Ausgabe 
18.2.1896
 
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UnterlMtungsAaLt zum Gießener Anzeiger (OrneralAnMger)

Flammen aus der Asche.

Novelle von L. Haid heim.

(Fortsetzung.)

Der Präsident kehrte zu ungewohnt früher Stunde von seinem Spaziergang zurück, einen offenen Brief in der Hand; er sah äußerst verstört aus, blaß und zitternd sank er auf den ersten Stuhl und blickte die Tochter rathlos an, indem er hinter sich wies:Ein Unglücksbote soll ich nie Ruhe haben, Paula!"

Da lehnte ein Mensch- müde und erschöpft an dem Felsen. Er hatte den Brief vom Postamt Amalfi herauf, getragen.

Schlimme Nachricht, Vater?"

Hier lies! Was soll ich thun?"

Paula las zuerst die Unterschrift.Heinrich Tornegg Neapel Grand Hotel."

Da hatten fie ja die Erichs wegen so schmerzlich ent­behrte Adresse!

Wa» wollte er denn? Wußte er schon ?

Lies! So lies doch!" rief der Vater in zorniger Un­geduld und stampfte mit seinem Stock auf.

Sie gehorchte.

Excellenz! Durch meinen Bankier erfahre ich soeben, daß das Flier'sche Bankhaus in S. vor dem Bankerott steht. Ich erinnere mich, daß Sie vor Jahren dem Hause großes Vertrauen schenkten. Sollte meine Mittheilung für Sie be­deutungslos fein, so verzeihen Sie es meiner großen und un- veränderten Theilnahme, daß ich Sie mit diesen Zeilen be­helligte. Im anderen Falle stelle ich mich Ew. Excellenz für jede Eventualität oder Dienstleistung zur Verfügung. Fräulein Paula die Versicherung meiner vollkommensten Ergebenheit. In größter Hochachtung Ew. Excellenz gehorsamster

Heinrich von Tornegg."

Vater!" hatte Paula athemlo» ('vor Schrecken mitten in das Lesen hineingerufen.

Sie wußte, beim Bankhause Flter hatte er den größten Theil feines Vermögen« deponirt.

Was soll ich thun? Ich kann nicht Hinreisen, ich" Er fuhr stch ganz verwirrt mit dem Tuch über die Stirn.

Wir müssen hinab nach Amalfi, telegraphiren! Du kannst Doetor Hübner beauftragen, vielleicht ist es noch Zeit."

«Ja, ja, das ist das Einzige, Du mußt hinunter! Ich kann nicht, der Schwindel, dieser furchtbar steile Abstieg I"

Wir nehmen Träger, Vater, Du schließest die Augen, es muß sein! Wir müssen jetzt in der Nähe des Telegraphen bleiben!"

Eine halbe Stunde später hatte Paula Alles mit Signora Carducca besprochen und in's Werk gerichtet. Der Trag­korb, in welchem die arme, kleine Pia heraufgefchafft worden war, stand noch im Wirthrhause. Der Präsident ließ sich nur schwer überreden, sich den Trägern anzuvertrauen; sein. Eigensinn, seine Reizbarkeit und der Ernst der Situation machten Paula einmal wieder schwere Stunden.

Zwei Stunden später begann ei» lebhafter Depeschen« wechsel zwischen Amalfi und der fürstlichen Residenz S. Ebenso gingen Telegramme nach Neapel und kamen solche von dort. Der alte deutsche Herr, der M in der nahen Luna mit seiner Tochter einquartirt hatte, kannte die Zauberwirkung einer buona mano und erreichte damit Alle», was er wollte.

Der ganze Tag ging für Paula damit hin, dem Vater bei seiner aufregenden Beschäftigung behilflich zu sein; sie konnte ihn nicht verlassen und hatte auf ihre Nachfrage nur erfahren, daß der Verwundete in der Luna gestern und die Tage vorher auch viele Depeschen abgesandt, aber alle ver­geblich; fein Bruder, nach welchem er sehr verlangte, sei nirgends aufzufinden.

Welch' glücklicher Zufall, daß fie die Adresse Heinrich» jetzt hatten.

Sie sandte Erich dieselbe in sein Krankenzimmer. Die Wirthin kam aber gleich darauf mit erschrockenen Mienen zu ihr; der Signor scheine ihr kränker, er rege sich auf, wolle durchaus einen Brief an den Bruder oder sonst irgend was schreiben, könne die Feder vor Schwäche nicht halten und be­stehe jetzt darauf, da» Lager zu verlassen, um zu der jungen Excellenza zu gehen.

Seit dem heutigen Morgen erst war Paula gewiß, baß