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adir auH zu den besten des ganzen Landstriches und da es außerdem im Herzen der dortigen Weingegend gelegen war, so bildete dies einen weiteren Anziehungspunkt, sodaß ich gewöhnlich schon zur Eröffnung der Hühnerjagd, sowie während der Tage der Weinlese ständiger Jagdgast auf demselben war.
Wie üblich, waren wir näheren Bekannten der beiden Jägdpächter auch diesmal bereits am Nachmittag vor dem Tretbjagen in Bingen eingetroffen und hatten uns im Jägerstübchen de» betreffenden Hotels versammelt, um Kriegsrath zu halten, d. h. die Reihenfolge der Triebe für den nächsten Tag, die Führer für die verschiedenen Abtheilungen der Jagdgäste — es waren über hundert Einladungen ergangen u. a. m. zu bestimmen. Das war bald genug geschehen und nun begann eine gemüthliche Sitzung, die um so gemüthltcher wurde, als wir einen Neuling, einen Engländer unter uns hatten, dem nach echter, fröhlicher, rheinischer Jägerart alles nur Erdenkbare aufgebunden werden mußte. Dieser dankbaren Ausgabe unterzogen fich die Anwesenden auch mit solcher Ausdauer, daß der arme Mr. Todd — ein Wiesbadener Kurgast, den der Major mitgebracht hatte, und der nur unvollkommen deutsch verstand, — fich nicht anders zu helfen wußte, als mit Jedem, der ihm einen „guten Rath" ertheilte, anzustoßen und ein Glas Rüdesheimer nach dem andern zu leeren mit der stereotypen Entgegnung: Oh yes. Ich sehe — thank you very much!
Daß indessen der schwere Rheinwein besonders zur Klärung seines Verständnisses beigetragen hätte, wäre zu viel behauptet, doch hatte derselbe immerhin die gute Wirkung, den Engländer sehr heiter zu stimmen, sodaß er bereitwillig mitlachte und bald allgemein für einen „guten Kerl" erklärt wurde. Damit aber hatte er gewonnenes Spiel, und als Buddenberg, der inzwischen die Wagen für morgen bestellt hatte, wieder eintrat, konnten wir Beide es übernehmen, Mr. Todd einige kurze Verhaltungsmaßregeln zu geben, ohne daß fein Verständniß von der übrigen Gesellschaft durch „Erläuterungen" verwirrt worden wäre. Als Hauptsache prägte ihm der Major ein: Nicht in die Treiberltnie und nicht in die Schützenlinie hinein- schießen, überhaupt niemals auf weitere Distanz als 40 Schritt — „sonst arbeiten Sie für die Sanitätscolonne!"
„Was ist Sanitätscolonne?" fragte verwundert der Engländer.
„Ja so!" meinte Buddenberg, „Das können Sie natürlich nicht wissen. Ja, sehen Sie, dis Sanitätscolonne, da» sind . ... na, Sie werden ja morgen schon selbst sehen!" damit überließ er die Erklärung dem Zufall und der Zukunft. Allein Mr. Todd «ar neugierig geworden, und so sahen wir denn, wie er sich an einen der älteren Herren heran machte: „Plea ee, Mr. Schoeller, was ist Sanitätscolonne?
„Sanitätscolonne?" entgegnete der Gefragte, „ach so, Sie meinen wohl die Krankenträger?
„Krankenträger? "Well, was ist Krankenträger?"
„Ja, sehen Sie, da» find Leute — Bauern — aber Sie werden schon selbst sehen . . ."
„Das hat gesagt der Major auch. Ich werde also warten bi» morgen."
E» war ein herrlicher Deeembermorgen, klar und kalt, al» wir, beschienen von den ersten rothen Strahlen der soeben am Horizont fichtbar werdenden Wintersonne, am nächsten Tage am Rendez-vous-Platze eintrafen, wo fich bereits eine ganze Anzahl von Schützen eingefunden hatte, sodaß wir nun über 90 Personen zählten. Allgemeines Aufsehen erregte hier Mr. Todd, der in ganz neuer Ausrüstung erschienen war und dessen hellgelbe Riemen an Flinte, Jagdtasche und Rucksack weithin in der Sonne leuchteten.
„Na, wenn Sie heute nicht einen colossalen Anlauf haben," meinte der Major anzüglich, „dann weiß ich es auch nicht." „Warum? Was ist Anlauf?" fragte der Engländer dagegen.
„Na die Hafen glauben eben, hinter einem neuen Flintenriemen steht auch ein neuer Jäger, und da ste nicht gerne getroffen sein mögen, so wollen ste alle gerade an diesem vorbei und laufen ihn an. Da» heißt Anlauf......Er ist nämlich
ein sehr guter Scheibenschütze," fuhr er halblaut zu mir ge
wandt fort, „ich habe ihn auf dem Schießstand kennen gelernr. Ob er aber auf der Jagd etwa» trifft, das steht noch dahin, obgleich er in Schottland schon unendlich viel grouse geschossen haben will. Na, wir werden ja sehen. J-tzt aber ist e» Zeit, die Schützen anzustellen, die Treiber sind schon fort, wie ich sehe, also vorwärts, meine Herren. Waidmanns Heil!"
Der erste Trieb sollte in den Feldern des Thales veranstaltet werden und unter vier Führern, zu welchen auch ich gehörte, bewegten sich die Jäger in vier Abtheilungen ihren Ständen zu. Diese Stände bestanden einfach in halb manns- tiefen Erdlöchern, in welchen der Schütze, sobald er auf seinem Jagdstuhl saß, fast vollständig verschwand und derart von den anlaufenden Hasen kaum bemerkt wurde. Er konnte auf diese Weise das Wild ruhig bis auf gute Schußweite herankommen lassen, sodann aufstehen, einen sicheren Schuß abgeben und wieder verschwinden. Da der erste Trieb sehr groß war und hin und zurück getrieben werden sollte, so konnten immerhin anderthalb bis zwei Stunden bis zu seiner Beendigung vorübergehen und es war daher recht wohl angezetgt, fich in dem Stand einzurichten, um sich gegen dis Kälte zu schütze«.
Bei der Aufstellung meiner Abtheilung hatte ich Mr. Todd bis zuletzt bei mir behalten und ihm den Stand neben mir gegeben. Bevor ich mich nach dem meinigen verfügte, unterwies ich den Engländer nochmals kurz und schärfte ihm noch besonders ein, alle, die Schützenlinie passierenden Hasen bis zu einem gewissen Punkt hinauslaufen zu lassen, niemals aber auf weitere Distanzen oder dann zu schießen, wenn er seines Schusses nicht sicher sei, da er sonst nur für die Krankenträger arbeite. Damit zeigte ich ihm eine Anzahl dunkler Gestalten, die fich in ziemlich großer Entfernung hinter uns so gut wie möglich versteckt hielten.
„Und was thun ste dort?" fragte Mr. Todd, indem er sich eine mächtige wollene Decks um seine langen Beine wickelte.
„Das werden Sie bald sehen," entgegnete ich und eilte nach meinem Stand, denn soeben wurde das Huppenzeichen zum Beginn des Triebes gegeben.
Die Treiber waren eingegangen, und bald entwickelte sich auf dem weiten Felde ein reges Leben, denn auf allen Ecken und Enden sprangen die Hasen aus ihren Lagern, um in eiliger Flucht ihr Heil zu suchen. Eine starke Hühnerkette stand auf und schwirrte nach den Weinbergen hinüber, von allen Seiten krachten die Schüsse, und aus der Treiberkette klang deutlich der Ruf zu uns herüber: „Harro, Fuchs, Fuchs!"
(Schluß folgt.)
GeMeinnütziges.
Veilchen im Winter. Das Treiben der Veilchen wird noch viel zu wenig von Blumenfreunden geübt, und doch ist solche» sehr einfach und lohnt die kleine Mühe so reichlich. Man hat ja nichts weiter nöthtg, al« im H erbst die Veilchen in Töpfe zu pflanzen, sie in einen leeren Mistbeetkasten, oder in eine ausgeworfene Grube zu stellen und mit etwas L-ub zu umgeben und dann tm Wmter in die Stube an» Fenster zu stellen, wo sie zum Blühen kommen. Anstatt die Töpfe in einen Mtstbeetkasten oder Grube zu stellen, können ste einfach auch nur im Garten eingegraben werden, doch stehen sie hier nicht so warm, als wenn sie tiefer zu stehen kommen.
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Arbeiten im Ziergarten. Immer grüne, sogenannte Kalthauspflanzen, gleich den Pelargonien, Primeln, Cmerarien, befinden sich am wohlstsn in südlich gelegenen Wohnräumen mit einer Durchschntttswärms von 8 brs 9° 0.; die blühenden, krautartigen und Fettpflanzen werden möglichst hell gestellt. Warmhaus pflanzen kommen auf den Blumentisch, bezw. hinter die Doppelfenster des Wohnzimmers. Fettpflanzsn und Cacteen werden fast gar nicht begossen, alls sonstigen nicht blühenden Gewächse vorsichtig, treibende und blühende Gewächse nach Bedarf, alle aber mit abgestandenem Wasser, welches wenigsten» die Höhe der Zimmertemperatur zeigt.


