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UkLerhalLungsöLaLL zum Gießener Anzeiger (General-Anzeiger).
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Das Schäfchen.
AeihnachtSerzühlung von ZoS von Reuß.
------- ^Nachdruck verboten.!
Motto: Traum der eignen Tage, Die nun ferne sind, Sühnlein meiner Tochter, Du mein süßes Kind.'
Wie ein wohlgehütetes Nest lag das stark verschneite Harzdorf unten im Thale; Schornsteins, Dachgiebel, hier und dort kahle Baumäste, waren die widerspenstigen Strohhalme, die aus dem gutgesügten Bau hervorragten. Daß aber dort unten volles, warmes Leben pulfirte, zeigten die leichten Rauchwolken, die fast kerzengerade in die Luft emporstiegen, und der abendliche Lichtschein, der stch jetzt hinter den kleinen, gefrorenen Fenstern entzündete.
Auch im letzten, schon mehr an der Landstraße stehenden Häuschen blitzte letzt ein Lichtlein auf, nicht strahlend, aber freundlich und einladend. Das kleine Hans war früher das Hirtenhaus gewesen, in dem gleichzeitig die Gemeindearmen untergebracht wurden, da es aber gegenwärtig gerade kein „Bettelvolk" gab, hatte man das Häuschen an die Boten« Hanne vermielhet- Botenhanne war — die „Schnellpost" des Dorfes ; wenn Jemand irgend etwas prompt und schnell aus der Stadt besorgt haben wollte, wandte er stch, trotz ihrer stebzig Jahre, nur an Botenhanne — selbst bei Amt« mann» und Oberförsters war fle Vertrauenrperson. Daß ihr Tragkorb heute, zwei Tage vor dem Weihnachtsfeste, ganz besonders belastet gewesen war, ist erklärlich. Aber nicht nur Beine und Füße waren von der Wanderung er» müdet, sondern auch — der Kopf! Denn Botenhanne, die Geschriebenes auch nur schlecht zu lesen verstand, pflegte Alle» ihrem Gedächtniß einzuknüpfen, auch zeigte dasselbe bisher nur unbedeutende Löcher. Nach ihrer Rückkehr hatte sie die mitgebrachten Besorgungen im Dorfe vertheilt, und war dann in» Hirtenhau» zurückgekehrt, da» sie mit einer verwittweten Tochter und drei Enkelkindern bewohnte. Stark ermüdet, durchnäßt, saß sie im Lehnstuhl dicht am Ofen, der durch zwei riesige Holzscheite eine verschwenderische Wärme ausstrahlte, während die alternde Tochter die Abend» Mahlzeit besorgte-
„Großmutter, hast mir auch vom Christkind ein Schäfchen mitgebracht? Ich will ein Schäfchen haben, ein» mit Glöckchen und rothem Bandl" sagte der dreijährige blonde Kraurkopf, indem er sich an Großmutter» groben, naffen Rock schob.
„Das Schäfchen, Fritzchen? Richtig — Du hast Dir eins lbestellt beim Christkind, ich weiß wohl!" entgegnete Großmutter verlegen. Denn o Schrecken, sie empfand reu» miithig, daß ihr Gedächtniß diesmal doch ein bedenkliches Loch gehabt hatte. Das Schäfchen — sie hatte es wirklich vergessen! Wenn es einen Trost gab, so war es die That» sache, daß das verfügbare Geld auch zu dem Ankauf schwer» lich gelangt haben würde. Stotternd versuchte sie ein paar Ausflüchte- „Du wirst eine Pelzmütze vom Christkind morgen erhalten, Fritzchen," sagte sie tröstend, mit ihrer rauhen Baßstimme, die zu der robusten Gestalt paßte. Großmutter würde in ihrer Jugend einen guten Dragoner abgegeben haben! Aber auch als Botenhanne war ihre Rüstigkeit am Platze gewesen: e» galt etwa» durch Schnee und Regen, Sturm und Sonnenbrand zweimal wöchentlich al» Lastthier nach der Stadt zu wandern! Zu der Mannesgestalt und dem groben blatternarbigen Gesicht wollte freilich das Herz im Busen nicht paffen: es ging Botenhanne wie bett großen Hunden, die trotz ihrer Riesenstärke weit sanftmüihiger find, al» die kleinen Kläffer. So versuchte fie auch jetzt gegen den Liebling allerlei Trostesworte, Beruhigungsmittel und Zärtlichkeiten, ohne viel auszurichten — selbst ein gebratener Apfel wollte nicht vollständig seine Schuldigkeit thun .... Da ward, trotz de» späten Abend», die Hausthür aufgeklingt, und der Forstläufer von Obersörsterei Kukuk trat ein, schneebedeckt und dampfend von Feuchtigkeit, fast nicht weniger als aus der qualmenden Tabakspfeife.
„Die Frau Oberförsterin möchte gern noch Mandeln und Rosinen haben, zum Christstollen, zwei Pfund, Botenhanne möchte e» besorgen!" sagte der Forstläufer. „Es soll der Frau Obersörsterin auch auf ein tüchtige» Stück Kuchen nicht ankommen!"
Botenhanne hatte den alten müden Kopf an die Lehne de» Lehnstuhle» gedrückt; sie fühlte sich merkwürdig schwach. Aber ein Wunsch der Frau Oberförsterin war unmöglich zurückzuweisen; die Leute mußten ihre Mandeln und Rosinen


