hatte er auf die Leinwänd gebannt und nun mochte er Abschied davon nehmen, sich sachte davon schleichen von der Stätte, wo er so selig gewesen.
Er begann, von diesem Gedanken geleitet, seine Pinsel und Paletten zusammenzupacken, als der Graf hereintrat.
„Run, was soll bas heißen? Wird heute nicht gemalt?" rief dieser, indem er näher trat.
Tieferschrocken blickte er dann in das blaffe, verwüstete Gesicht Herberts.
„Mein Gott, was ist Ihnen? Sind Sie krank?" fragte der Graf bestürzt.
Herbert schlug dis großen blauen Augen zu ihm auf.
„Ich tonn nicht mehr malen — nicht hier an dieser Stätte, ich muß fort — heute noch — die Comteß," stammelte er, während er bald roth, bald blaß wurde.
„Ah, Sie wiflen schon, daß sich Isolde gestern verlobt hat. Also auch Sie, Sie mußten noch hintergangen, noch betrogen werden von ihr, trotz aller meiner Warnungen. Aber wie war es nur möglich, daß ich von alledem nichts bemerkt habe. Ich war so sorglos, glaubte Sie so ganz von Ihrer Kunst in Anspruch genommen. Nun, ich denke, Sie werden jetzt auch Trost und Vergeffen darin finden."
Er nahm beide Hände der jungen Malers in die seinen und sagte: „Behalten Sie den Kops oben, junger Freund, wer ein solches Gut sein eigen nennt, darf nicht verzweifeln. Die Kunst ist ein höheres, ein heiligeres Gut als Frauenliebe."
Herbert jedoch schüttelte traurig den Kopf.
„Lassen Sie mich ziehen, meine Hand ist wie gelähmt, meine Phantasie ist tobt — Ich — ich habe Comteß Isolde zu sehr geliebt!"
„Ich werde meine Tochter zu ihrer Tante schicken, — Isolde soll Ihre Wege hier nicht mehr kreuzen! Sie aber müssen bleiben, ich bitte Sie inständig darum. So wie Ste hat es noch Keiner verstanden, auf meine Pläne einzugehen. Und was wollen Ste auch beginnen, wenn Sie nicht malen wollen?"
„Das weiß ich nicht," erwiderte Herbert, „ich weiß nur, daß ich in der Stimmung, in welcher ich mich jetzt befinde, nicht zu malen vermag. Die Kunst verlangt ein unbelastetes Gemüth, Heiterkeit der Seele, Frische des Geistes, einem armen, betrogenen Narren wendet sie den Rücken."
„Und das Alles um ein Mädchen wie Isolde!" rief der Graf kopfschüttelnd. „Bemerkten Sie denn nie, daß ste kein Herz hat und gedankenlos durch'« Leben tändelt."
„Ich glaubte an ste, wie man an das Evangelium glaubt, liebte ste mit aller Kraft meiner Seele, glaubte mich auch von ihr geliebt und dachte sie zu meiner Frau zu machen!" rief Herbert Brand erregt.
Es zuckte ein wenig ironisch um die Mundwinkel der Grafen bei diesem Geständniß Er war doch ein rechter Schwärmer, dieser Jüngling mit dem blonden Lockenhaupt und den blauen, ehrlichen Augen, daß er davon geträumt hatte, die Gräfin Isolde als seine Frau einst besitzen zu können. — Isolde seine Frau! Sich das auszumalen, dazu gehörte wirklich Phantasie. Der Graf konnte es sich jetzt lebhaft vorstellen, wie sich feine schöne Tochter mochte amüsirt haben, dieser arglosen Natur Herberts gegenüber. Welch' ein Unrecht es aber war, gerade solch' eine Natur zu betrügen, davon hatte sie in ihrem gedankenlosen Leichtsinn natürlich keine Ahnung.
Schön wie der junge Morgen trat die junge Gräfin jetzt in den Saal- Herbert wurde lodtenblaß, wie abwehrend streckte er beide Hände gegen sie aus.
Isolde schaute ihn etwas verwirrt an. Er schien er schon zu wissen, was sie ihm so schonend wie möglich mit* zutheilen gedachte. Sie hatte sich ihre Rede so schön aur- geklügelt, hatte von Standesrückstchten und dergleichen sprechen, ihm sagen wollen, daß sie trotz alledem gute Freunde bleiben könnten.
Das Wort erstarb ihr jedoch auf den Lippen diesem blassen, verzweifelten Gesicht gegenüber. Wie schön aber waren diese marmorbleichen Züge in ihrem Schmerz I Es lag etwas von der ewigen Schönheit darüber ausgegossen, wie sie die großen griechischen Künstler ihren Götterbildern verliehen. Gebannt blieb ihr Blick darauf ruhen. Der Zauber, den eine so reine, ursprüngliche Natur auszuüben vermag, machte sich bei ihr geltend. Was hatte sie gethan!
„Herbert, o Herbert, vergieb mir!" stammelte ste voll bitterer Reue und hob flehend die Hände zu ihm auf.
„Vergeben!" rief er und durch den Saal schallte wieder das irre Lachen, welches sie am vergangenen Abend so er* schreckt hatte.
„Ich soll vergeben! Ich, der arme Narr, der Sie mit jener Dichterliebe geliebt, über welche Sie und Ihr Verlobter längst hinaus sind!"
„Sie haben das gehört?" fragte ste bestürzt.
„Ja gewiß, ich habe Alles gehört. Die Rosen und die Linden dufteten, ich lag träumend im Park des Herrn Barons von Wettern. — Das war das Nachtstück von Chopin, Herr Graf," wandte er stch jetzt an diefen, „ich habe es selbst durchlebt, die Mondfcheinnacht, die duftenden Rosen, die Liebernoth! Malen kann ich es Ihnen aber nicht mehr. Er ist eine Leere hier in meinem Herzen und eine Oede da oben." Er faßte mit einer verzweifelten Geberde an seinen Kopf. „Da kann stch kein Gebild gestalten. Gestern, o, da war meine Phantaste noch so reich, da war die Welt noch so schön, heute aber, da zeigt sie mir ihr traurigstes Alltagsgesicht, auch hier, hier, wo ich so glücklich war, wo ich sonst ein Paradies schaute, ist die Welt ebenso nüchtern, so realistisch und so erbärmlich wie überall; nur die Hoffnung und die Phantasie erhebt uns darüber, aber die ist tobt, tobt, tobt!
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