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ziehen, wie höchst emstg besonders im Winter die Meisen, Spechtmeisen und Baumläufer die Rinde unserer Obstbäume von unten bis zu den höchsten Spitzen gründlich nach schädlichem Ungeziefer durchsuchen, und wie sie da, selbst aus den kleinsten Ritzen, Millionen und abermals Millionen Larven, Puppen und Raupen - eier herauspicken und gierig verschlingen. Dadurch erweisen sie doch gewiß uns und auch den Bäumen eine überaus große Wohlthat, die ja sonst in keinem Jahre zu gesunden Blättern, Blüthen und Früchten kommen könnten.
Beobachten wir im strengen Winter ferner die Gold« ammern, mit ihrem schönen, gelben Gefieder, die grauen Haubenlerchen und die Schwarzamseln, so werden wir wahrnehmen, wie hungrig sie fast ohne Scheu vor den Menschen auf Straßen und Höfen in Gemeinschaft herumhüpfen und jedes Körnlein aussuchen, um ihren gräßlichen Hunger zu stillen. Dieselben werden gewiß auch bei allen guten Menschen nicht allein das größte Mitleid erregen, sondern sie werden sich wohl auch ernstlich bemühen, durch Futterstreuen ihrer großen Roth zu steuern.
Der possierliche Staar kann in unserer Gegend auch zu den Standvögeln gerechnet werden; er besitzt zwar einige unliebsame Eigenschaften, gilt aber doch für die Feld- und Gartenwirthschaft als ein ungemein nützlicher Vogel, ja manche genaue Forscher halten ihn für den nützlichsten aller unserer einheimischen Vögel. Im Winter kommt er nur bei hohem Schnee in die Nähe der Menschen und bittet traurig und hungrig um Nahrung, die ihm gewiß auch gerne von allen guten Menschen gereicht wird, denn er verdient ja in hohem Maße gepflegt zu werden. Sobald der Schnee geschmolzen ist, fliegt er nach dem Feld zurück, beginnt da wieder seine nutzbringende Thätigkeit, indem er die Felder zum Kriege gegen die schädlichen Ackerschnecken überzieht.
Auch die immer noch so sehr verfolgten Raben, die doch sonst die höchst schädlichen Mäuse, Ackerschnecken, Engerlinge und Maikäfer in zahlloser Menge zum Nutzen der Menschen au» der Welt schaffen, kehren, wenn tiefer Schnee die Erde bedeckt, hungrig aus dem tiefen Walde ganz in die Nähe der Städte und Dörfer zurück; sie legen ihre sonst so große Vorsicht bei Seite, bleiben oft in geringer Entsernung vor Menschen fitzen und verschlingen mit einem wahren Heißhunger jede« eßbaren Brocken. Man sollte aber dann doch auch keine von ihnen tödten oder fangen; denn dem Hungrigen muß man sein Brod brechen, nicht in seiner Roth ihm Fallen stellen, Schlingen legen oder gar vergiftetes Fleisch darbieten, wie dies im vorigen Winter an verschiedenen Orten unsere« sonst so humanen Heffenlande« geschehen ist, was aber doch ganz entschieden die größte Mißbilligung verdient.
Bemerken will ich nun noch, daß ich bei meinen regelmäßigen Spaziergängen in unseren schönen Anlagen und nach dem nahen Walde die traurige Beobachtung gemacht habe, daß leider unsere nützlichen Standvögel und auch noch andere nützlichen Sänger in der Abnahme begriffen find, wa» auch von anderen Seiten bestätigt wird, und es dürfte wohl hoch an der Zeit sein, dem Grunde diese» Uebel» nachzuforschen.
E» ist nicht zu bezweifeln, daß die schon seit vielen Jahren betriebene Landwirthschaft in einer Hinsicht zur Verminderung der Vögel beiträgt. Der Landmann glaubt nämlich, jede» anscheinend unnöthig daliegende Fleckchen Erde für sich zu bedürfen, um seine Erträge zu erhöhen, und er läßt daher Gebüsche, Hecken, Dornsträucher, Gestrüpp an den Rainen, Grenzen und Zäunen vernichten, und durch diese Vernichtung sowie durch da» Fällen jeden hohlen Baumes werden vielen nützlichen Vögeln die Nistplätze geraubt und damit die Bedingungen der Vermehrung und der Daseins entzogen. Durch die oben erwähnten landwirthschaftlichen Verhältnisse drängt der Mensch seine treuesten Freunde, die Vögel, immer mehr zurück, und er wird e» sicherlich zu bereuen haben, wenn dieselben sich immer noch mehr vermindern; denn sie führen ja doch einen unablässigen Kampf, wie ich oben gezeigt, gegen die für uns so höchst schädlichen Jnsecten oder Kerbthiere.
Auch die grausamen Äaubthiere trage« zur Verminderung unserer Vögel wesentlich bei, denn namentlich die räuberischen Katzen, die Marder, Wiesel, Füchse, Eichhörnchen, die Häher, Elstern, Sperber, Habichte und Falken, denen alle Herren Jäger fleißig zu Leibe gehen mögen, verschlingen eine Unzahl Eier und zerfleischen massenhaft die Alten und Jungen. Zu diesen unvernünftigen Raubthieren gesellen sich nun noch die Menschen, die doch erkennen sollten, welch' großen Schaden sie durch Vertilgung der nützli hen, gefiederten Welt im Hau»« halte der Natur verursachen, und die doch auch wissen müßten, daß der rechte Vortheil der Menschen verlangt, die Vögel, die schädliche Jnsecten verzehren, zu schützen. Rohe und gefühllose Menschen legen dies alle» bei Seite, denn häufig noch rauben böse Buben und große und kleine Strolche in Feld und Wald die wenigen noch vorhandenen Nester au», und die herrlichsten Sänger werden überall noch massenweise theil» zu verwerflichen Modezwecken auf Frauenhüten, theil« zum Verspeisen, gefangen. Auch bei dem beständigen Kriege gegen die Sperlinge, von denen bi» zu dieser Stunde noch nicht entschieden ist, ob sie mehr nützlich oder schädlich sind, verlieren viele andere nützliche Sänger durch die mangelhafte Kenntniß gar mancher Schützen ihr Leben. Im Frühling werden durch da» heftige Schießen nach Spatzen viele Vögel beim Brüten oder Füttern der Jungen von ihren Nestern verscheucht; sie verlassen dieselben, und die Eier und Jungen gehen dann jämmerlich zu Grunde.
Die traurigste Zeit für unsere Standvögel ist unstreitig der Winter, allein wenn derselbe nicht zu heftig auftritt, so schlagen sich dieselben mit einiger Hilfe der Menschen glücklich durch, war aber leider im vorigen überaus kalten, langen Winter durchaus nicht der Fall war, denn derselbe hat auch den Vögeln großen Schaden zugefügt. Waren doch alle Bäche und Flüsse lange Zeit mit dickem Eis bedeckt, Feld und Wald mit tiefem Schnee, die Bäume und Sträucher mit Duft und Reif überzogen; es fehlte demnach den armen Vögeln an Wasser zum Trinken, Nahrung konnten sie absolut keine mehr finden, und die Folge war, daß nach dem Abgänge des Schnee« recht viele tobte Vögel gefunden wurden.
Die Verminderung unserer Standvögel muß doch wohl bei allen Naturfreunden großes Bedenken erregen, und sie müssen sich daher veranlaßt fühlen, überall dahin zu wirken, daß die Menschen dieselben immer mehr hegen und pflegen und ihnen eine recht thatkräftige Bejchützung und Hegung angedeihen lassen.
Gießen, im Januar 1896.
H. Curschmann, Lehrer i. P.
Verii Echtes.
Zeichen der Güte. „Haben Sie eine gute Waschfrau?" — „Eine ganz ausgezeichnete. In der letzten Woche brachte sie mir außer meinen eigenen sieben Kragen, die mir nicht gehörten, und alle paßten für meine Halsweite."
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Beschönigung. „Ist das wahr, Herr Angstvoll, Ihre Frau soll Ihnen ja gestern dis Kaffeekanne an den Kopf geworfen haben?" — „Hm, ja, aber es war eine mit Goldrand 1"
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Noch mal. Bräutigam. „Mit diesem Kusse, Engel, habe ich Dir Alles gesagt." — Braut: „Ich hab'» nicht recht verstanden; bitte, sag' mit’« noch einmal." ♦ ♦
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Der magnetische Gänsebraten. Hausfrau (zur Köchin): „Machen Sie doch endlich die Küchenthü«e zu; der Gansbratengeruch ist ja über die ganze Straße zu spüren, — eben war der dritte Soldat schon da, der Sie zu sprechen wünschte."
Redaktion: A. Scheyda. — Druck und Verlag der Brühl'schen UniversikatS-Buch- und Steindruckerei (Pietsch & Scheyda) in Gießen,


