Ausgabe 
18.4.1896
 
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als an der stillen Mutter, die immer ernst und traurig war,

den Gömüthsdswegungen ganz erschöpft war, auf einen um«

nie mit ihm spielte und oft in für ihn unerklärlicherffidfe Z w erschöpft war, auf einen um« ubsäS.-A-yr-;-SiS'7 ^N-r?V-?»«L-s- a-<=l=& te&?£

Pfeife rauchend, am Tisch sitzend fand.

(Schluß folgt)

Uhland.

Die Glocken läuten, und die Hochzeitswagen rollen. Durch die dämmerigen Räume der Kirche, in deren Bänken sich statt der sonntäglichen Gemeinde nur hie und da ein Häufchen Bekannter oder Neugieriger eingefunden hat, schreitet langsam und feierlich der Brautzug auf den Altar zu. Leise treten die Anderen zurück, das Brautpaar allein bleibt vor den Altarstufen stehen, Sie, das H-upt gesenkt unter dem Kranze von Myrthen und Orangen, umwogt von dem leise knisternden Brautkleids und den duftigen Wellen de« zarten Spitzsnschleiers, Er, stolz aufgertchtet und so glücklich darein« schauend, als ihm das unbehagliche Gefühl, Aller Augen auf sich gerichtet zu wisien, nur immer erlaubt. Dis Orgel erbraust I Gesang ertönt, dis Rede des Predigers dringt erbaulich zum Herzen der Anwesenden, nur nicht zu dem de» aufgeregten Brautpaares, vor bessern Ohre die Worte anfänglich wie leerer Schall vorüberrauschten.

Doch allmählich sammelt sich ihr Geist und erschließt sich der Bedeutung des zu ihnen Gesprochenen. Sie weint, und Er blickt ernst und ergriffen darein und vergißt für diesen Augen« blick sogar die Qualen, welche die engen Lrckstiefeln, die Er zu Egren des Tages trägt, ihm bereiten.

Die Ringe werden gewechselt und das Ja gesprochen von ihm in einer ihn selbst erschreckenden, seltsam durch die leere Kirche hallenden Deutlichkeit, von Ihr so leise gehaucht daß der practtsche Brautführer sich die Zeit mit der F?age verkurzt, ob er wohl unter seinem Eide behaupten könne er gehört zu haben. '

Der Geistliche vereinigt ihre Hände und spricht den Segen über ste. Orgel und Gesang verstummen, die Verwandten drängen sich beglückwünschend heran. Mit unsicherer Hand werden die Namen ins Kirchenbuch eingetragen, dann verlassen sie die Kirche, nicht mehr Braut und Bräutigam, sondern Gatte und Gattin, nicht mehr St- und Er, sondem Ec und Sie für die ganze Lebenszeit.

Wie im Traume hört Sie sich mit Seinem Namen an« reden, der nun der Ihre sein soll; wie im Traume läßt Sie, an der rerch geschmückten Tafel sitzend, die schönen Reden und die schönen Gerichte an sich vorübergehen. Die Abschiedsstande naht. Die Brautjungfern lösen Kranz uud Schleier aus dem Haare der leise Erschauernden, das Brautkleid wird mit dem Reiseanzuge vertauscht, dann kommt dec Aufbruch Eine

*) dem Buche: Er, Sie und Es. Heitere und ernste Sil­houetten des häuslichen Lebens von Helene Stökl. Dritte Auflage Dresden 6. A. Koch's Verlag, eleg. geb. Preis 2,40 Mk. Das Buck tvr Air ftirfmonf ritt* Sft. ... r.r...... r ,

mit gleichem Bedauern den Zeitpunkt herannahen, wo der letztere in die Schule mußte und nicht mehr den ganzen Tag mit Jenem in Feld und Flur herumgehen und stehen tonnte

Lisbeth hatte es daher für nöthig gehalten, selbst die Initiative zu Peters Schulbesuch zu ergreifen und kam eben in der Abenddämmerung eines trüben Frühlingstages aus dem Dorf zurück, wo sie ihren Knaben bei dem Lehrer für Ostern als A-B-C-Schütze angemeldet hatte.

Sie war heute besonders traurig gestimmt, denn er war der Jahrestag ihrer Trauung, und mit zu Boden gesenktem Blick ging sie, in schmerzliche Gedanken verloren, ihres Weges, als plötzlich unweit des Birkenhofes eine Männergestalt hinter einem Baumstamm hervor und dicht vor sie hintrat.

Was wollt Ihr von mir?" fragte sie, einen Schritt zurückw.eichend.

Kennst Du mich nicht mehr, Lisbeth?" fragte eine Stimme, die ihr Herz erbeben ließ und mit Mühe erkannte sie in dem gebeugten Mann mit den eingefallenen Wangen und den schon mit Grau gemischten Locken ihren Gatten

Frieder!" schrie sie auf.Um aller Heiligen willen, bist Du aus dem Gefängniß ausgebrochen?"

Er schüttelte den Kopf.

Nein, sie haben mich freigegeben. Unser Landesherr ist gestorben und sein Sohn hat, als er zur Regierung kam, sine Amnestie, wie ste's nennen, erlassen und weil der Gen« darm, dem ich den Hieb versetzt, doch wieder gesund geworden, und ich mich während meiner Strafzeit gut geführt, hat mich der Gefängnißdirector zur Begnadigung empfohlen. Ich bleib' nicht hier, Lisbeth." fuhr er mit einem bitteren Lächeln fort,brauchst nicht bange zu sein, daß ich Dir die Schande anthue, als entlassener Sträfling hier herumzugehen. Ich j will nach Amerika, wo mich Niemand kennt und ich nicht fürchten muß, daß die Leute mit Fingern auf mich deuten; das Geld, das ich mir im Gefängniß erarbeitet, reicht zur Usberfahrt. Ich konnte aber nicht fortgehen, ohne Abschied von Dir zu nehmen und mein Kind noch einmal zu sehen."

Da schlang Lisbeth die Arme um seinen Hals und sagte: Und Du denkst, ich ließe Dich allein gehen, Dich, meinen Frieder, meinen Herzensschatz!"

Lisbeth! " stammelte er weinend und lehnte wie gebrochen ""ihrer Brust, so hatte die Freude ihn übermannt.Das willst Du für mich thun! .... Aber nein," fuhr er, sich fassend, fort,bas Opfer darf ich nicht annehmen, Du bist wohl geborgen vor aller Roth in Deines Vaters Haus und an meiner Seite erwartet Dich nur Mangel und Sorge."

. "Da» ist mir gleich," sagte sie fest,ich gehöre zu Dir und lasse Dich nicht mehr. Es ist in all' den Jahren kein Tag vergangen, an dem ich nicht um Dich geweint. Saß ich am wohlbesetzten Tisch, quoll mir der Bissen im Munde, ge« dachte ich der kargen Gefängnißkost, die nun Dein Theil war; lag ich im weichen Bett, fiel mir Dein hartes Lager ein, und zog ich die warmen, schönen Kleider an, die des Vaters Güte mir gab, so dachte ich, daß Du in der schlechten Sträflings« tracht vielleicht Frost und Kälte leiden müßtest."

Er schloß sie fester an seine Brust.

Mein treues, braves Weib! ... Und Du willst wirk­lich mit mir gehen über das große Wasser in das ferne, fremde Land?"

Bis ans Ende der Welt ginge ich mit Dir! Aber nun bleib' hier und warte auf mich, ich muß zum Vater und ihm sagen, daß Du frei bist, und ..." Sie stockte.Er ist ein schwerer Gang," fuhr sie dann in festem Tone fort,aber wenn ich wählen muß zwischen Dir und dem Vater, so thue ich, wie ich schon einmal gethan, ich wähle Dich!" durch die lange Haft geschwächt?von dem wetten Äang"und | P 7ls°Grfth-n1>nr Mäutkund A'e Fram?fth?'z! SUS?

Hochzeit, Hochzeitsreise und erstes Einlebe« daheim?)

Motto:Ich bin vor dem Haus gestanden, Dem Hellen Hochzeitshaus;

Und Festesjubel schallte Verhallend zu mir heraus.

Ich sah die Diener rennen, Geschäftig durch Gang und Saal, Ich sah die Gäste sitzen Am schwelgerischen Mahl.

Ich sah die Gäste kommen, Ich sah die Gäste gehn, Ich hab' in Nacht und Dämmern, Die Lichter verlöschen sehn!"

Halm.

So hab' ich endlich Dich gerettet Mir aus der Menge wilden Rechn!

Du bist in meinen Arm gekettet, Du bist nun mein, nun einzig mein."