Ausgabe 
17.12.1896
 
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Frühblühende Hyacinthen für den Äelhnachttstor Annen, falls sie ihre Töpfe durchwurzelten, in warmem Zimmer aufgestellt «erden.

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Ein sehr gutes Verfahren, nm Meerrettig aufzubewahren, besteht darin, daß man die Wurzeln, die ja bekanntlich nur vom Herbst bi« zum Frühjahr gut find, in Stücke schneidet, diese auf einem Ofen schnell trocknet, dann zu Pulver stößt, und letzteres in einer gut verkorkten Flasche auibewahrt. Beim Gebrauch feuchtet man eine beliebige Portion davon mit Wasser oder etwa« Esfig an und läßt stö einige Minuten stehen, wodurch da» Pulver aufgeht und dann die ganze Stärke des Meerrettigs ^wieder erlangt.

Kartoffel« von schlechter Qualität verbessert man beim Kochen auf folgende Weise: In da» Wasser gibt man ein Stück Kalk von der Größe einer welschen Nuß. Die Kartoffeln werden dadurch bedeutend mehliger.

Mäuse kauu man* durch Terpentin aus Häusern vertreiben. Der Geruch de« Terpentinöls ist den Mäufen sehr zuwider. Man kann Lappen damit bestreichen und ste in die Löcher legen oder an solche Orte, wo man die Mäuse gern verscheuchen will. Nach Verlauf von 14 Tagen taucht man die Streifen von Neuem ein.

Feine weiße wollene Shawls und Halstücher reinigt man, indem man fie in eine Schüssel oder ein anderes Gesäß legt und ste dann trocken recht sorgfältig mit etwa« Weizenmehl abreibt, wie wenn man e« waschen wollte, und darauf da« Mehl gut au«schüttelt. Ist da« Tuch hierauf noch nicht ganz rein, so wiederholt man da» Verfahren mit frischem Mehl.

Waschledrrne Handschuhe zu wasche«. Man fülle eme Waschschüssel mit lauwarmem Wasser, lhue dazu einen Eierbecher voll Stearinöl, eben so viel Salmiakgeist, und rühre dieses mit der Hand schaumig. Ist dies geschehen, so ziehe man die Handschuhe an und wasche ste sauber Dann werden ste leicht ausgedrückt, links gekehrt und zum Trocknen aufgehängt. S nd sie trocken, so reibe man fie weich und ziehe sie einmal über die Hand.

Weiße holsteinische Küche«. Man lasse 1 Flasche Rosenwasser, 2 Kilogramm Zucker, 375 Gramm Butter, 15 Gramm Zimmt, 10 Gramm Kardamom, die Schale von 2 6 t onen zusammen auskochen, etwas abkühlen, gieße es als« dann über 2*/g Kilogramm Weizenmehl und verrühre es recht eben- Nun lhue man einen Theelöffel voll gestoßenes Hirsch­hornsalz dazwischen, rühre e» gut durcheinander und lasse den Teig eine Nacht im warmen Zimmer stehen. Am nächsten Morgen knete man den Teig gut durch (mit nicht zu viel Mehl, lasse ihn dann einige Minuten ruhen und rolle ihn alsdann au« (*/z Centimeter dick), forme ihn beliebig in kleine oder grobe Stücke und lasse ihn recht vorsichtig kochen, daß er weiß bleibt. @« bringt etwa 6 Platten-

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Husarenbraten. Ein Rindrippenstück ohne Knochen salzt man, umwickelt es mit Speckstretfen und läßt es im Backofen in reichlicher Butter unter öfterem Begießen bei­nahe gar werden- Alsdann nimmt man das Fletsch au« dem Ofen, macht in dasselbe in regelmäßigen Abständen von ca. 3 Centimetern tiefe Einschnitte und streicht in diese eine Farce, die man hergestellt, indem man mehrere feinge- hackte Zwiebeln in Butter dünstet und ste mit geriebenem Weißbrode und Parmesankäfe, Pfeffer, Salz und einigen Eidottern zu einer steifen Masse verrührt. Hierauf brät man da» Fleisch völlig gar und verkocht das Bratenju« mit einem Theelöffel Liebig» Fleischextract und einem Glase Burgunder zu einer sämigen Sauce.

Hirmsvistisches.

Treffend. Erster Hausknecht:Wo warst Du denn jetzt so lange Zeit?" Zweiter Hausknecht:Ich erledigte glänzende Geschäfte." Erster Hausknecht:Wie meinst Du das?" Zweiter Hausknecht:.Na, ich wichste Stiefel."

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Feinste Bildung.Unsere Martha, Herr'Professor, 'muß bekommen die feinste Bildung. For de französische Sprache engagiren wir eine Gouvernante, und for de eng­lische eine Miß!"Und wie halten Sie es mit dem Deutschen?"Das lerne wir sei"

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Gefährliche Drohung. Bettler (der ein Stück Braten bekommen):Vergelt'» Gott! Sie, gnä' Fräul'n, haben Sie den Braten selbst 'braten?" Fräulein:G-. wiß!" Bettler:Nacha geb'» s' mir noch 10 Pfennig', sonst geh' ich zu Ihrem Herrn Bräutigam und laß ihn den Braten kosten I"

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Nur immer schlau. Ein junger Ehemann kommt von einer Kneiperei erst gegen Morgen nach Hau». Al» er im Begriff ist, sich au«zuziehen, erwacht die junge Frau und fragt verschlafen:Karl, willst Du schon ausstehen, e» ist doch erst gegen fünf Uhr!"Du hast aber auch recht," ent­gegnete schlau der Mann, zog sich völlig aus und legte sich in« Bett.

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Weihnachtsbitte 1896.

Nun nahen wieder jene Stunden, Wo schauert leis der Tannenbaum; Von Liebesgaben hold umwunden, Sieht er sich schon im süßen Traum. Bald schmücken ihn geschäft'ge Hände, Denn Liebe gönnt sich keine Rast; Er sehnt sich nach des Christkinds Spmde, Er trägt so gern die gold'ne Last.

Holt sie herein, die Tannenbäume! Laßt strahlen sie im Kerzenschein! Sie woll'n des Hauses stille Räume Mit würz'gem Tannendufte weih'«. Sie wollen segnen jede Hütte, Erhell'« der Sorge düst'res Haus, O, daß die Liebe wieder schütte Ihr Füllhorn auf die Erde auS I

Die Hand, die freudig will empfangen, Empfängt noch froher, wenn sie giebt; Der ist den Weg zum Glück gegangen, Der selbstlos wie sein Heiland liebt. Das ist die reinste Lieb' auf Erde«, Die wandelt gern das Mein zum Dein; In solcher Liebe selig werden, Laßt uns're Werhnachtsfreude sein.

Es ist die Zeit in ihrem Wandel Richt frei von Haß u«d Reid und Streit, O, deckt der Liebe Sternenmantel Aus dieser Erde Roth und Leid. Ihr werdet ihre Macht bezwingen, Uebt Ihr des Christen fromme Pflicht, O, laßt auch aus der Hütte dringen Der Liebe gottbegnadet Licht!

Bald werden wieder Glocken tönen Ihm, den der Vater uns gesandt; Wollt Ihr das Fest der Liebe krönen, So öffnet liebend Eure Hand! Er, der für uns am Kreuz gelitten, Will, daß Ihr Euer Herz erweicht; Laßt nicht umsonst die Liebe bitten Und macht die schweren Herzen leicht!

Hermann Pilz.

Rtbartion; 1. Schrtzda. *» Druck und Verlag der Brühl'schm UrüversMktS-Buch- und Eteindruckerei (Pietsch & Scheyda) in SießM.